6.08.2012, 09:27 Uhr
Patientenbeauftragter warnt Organspendeskandal könnte viele Opfer fordern
Verunsicherte Patienten, nachlassende Spendenbereitschaft bis hin zu möglichen Todesfällen: Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung befürchtet schwere Konsequenzen aus dem Organspendeskandal.

Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller, befürchtet, dass der Transplantationsskandal an den Unikliniken in Regensburg und Göttingen viele Opfer fordern wird. "Was hier gemacht wurde, wird in Zukunft viele Menschen leider das Leben kosten", sagte der CSU-Politiker den Zeitungen der "Waz"-Gruppe mit Blick auf eine nachlassende Organspendebereitschaft in der Bevölkerung. Gerade jetzt, da man mit dem Transplantationsgesetz Vertrauen wecken wolle, komme dieser Fall auf. "Es wird garantiert Monate, wenn nicht Jahre dauern, um das Vertrauen in die Organspende wiederherzustellen."

Zöller forderte eine "hohe Strafe" für den verantwortlichen Arzt, wenn dessen Schuld bewiesen werde. Er würde einen Entzug der Zulassung als Mediziner begrüßen. Eine staatliche Überwachung von Organspenden lehnte Zöller ab. Stattdessen sei vor allem Transparenz notwendig.

Bahr denkt über Gesetzesänderungen nach

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) schloss unterdessen Gesetzesänderungen nicht aus. "Wenn wir zu dem Schluss kommen, dass Lücken im Gesetz die Manipulationen in Regensburg und Göttingen erleichtert oder begünstigt haben, müssen wir handeln", sagte Bahr den "Ruhr Nachrichten". Die neue Rechtslage garantiere bereits mehr Transparenz. Dadurch sei es jetzt möglich, die Überwachungsmaßnahmen durch mehr Kontrollen zu verschärfen und Rechtsverstöße einzelner Ärzte zu verfolgen, meinte Bahr.

Über weitere Konsequenzen aus dem Organspende-Skandal will Bahr parteiübergreifend beraten. "Mir geht es jetzt darum, alle Beteiligten in die Überlegungen einzubeziehen", sagte Bahr. Diese Vorgehensweise habe sich bereits beim neuen Transplantationsgesetz bewährt.

Kosteten die Manipulationen Menschenleben?

In Göttingen steht neben dem früheren Oberarzt ein weiterer leitender Arzt im Verdacht, in 23 Fällen Patientenakten manipuliert zu haben. Die Staatsanwaltschaften Braunschweig und Göttingen ermitteln wegen Bestechlichkeit und wegen des Anfangsverdachts auf Tötungsdelikte. Geprüft wird, ob die Bevorzugung bestimmter Patienten bei Organtransplantationen zum Tod anderer Menschen geführt haben könnte, die nicht zum Zuge kamen. Die bayerischen Justizbehörden prüfen, ob es auch am Uniklinikum Regensburg Manipulationen von Krankendaten im Zusammenhang mit Lebertransplantationen gegeben hat. Der Göttinger Oberarzt hatte von 2003 bis 2008 am Regensburger Klinikum gearbeitet und war dort ebenfalls für Transplantationen zuständig.

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" waren der beurlaubte Chirurgie-Chef des Universitätsklinikums Regensburg und der Hauptverdächtige im Organspende-Skandal seit Jahren sehr vertraut. Die beiden Ärzte hatten sich demnach bereits Mitte der 1990er Jahre an der Medizinischen Hochschule Hannover kennengelernt. Als der Chefarzt in Regensburg den Lehrstuhl für Chirurgie übernahm, habe er den Oberarzt in seine Abteilung geholt. Beide seien von da an häufiger ins arabische Ausland geflogen, um dort zu transplantieren.

kng/DPA