Elektronische Briefmarke Portokasse im PC
13.10.2008, 07:56 Uhr
In Österreich kann sich der Postkunde seine Marke selbst gestalten
Internetmarke und Handyporto laufen der herkömmlichen Briefmarke den Rang ab. Mehrere Programme helfen beim Briefversand, im Netz können sogar eigene Briefmarken gestaltet werden. Doch nicht immer lohnt sich das virtuelle Porto.
Von Sebastian Wieschowski

Als der Freistaat Bayern am 1. November 1849 ein schwarz bedrucktes Papier mit einer weißen 1 herausgab, wurde das Briefporto sozusagen zur "Bezahlform 2.0" der Nachrichtenübermittlung. Das erste topmoderne Prepaid-System auf deutschem Boden, was der Post die Möglichkeit gab, Geld für einen Brief nicht mehr beim Empfänger, sondern beim Absender einzukassieren. Seitdem wird fleißig geleckt und geklebt, bunte Bildchen aus aller Welt werden gesammelt und getauscht.

Post ohne Briefmarken

Doch die gute alte Briefmarke scheint zum Auslaufmodell zu werden - die Deutsche Post hat im Jahr 2007 ungefähr 20,8 Milliarden Briefsendungen zugestellt, davon waren nur 2,2 Milliarden mit Briefmarken freigemacht. Und Handy sowie PC kommen dem Briefumschlag immer näher. Mittlerweile ist vor den Briefkästen der Deutschen Post ein kurioses Schauspiel zu beobachten: Menschen zücken ihr Telefon, schreiben eine SMS, warten einen Moment und notieren dann eine zwölfstellige Nummer auf den Umschlag ihres Briefes. Was bis vor kurzem noch undenkbar war, ist noch vor dem 150. Geburtstag der Briefmarke Realität: Briefe erreichen auch ohne Briefmarke ihr Ziel.

Mit dem Handyporto bietet die Deutsche Post einen Service, mit dem Briefversender ihren Umschlag jederzeit und überall frankieren können: Für den Kauf des Portos schickt der Nutzer eine SMS mit dem Stichwort "Brief" oder "Karte" an die Kurzwahlnummer 22122. Wenige Augenblicke später landet eine SMS auf dem Handy. Sie enthält eine zwölfstellige Zahl, die von Hand auf den Umschlag oder die Karte notiert werden muss - je vier Ziffern nebeneinander.

Fetter Preisaufschlag

Dieser Service kostet allerdings: 95 Cent berechnet die Post für einen Standardbrief, der schnelle Postkartengruß lässt sich für 85 Cent per Handy frankieren. Dazu kommen die SMS-Gebühren des Netzbetreibers - insgesamt zahlen Handykunden also rund doppelt so viel für ihren Brief wie altmodische Postkunden. Wer das Mobiltelefon in der Tasche lässt und stattdessen eine Briefmarke klebt, zahlt nur 55 Cent. Das übliche Porto für eine Postkarte liegt bei 45 Cent.

Wer sich den Weg zur nächsten Postfiliale sparen will, kommt aber auch günstiger weg - mit der Internetmarke wird der heimische Computer zur Portokasse. Die Post hat auf ihrer Seite eine Eingabemaske eingerichtet, die mit jedem Internetbrowser benutzbar ist - eine separate Software zum Portodruck ist nicht nötig. Über das Portal gibt der Besteller die gewünschte Menge und das benötigte Porto ein.

Bezahlt wird via Lastschrift, PayPal oder Onlineüberweisung. Bei allen drei Zahlformen ist ein Mindestbetrag von zehn Euro vorgeschrieben - die Differenz wird als Guthaben für den nächsten Kauf hinterlegt, wenn der Kunde für weniger als zehn Euro Porto kauft. Bei registrierten Stampit-Kunden entfällt die Mindestbestellgebühr. Neben dem tatsächlichen Briefporto fällt bei der Internetmarke keine weitere Gebühr an. Außerdem kann der Besteller ein Wunschmotiv auswählen, dass neben die - zugegebenermaßen ziemlich hässliche - Onlinebriefmarke gedruckt wird.

Freie Motivwahl in Österreich

Einen Schritt weiter geht die Österreichische Post. Philatelistisch interessierte Websurfer können sich auf der Seite von "Meine Marke" eigene Briefmarken gestalten - der Nennwert kann von 55 bis 999 Cent frei gewählt werden. Auch beim Motiv sind fast keine Grenzen gesetzt. Deutsche Besteller müssen jedoch einen kleinen Umweg in Kauf nehmen, wenn sie Freunde in der Bundesrepublik mit einer selbstgedruckten Marke überraschen wollen: Bei der Bestellung erhält der Auftraggeber je nach Bestellwert einen oder mehrere so genannte internationale Antwortkleber. Damit können Briefe mit der österreichischen Wunschmarke kostenlos an die Österreichische Post geschickt werden, diese stellt die Briefe dann nach Deutschland zu.

Während Nutzer beim Handyporto kräftig draufzahlen, können sie beim Paketversand via Internet sogar sparen: Einen Euro weniger berechnet die Post-Tochter DHL für jedes Paket, dass über den Online-Service Stampit frankiert wird. Dieser kostet in der Ausführung "Web" keine Extragebühr und ist auch für Ebay-User hilfreich - denn bei der Auktionsabwicklung bietet Ebay die Möglichkeit an, einen DHL-Paketschein direkt mit den Daten des Auktionsgewinners auszudrucken.

Größere Versandaufträge sind mit der Internetmarke oder der Stampit-Ausführung "Web" allerdings nicht zu schultern - hierfür bietet die Post auch erweiterte Stampit-Versionen: Diese sind nicht webbasiert, sondern laufen über eine eigene Software und kosten einmalig 9,50 Euro (Home) oder 83,50 Euro (Business). Dafür werden zahlreiche Annehmlichkeiten geboten, darunter eine Integrationsfunktion für Word, Excel oder ein Adressbuch.

Internetsurfer, die beim Postversand nicht auf das Lecken und Kleben einer echten Briefmarke verzichten mögen, werden übrigens in Internetauktionshäusern wie Ebay fündig - dort versteigern unzählige Nutzer nicht mehr benötigte Briefmarken und Paketscheine, die noch gültig sind. Gültige Frankaturware wird derzeit in etwa 450 Auktionen angeboten. Sparen können Verbraucher vor allem bei Paketmarken - denn gleich mehrere Ebay-Nutzer kaufen die Kleber im großen Stil auf und geben einen Teil des Mengenrabattes an ihre Kunden weiter.