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So schildert einer der Retter die Tatnacht

In der schrecklichen Nacht kamen zwei Schweden zufällig am Tatort vorbei und retteten die Studentin (Symbolbild). Rechts im Bild: der Täter Brock T., ein Ex-Stanford-Student und Schwimmer.

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Sie kann sich an die Nacht nicht erinnern. Die 23-Jährige, die von einem Stanford-Studenten missbraucht wurde, erlangte erst im Krankenhaus ihr Bewusstsein zurück. Doch nun meldete sich einer der zwei jungen Schweden, die sie retteten, zu Wort.

Selbst in einer Geschichte, die so hässlich und so schrecklich ist wie die von der jungen Frau, die brutal missbraucht wurde und deren Peiniger zu gerade einmal sechs Monaten Gefängnis verurteilt wurde, gibt es Helden. Es sind die zwei jungen Schweden, die zufällig auf ihren Fahrrädern vorbeikamen und die junge Frau retteten. "Ich habe zwei Fahrräder gezeichnet und über mein Bett gehängt", schreibt das Opfer in ihrem Brief über die Tatnacht. "Sie erinnern mich daran, dass es Helden in dieser Geschichte gibt. Dass wir aufeinander aufpassen. Diese Menschen getroffen zu haben, ihren Schutz und ihre Liebe gespürt zu haben, ist etwas, das ich nie vergessen werde."

Carl-Fredrik Arndt, einer der beiden Retter, hat sich nun zum ersten Mal zu Wort gemeldet. In der schwedischen Zeitung "Expressen" schilderte er die Geschehnisse der Tatnacht. Er war in der Nacht des 18. Januar 2015 zusammen mit einem anderen Doktoranden mit dem Fahrrad unterwegs. Sie waren auf dem Weg zu einer Party, als sie einen Mann und eine Frau hinter einer Mülltonne entdeckten. "Wir haben gesehen, dass sie sich nicht bewegte, während er sich sehr viel bewegte. Das kam uns seltsam vor, deswegen haben wir angehalten", berichtet Arndt.

"Was zum Teufel machst du da?", hätten sie gerufen, als der Täter, der 20-jährige Schwimmstar der Universität, Brock T., aufstand. Da registrierten die beiden jungen Männer, dass die Frau regungslos auf dem Boden lag. T. versuchte zu fliehen. Während Arndt sich um die junge Frau kümmerte, nahm sein Freund Peter Jonsson die Verfolgung auf. Er stellte T. nach wenigen Metern und hielt ihn fest, bis die Polizei eintraf.

"Es wird nie vorbei sein"

Arndt zeigte sich gegenüber "Expressen" sehr bewegt von dem Brief des Opfers. Die 23-Jährige hatte bei der Urteilsverkündung im kalifornischen Palo Alto einen Brief an den Täter vorgelesen, in dem sie die körperlichen und seelischen Folgen des Verbrechens in eindringlichen Worten schildert. Der Brief wurde im Netz bereits unzählige Male geteilt und befeuert eine Diskussion über den Umgang mit sexualisierter Gewalt. Weltweit wächst die Empörung darüber, dass T. zu gerade einmal sechs Monaten Haft verurteilt wurde. 

Ex-Stanford-Student Brock T.

Der Richter begründete die geringe Strafe damit, dass T. nicht vorbestraft sei. Eine längere Haftstrafe könne verheerende Auswirkungen auf sein weiteres Leben haben. T.'s Vater hatte sich in einem Brief an den Richter gewand und um ein mildes Urteil gebeten. Sein Sohn sei seit dem Vorfall ständig deprimiert, er habe keinen Appetit mehr und all seine Lebensträume seien geplatzt. Worte, die für das Opfer der reinste Hohn sein müssen.

Die junge Frau wachte erst im Krankenhaus wieder aus ihrer Bewusstlosigkeit auf. Sie hatte T. auf einer Party getroffen und wahrscheinlich so viel Alkohol getrunken, dass sie das Bewusstsein verlor. Alles, was danach geschah, musste sie aus der Zeitung erfahren. "Was er mir angetan hat, wird nie wieder weggehen, auch nicht nach vielen Jahren", schreibt das Opfer. "Es bleibt bei mir, ist ein Teil meiner Identität, es hat für immer die Art verändert, wie ich mit mir selbst umgehe, wie ich den Rest meines Lebens leben werde."


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