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Kommentar

Kleine Sperrung mit großer Wirkung - Hamburg läutet den Diesel-Tod ein

Seit Jahren werden in der Hansestadt die Grenzwerte für Stickstoffdioxid überschritten, jetzt sollen die ersten Straßen gesperrt werden.

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Die Stadt Hamburg will eine Kreuzung ganzjährig für Diesel sperren. Insgesamt sind es nur 2300 Meter, aber die haben eine enorme Wirkung. Kommt die Sperrung, sind die Tage des Diesels in Deutschland gezählt.

Zwei Straßen will für Diesel sperren – genau genommen nur Teilstücke davon. 580 Meter der Max-Brauer-Allee und 1720 Meter der Stresemannstraße. Nur Diesel-Fahrzeuge der Euro-Norm 6 dürfen sie dann noch befahren. Norm 5 und schlechter müssen ausweichen. Das heißt: die Kreuzung wäre für fast alle tabu. Modelle mit der Abgasnorm 5 wurden noch im Jahr 2015 in großen Mengen zugelassen. Seitdem die EU-Grenzwerte für Stickoxide im Jahr 2010 verschärft wurden, werden sie Jahr für Jahr an den vier großen Hamburger Messstationen überschritten.

Kleine Sperrung  mit großer Wirkung

Diese Maßnahme hat allein wegen der geringen Länge der gesperrten Strecken viel von einem Schildbürgerstreich. Den Anwohnern muss die Begründung von Umweltsenator Kerstan, es würden ausreichend Alternativ-Routen bestehen, wie Hohn vorkommen. Tatsächlich lässt sich die Kreuzung weiträumig umfahren. Doch es ist zu befürchten, dass viele Fahrer nur von der Hauptverkehrsstraße abbiegen werden, und sich ihren Weg quer durch die Stadt bahnen. Auch wenn der Anliegerverkehr auf den zusammen 2300 Metern Straßenlänge weiter erlaubt sein sollte, müssen die Bewohner des Quartiers stets einige Kilometer Umweg durch Wohnstraßen nehmen, um zu ihrem Ziel zu kommen. Ob damit die Stickstoffbelastung verringert werden kann, darf bezweifelt werden.

Abstimmung

Streckensperrungen für Diesel. Was meinen Sie, hat der Diesel noch eine Zukunft?

Geringe lokale Wirkung

Wie eine Umfrage der "Hamburger Morgenpost" zeigt, fragen sich die Hamburger, wie das kontrolliert werden soll. Der Senat hat Stichproben angekündigt. Aber wenn der politische Wille da ist, geht das heute schon vollautomatisch, wenn entsprechende Kameras installiert werden. Der Schwerlastverkehr quer durch die Stadt würde daher sofort eine andere Route wählen. Weniger würde er allerdings nicht, was aus der Schanze ausgesperrt wird, taucht dann einen Stadtteil später wieder auf.

Dieseln wird unbequem

Von den fragwürdigen lokalen Effekten abgesehen, hat der Plan allerdings eine deutliche Signalwirkung für die ganze Republik: Der Diesel ist tot. Die Politik will ihn nicht mehr in den Städten. Noch warten die Hamburger auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, das Ende des Jahres entscheidet, ob Städte diese Art von Streckensperrungen anordnen können. Sollte das Gericht die Kommunen dazu ermächtigen, dürfte Hamburg erst der Anfang sein – überall in der Republik werden dann Straßen mit hoher Belastung gesperrt. Eine entsprechende Klagewelle rollte bereits, gibt das Bundesverwaltungsgericht grünes Licht, werden die Kommunen handeln müssen.


Anziehen der Daumenschrauben

Nicht so vermögende Autofahrer in den Städten können dann sehen, wie sie in einer Stadt zurechtkommen wollen, in der einzelne Verkehrsachsen für sie unbefahrbar sind. Die Streckensperrung ist die ideale Methode, den Diesel zu vergraulen. Diesel-Besitzer in der City werden nicht über Nacht praktisch enteignet, ihnen wird nur das Leben schwer gemacht. Und nach einer Kreuzung können weitere folgen.

Diesel werden unverkäuflich

Angeschlagen ist der Diesel-Motor seit dem Jahrhundertbetrug der Volkswagen AG. Allein im April sank der Anteil der Dieselautos an den Neuzulassungen in Deutschland um 19,3 Prozent. Für den Neuwagenmarkt ist das Signal aus Hamburg klar und deutlich: Wer auch in Zukunft mit seinem Auto in jede Stadt kommen will, sollte keinen Diesel kaufen. Noch sind die neuen Diesel der Schadtstoffklasse 6 ausgenommen. Aber wer mag darauf vertrauen? Dank der erfindungsreichen Autoindustrie halten sie die Grenzwerte nur auf dem Prüfstand und nicht auf der Straße ein. Auch auf dem Branchentreff des Wiener Motorensymposium fürchteten die Experte, dass Selbstzünder in Zukunft die strengen Richtlinien für Emissionen im praktischen Fahrbetrieb einhalten sollen. Da für die Luftqualität der reale Ausstoß und nicht der Normwert entscheidend ist, müsste man schon viel Gottvertrauen aufbringen, wenn man glaubt, ein Diesel der Klasse 6 sei zukunftssicher.

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