User Image User
User Image User
TV-Kritik

Die Mutter aller Duelle und "ein f*** dich" für Tim Raue

Tim Mälzers Kitchen Impossible

Von:

"Wer ist der eigentliche King von 'Kitchen Impossible'?" fragt sich Tim Raue. Im wohl größten Duell der Kochshow treten die beiden Koryphäen gegeneinander an. Tim gegen Tim, Raue gegen Mälzer. Alle Regeln sind außer Kraft gesetzt.

Das letzte Duell von "Kitchen Impossible" wurde von allen eingefleischten Fans wohl am meisten herbeigesehnt. Es gilt als die Mutter aller Duelle. Sternekoch trifft auf "Frittenkoch" Tim Mälzer. Bereits zweimal haben sich die beiden herausgefordert. Einmal gewann Raue, das andere mal Mälzer. Den beiden ist der eigentliche Erfolg von "Kitchen Impossible" zu verdanken.

In einer Pilotfolge, die am 23. Dezember 2014 ausgestrahlt wurde, wollte Vox herausfinden, ob das Publikum für so eine Art Kochshow überhaupt bereit war. Es war nicht bereit. Das lag aber eher daran, dass die Folge einen Tag vor Weihnachten gezeigt wurde. Der Zeitpunkt hätte nicht schlechter gewählt sein können. Trotzdem glaubten die Produzenten an den Erfolg der Sendung und probierten es im darauffolgenden Jahr noch einmal. Mit Erfolg. "Kitchen Impossible" schlug ein. Zu Recht. Im deutschen Fernsehen gibt es keine bessere Kochsendung und vermutlich auch kein besseres Duell als Mälzer versus Raue.

Was Tim Mälzer vorab dem stern verrät: Er schickt Raue zum Kochen zu Freunden. Etwas was Raue nicht kann, emotionale Küche, Mälzer aber umso mehr. Auf Mallorca muss Tim Raue Mälzers Lieblingsgerichte in seiner Lieblingsküche bei befreundeten Köchen zubereiten: Schnecken, Tintenfisch, Coca, eine Art mallorquinische Pizza und eines der besten Gerichte, das Raue in jenem Jahr gegessen hat. Tim Raue ist ein Meister seines Fachs und ist technisch zwar ganz groß, die Emotionen aber in die Gerichte zu kriegen, ist seine Achilles-Ferse. Aber auch Tim Raue lernt dazu, er kocht emotionaler. Die Jury ist streng, vergibt dennoch 5,7 von 10 Punkten.

"Ein tief aufrichtiges f*** dich!"

Raue schickt Mälzer nicht zu seinen Freunden, sondern nach Berlin. Mälzer wittert förmlich eine Gemeinheit. Doch dann die Überraschung: Der TV-Koch muss Königsberger Klöpse kochen. "Was ist denn los mit Raue?", fragt sich . "Ich kann jetzt schon sagen, dass ich brillant sein werde", gibt sich Mälzer gewohnt siegessicher. Wo der Haken ist? Die Klöpse sind neu interpretiert. Von Tim Raue höchstpersönlich. Mälzer hat es nicht anders erwartet. In der Analyse – muss man ihm aber wieder Recht geben – ist der TV-Koch brillant. Dass muss ihm sogar Tim Raue zugestehen.

Zubereiten muss Mälzer das Gericht in einem der Restaurants von Tim Raue. Mälzer spricht sich wie immer Mut zu. Eine Art Taktik, wenn er an seine Grenzen stößt. Dass Mälzer was kann, muss man nach der zweiten Staffel von "Kitchen Impossible" nicht mehr erwähnen. Vor der Sendung kam es ihm zu Gute, dass seine Kontrahenten ihn unterschätzten. Raue tut dies nicht mehr. Die Jury besteht aus zehn Köchen von Tim Raue. Gewissermaßen der Endgegner. "Ihm fehlte der Mut zur Würze", lautet das Urteil der Jury. 4,5 von 10 Punkten und eine Umarmung von Tim Raue.

Man hat das Gefühl, dass Vox in die Produktion noch etwas mehr Liebe zum Detail gesteckt hat. Die Auswahl des Sounds ist noch gewaltiger, die Bilder noch massiver, dramatischer und besser gefilmt. Aber das hätte auch niemand anders erwartet – bei der Mutter aller Duelle.

Etwas Fieses in der Box

"Mälzer ist ein widerwärtiger und hinterfotziger Gegner", wird Raue in Italien bewusst. In der "Kitchen Impossible"-Box steckt etwas Fieses: eine Tiramisù-Torte. Der Sternekoch muss backen. "Wenn er hier scheitert, scheitert er an sich selbst", glaubt Mälzer zu wissen, deshalb sei er auch Mister 'Kitchen Impossible', er sei einfach schlau.

"Das ist mit Sicherheit die größte Herausforderung, die ich bei 'Kitchen Impossible' hatte: backen", sagt Tim Raue und gibt sich demütig. Seine größte Aufgabe wird sein, mit seinem Scheitern umzugehen. Bis zu diesem Zeitpunkt hat Raue noch nie einen Biskuit gebacken. Hat Mälzer den Schlüssel gefunden, wie er Raue zum Scheitern bringen kann? "Ich glaube, du hast beim Größten gelernt. Bei mir", sagt Mälzer zu Raue als der Sternekoch beginnt, zu improvisieren. Drei Anläufe braucht Raue, um dem Original-Biskuit auch nur annähernd das Wasser reichen zu können. Das Ergebnis – für Raues erste Torte, die er jemals gebacken hat, kann sich sehen lassen. Geschmacklich jedoch ist sie schwach, obwohl Tim Raue sein ganzes Herz in die Zubereitung gelegt hat: 4,1 von 10 Punkten.

Tim Mälzer: "Bei mir und Raue geht es um Vernichtung"

Mälzer und Raue schenken sich nichts: Der kriegt seine Box bereits im Flugzeug nach Zürich. Damit hätte nicht mal Mälzer gerechnet. Er muss Flugzeug-Essen kochen. Keine leichte Aufgabe, schmeckt das Essen in 10000 Metern Höhe doch anders als am Boden. Raue greift noch tiefer in die Trickkiste: die Jury besteht aus den Originalköchen der Gerichte. Eine schwierigere Herausforderung konnte er Mälzer nicht bereiten. Mälzer geht auf dem Zahnfleisch und gibt trotzdem mal wieder nicht auf. "Und das ist der Unterschied zwischen Mittelmäßigkeit und Großartigkeit", lobt ihn Tim Raue und zollt ehrlich Respekt vor seinem Kontrahenten.

Dass Mälzer das Essen ausschließlich kochen muss, dabei kann es Raue nicht belassen. Mälzer muss auch die Gerichte an Bord servieren. Das Ergebnis? Die Jury ist positiv überrascht und Mälzer hat sie mit seinen Kochkünsten überzeugt. Was für eine Aufgabe! Tim Mälzer wird für seinen Biss und sein Durchhaltevermögen belohnt. Er erhält grandiose 6,6 von 10 Punkten.

Die Mutter aller Duelle Teil drei geht ehrlich verdient an Tim Mälzer. Rein fachlich gab es zwischen den beiden in dieser Folge kaum mehr Unterschiede.  

Zwei Dinge waren in diesem Duell anders als in den vorherigen: Mälzer ist begeistert, dass Raue sich der emotionalen Küche langsam annähert. Raue möchte Mälzer in dieser Folge "erstmals nicht aufschlitzen", sondern sogar umarmen. Besser kann das dritte Duell der Streithähne eigentlich nicht enden. Eigentlich. Wir warten gespannt auf die dritte Staffel!