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Craft Beer von der Großbrauerei - kann das schmecken?

Craft Beer gegen Pils: Welches Bier überzeugt?

Craft Beer boomt: Das handwerklich hergestellte Bier aus kleineren Brauereien findet immer mehr Anhänger. Von diesem Trend wollen auch Großbrauereien profitieren. Aber schmeckt das Gebräu auch? Der NDR hat Profis zum Test eingeladen. 

Ein Blick in Deutschlands Getränkemärkte zeigt: Von Flensburg bis zum Bodensee beherrschen vor allem die bekannten Marken wie Warsteiner, Beck's oder Krombacher das Angebot. Dazwischen gab es zwar auch immer regionales oder saisonales Gebräu zu kaufen. Doch das Gefühl, Einheitsbräu geboten zu bekommen, blieb. Erst die Craft-Beer-Welle bringt nun Vielfalt ins Angebot. Und auch die großen Brauereien wollen von dem Trend profitieren.

Pro Kopf trinken die Deutschen immer weniger , im Gegenzug steigt aber die Zahl der Brauereien. Dahinter steckt der Craft-Beer-Trend. Kleine Brauereien besinnen sich aufs Handwerk und brauen Bier abseits des Mainstreams. Dafür experimenieren sie mit verschiedenen Zutaten. So setzen sie auf speziell gezüchteten Aromahopfen, berichtet der "NDR" in der Verbrauchersendung Markt. So entstehe Bier, das durch Hopfensorten wie Sorachi Ace, Simcoe oder Cascade nach Litschi oder Grapefruit schmeckt. Im Gegensatz zu großen Pils-Brauereien verzichten Craft-Beer-Hersteller auf einige Zusatzstoffe, die beispielsweise das Bier vor Eintrübung schützen. Einige Kniffe der Craft-Beer-Szene nutzen nun auch große Hersteller, um bei diesem Trend mitzumischen.

Krombacher etwa braut schon seit 1803 ein naturtrübes Kellerbier. Doch der Hamburger Biersommelier Matthias Kopp ist nicht überzeugt, denn Krombacher verwendet einen Hopfenextrakt. Das ist günstiger in der Herstellung - doch für den Bier-Experten hat das wenig mit Tradition zu tun. Wer sich auf eine 200 Jahre alte Bierbraukunst berufe, dürfe nicht solche Industrietricks verwenden. Geschmacklich überzeugt die "präsente Bitterkeit", so die Berliner Bier-Kennerin Sylvia Kopp.


Veltins verkauft Landbier

Das Grevensteiner Landbier von Veltins gefällt beiden Biersommeliers. Farbe und Schaum sowie der malzbetonte und süffige Geschmack können überzeugen. Punktabzug gibt es für den Werbeslogan "erntefrisch verarbeiteter Hopfen" - denn frisch ist der verarbeitete Hopfen nicht. Vielmehr wird er direkt nach der Ernte zu sogenannten Pellets weiterverarbeitet. Nur das Grünhopfenbier, das direkt nach der Ernte aus frischem Hopfen gebraut wird, verdiene diesen Hinweis. Aber diese Biere seien sehr selten. Laut dem "" weist Veltins diese Kritik der Experten zurück. Der Begriff "Landbier" würde eine Verwechselung mit Frischhopfenbier ausschließen, teilte das Unternehmen dem "NDR" mit.
Auch Beck's mischt bei dem Trend-Gebräu mit. Die Biermarke gehört zu dem Imperium des weltgrößten Bierproduzenten AB Inbev. Mit vier Biersorten will Beck's überzeugen: Beck’s 1873 Pils, Amber Lager, Red Ale und Pale Ale. Die Sommeliers sind nicht überzeugt. Beck's habe sich nicht auf den neuen Braustil eingelassen, so die Experten zum "NDR". 

Das Ergebnis des Tests: Durch den Craft-Beer-Trend kommt mehr Vielfalt ins Bierregal. Die Sommeliers freuen sich besonders darüber, dass wieder die Qualität und der Geschmack in den Fokus gerückt sind - und nicht mehr nur der Preis regiert.

Kritik an Großbrauereien

Dass Großbrauereien beim Craft Beer mitmischen wollen, gefällt nicht allen. Nina Anika Klotz, Autorin des Craft-Beer-Blogs Hopfenhelden.de hält die Aktivitäten für wenig überzeugend. "Dass große Hersteller damit Erfolg haben, unter ihren eigenen Markennamen Craft Beer zu verkaufen, würde ich sehr bezweifeln. Das passt nicht zur Idee der Szene", sagte sie dem "Handelsblatt".

kg