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Moin Astra, das heißt Alsterwasser - nicht Radler!

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Das Hamburger Kultbier Astra verpasst seinem "Alsterwasser" eine neue Rezeptur. Soweit die gute Nachricht, denn die alte Plörre war nicht trinkbar. Doch Astra will das neue Gebräu tatsächlich als "Radler" verkaufen. Aus norddeutscher Sicht eine ganz schlechte Idee.

Eigentlich ist es ein Grund zur Freude. Zumindest für diejenigen, die sich heimatverbunden ein gepflegtes Biermischgetränk genehmigen wollen. Denn bislang quälte das Hamburg Kultbier Astra seine Kundschaft mit einer fürchterlichen Plörre, die sie tatsächlich unter dem Namen Alsterwasser verkauften. Für alle, die südlich von Hamburg leben: Wir sprechen von Radler, also einer Mischung aus Bier und Zitronenlimo. 

Am besten schmeckt das gepanschte Bier ja frisch vom Fass mit einem Hauch Limonade. Für unterwegs muss es aber eben die fertig gemischte Flasche tun. Hier bot Astra bislang nur eine Frechheit an. Geschmacklich bewegte sich das Zeug zwischen Klostein, abgestandenem Bier und einem Hauch Kabelbrand - angedickt mit einer Handvoll Süßstoffpillen. Grauenhaft. (Das Alsterwasser von Astra schnitt in unserem subjektiven Radler-Test auch nicht gut ab.)

"Kiezmische" mit neuer Rezeptur

Offenbar hat die Marktforschung unser vernichtendes Urteil bestätigt. Also hat Astra an der Rezeptur gefeilt, den Süßstoff gestrichen und statt naturidentischer Limo will die Brauerei künftig auf natürtrüben Zitronensaft setzen. Offiziell nennt sich das dann "fruchtig naturtrüb". Klingt prima. 

Doch nun kommt's: Künftig wird das Gebräu unter dem Namen "Kiezmische" verkauft. Auf dem Etikett prangt der Totenkopf des FC St. Pauli neben einer Meerjungfrau im neckischen Zitronen-Bikini. So weit, so in Ordnung. Doch in der Unterzeile will uns die Firma den Begriff "Radler" unterschieben. Klatsch, das ist wie ein Schlag mit dem Leckbier-getränkten Handschuh. Das geht doch nicht!

Astra versucht's mit Erklärungen

Zum besseren Verständnis. Es gib Süddeutschland. Dort trinkt man Wein (weil es ihn gibt) oder auch Weizenbier (weil es dort schmeckt) und isst gerne Knödel oder Spätzle (weil sie's dort draufhaben). In Norddeutschland haben wir Fisch (weil's ihn hier gibt), sagen immer "Moin" (weil's passt) und trinken Korn (weil wir sonst nix haben). Zur besseren Unterscheidung gibt es den Alsterwasser-Radler-Äquator. Im Süden sagt man Radler, im Norden nicht. Ende.

Astra versucht es unterdessen mit Erklärungen: "Der Begriff Alsterwasser hat in verschiedenen Regionen Deutschlands unterschiedliche Bedeutungen, während der Begriff Radler deutschlandweit bekannt ist und der Verbraucher weiß, was ihn erwartet", so ein Sprecher zum "Hamburger Abendblatt". Immerhin verkaufe Astra mehr als die Hälfte seines Bieres außerhalb von Hamburg

Dass ausgerechnet die Brauerei, die mit den hanseatischen Wurzeln spielt und wirbt, obwohl sie längst zu einem international agierenden Mega-Konzern gehört, sich nun regional so dämlich anstellt, ist überraschend. Weniger überraschend ist es allerdings, dass Astra dafür via Facebook ganz schon Kloppe kassiert. Die Hanseaten mögen etwas träge wirken, aber wenn man uns nun auch noch unsere wenigen sprachlichen Eigenheiten nimmt, dann hört es aber auf. 

Doch offenbar war das Gemecker der Nordlichter erfolgreich. Laut der "Welt" will der Konzern noch in dieser Woche auf der Facebook-Seite abstimmen lassen, wie das Ganze nun genannt werden soll. Alster oder Radler, das ist dann die Frage - für die es nur eine Antwort geben kann.

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