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Warum mich die Nintendo Switch begeistert - und ich sie mir nicht kaufe

Die Nintendo Switch steht im Dock vor einem Fernseher, daneben die JoyCons in ihrer Halterung

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Mit der Switch definiert Nintendo mal eben neu, was eigentlich eine Spielkonsole ausmacht. stern-Redakteur Malte Mansholt hat sie getestet und verrät, warum er sie trotz Spaßfaktor und echter Innovation nicht kaufen wird.

Ich bin Nintendo-Fan. Mein erstes Spielgerät war der erste Gameboy, seitdem habe ich alle Nintendo-Konsolen besessen - außer der Wii U. Denn nach der Spielearmut auf der eigentlich tollen Wii und dem eher mauen Konzept der Wii U entschloss ich mich, erstmal abzuwarten, was da noch kommt. Und schlug dann wegen der fehlenden Spielevielfalt doch nie zu. Nun konnte ich eine Woche die Nintendo Switch testen - und bin begeistert. Kaufen werde ich sie mir trotzdem erst einmal nicht.

An der fehlenden Innovation liegt es nicht. Mit der Switch hat sich Nintendo ein bisher einmaliges Konzept ausgedacht. Während frühere Konsolen entweder für die Nutzung unterwegs oder am Fernseher gedacht waren, kann die Switch nahtlos zwischen beidem wechseln. Dazu nimmt man die Konsole einfach aus der Basis, steckt die auch für Bewegungssteuerung geeigneten Controller, JoyCon genannt, an die Seite - und kann schon in dem Moment auf einem gut aussehenden 6-Zoll-Display weiterspielen. Steckt man die Switch dann wieder in die TV-Station, erscheint sofort wieder das Bild auf dem Fernseher, praktisch ohne Verzögerung. Ein tolles Prinzip für Kinder, Reisen oder wenn die geliebte Ehefrau den Bachelor ohne meine nervenden Kommentare schauen will.

Die Nintendo Switch in der Hand

  

Der Switch klappt

Und das Prinzip funktioniert. Beim Spielen von "Legend of Zelda: Breath of the Wild" macht es fast keinen Unterschied, ob ich das Gerät in der Hand halte oder auf dem Fernseher spiele, die Joycons liegen sowohl am Gerät selbst als auch in der dafür vorgesehenen Halterung toll in der Hand. Theoretisch kann man sie auch einzeln halten, das empfand ich persönlich bei diesem Spiel aber als unpraktisch. 

Unterwegs macht die Switch ebenfalls eine gute Figur. Ich würde sie wegen des doch nicht ganz kleinen Gehäuses wohl eher nicht in der U-Bahn nutzen, im Zug, im Flieger oder auf der Autorückbank ist die Größe aber völlig in Ordnung. Wenn man einen Tisch hat, lässt sie sich sogar per ausklappbarem Standfuß abstellen. Vor allem Kinderarme sind dafür dankbar. Die Switch passt aber anders als etwa der Nintendo DS oder das Smartphone nicht in die Hosentasche. In einem Rucksack oder einer großen Handtasche kommt sie aber locker unter.

Die Nintendo Switch mit angesteckten JoyCons auf einem Esstisch.

 

"Resident Evil 7"-Director Koshi Nakanishi (links) und Producer Masachika Kawata


Müder Akku

Natürlich muss man für eine solche Mobilität auch Kompromisse eingehen. Nintendo gibt eine mobile Akkulaufzeit von zwei bis sechs Stunden an, bei rechenintensiven Spielen dürften in der Regel drei Stunden drin sein. Solange hielt sie bei mir auch durch. Gemessen an der gebotenen Grafik ist das in Ordnung, im Vergleich mit einem Nintendo DS aber eher mager. Für längere Reisen ist die Switch alleine so nur bedingt geeignet, immerhin lässt sie sich per Netzteil oder sogar per Powerbank mit Strom versorgen.

Ein weiterer Kompromiss sind die separaten Joycons. Zum einen, weil sie mit einem eigenen Akku daherkommen müssen, um mobil zu sein. Der JoyCon-Halter lädt sie zudem nicht auf, man muss sie dazu an die Konsole stecken. Einen Halter mit Ladefunktion muss man sich extra kaufen - für knapp 30 Euro. Zum anderen sorgt der in der Mitte gespaltene Controller ab und an für Synchronisationsprobleme. Statt mit einem muss die Switch sich ja mit zwei Geräten koordinieren. Gelegentlich reagiert dann der linke JoyCon erst mit sekundenlanger Verzögerung, was mich mehr als einmal mein virtuelles Leben gekostet hat. Hoffentlich kann Nintendo hier per Software Abhilfe schaffen.

Ein einzelner Joycon der Nintendo Switch wird an seine Schiene gesteckt

Spielemangel

Der Hauptgrund für mich, mir noch keine Switch zu kaufen, ist allerdings das aktuell noch arg magere Spieleportfolio. Zum Start stehen kaum Titel zur Verfügung, die meisten sind Neuauflagen. Mit Zelda hat man zwar ein echtes Schwergewicht am Start, das mich auch wirklich begeisterte, das Spiel gibt es allerdings auch für die Wii U. Und obwohl es mit seiner gigantischen Spielwelt und dem fesselnden Gameplay eines der besten Spiele des Jahres ist: Nur deshalb werde ich persönlich mir keine Switch zulegen. Bis Highlights wie Splatoon 2 oder das nächste Mario-Spiel erscheinen, wird es noch einige Monate dauern. Die meisten bisher angekündigten Highlights stammen von Nintendo selbst.

Ob sich diese Situation in Zukunft bessern wird, muss sich zeigen - vor allem wegen der Hardware-Beschränkungen. Wegen des Fokus auf mobiles Spielen ist die Switch etwas schwächer auf der Brust als die Konkurrenz. Mit der Leistung einer PS4, Xbox One oder gar eines potenten PCs kann sie in keiner Form mithalten. Weil es mit viel Aufwand verbunden ist, Spiele auf schwächerer Hardware zum Laufen zu bekommen, werden sich Entwickler sehr genau überlegen, ob sie auch eine Switch-Version anbieten. Bei der Wii U stiegen viele schnell aus, weil die Spieler- und damit die Käuferbasis schlicht zu klein war. Käufer wurden wiederum vom Spiele-Mangel abgeschreckt. Ein Teufelskreis, den Nintendo diesmal hoffentlich aufbrechen kann - und der mich zum Warten veranlasst.

Eine Nintendo Switch steht im Klapp-Modus auf einem Tisch

Auch ob die Switch den happigen Anschaffungspreis von knapp 329 Euro wert ist, muss jeder selbst entscheiden. Zumal zu diesem Preis noch kein Spiel dabei ist. Zum Vergleich: Die immer noch aktuellen Konkurrenz-Konsolen Playstation 4 und Xbox One gibt es trotz deutlich höherer Leistung für knapp 100 Euro weniger.

Ich bin begeistert - und warte trotzdem

Mit der Nintendo Switch ist Nintendo eine tolle Neudefinition der Spielkonsole gelungen. Ich hatte viel Spaß mit ihr. Das Wechselkonzept ist clever gelöst und funktioniert im Alltag in der Regel sehr gut. Die kleineren Aussetzer des JoyCon nerven, könnten aber per Software-Update zu beheben sein. Die Akkulaufzeit ist nicht so gut, wie man es sich wünschen würde, lässt sich aber per Ladekabel oder Powerbank abfedern.

Das größte Manko ist der aktuelle Spielemangel, der wegen der schwachen Hardware bestehen bleiben könnte. Zelda ist zwar einer der besten Starttitel aller Zeiten, als einziges Spitzen-Spiel der nächsten Monate reicht es mir persönlich aber nicht als Kaufgrund aus. Wer warten kann, sollte es wohl tun. Denn ob sich die Situation tatsächlich bessert, dürfte sich schon bis Ende des Jahres zeigen. Bis dahin sinkt auch der doch recht hohe Preis eventuell schon. Und vielleicht stelle ich mir dann auch eine Switch unter den Weihnachtsbaum.


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