User Image User
User Image User

Stern-Stimmen

präsentiert von:
Sparda-Bank

Kennen Sie ein wePhone?

Eben. Und dennoch, ob in Werbung oder Wahlkampf, immer wird das "Wir" gepredigt. Doch das klingt nach Pärchenurlaub in Trekkingsandalen.

Von Micky Beisenherz

Rundfunkwerbung ist generell nicht so meine Sache, oder, um es klar zu sagen: Die Seitenbacher-Reklame zum Beispiel könnte ich mir auch sehr gut als Dauerschleife in vorstellen.

Auch sonst ist sich da niemand für nichts zu doof. Aus der Badezimmerradiobetäubung riss mich unlängst der Slogan eines Bierherstellers: "Auf das WIR und jetzt!" Toll! Weiter ging es noch mit einem "Probier das WIR!" Das finde ich sensationell. Wird man doch angestiftet, es endlich mal mit Gesellschaft beim Betrinken zu versuchen. Ein kostbarer Ratschlag – der aber im Nichts zu verpuffen droht.

"Wir" in Verbindung mit Werbung funktioniert nicht

Und das aus einem einfachen Grunde: WIR ist Kassengift. Das Wort "Wir" in Verbindung mit Werbung funktioniert nicht. Hat es nie.

Nehmen wir den SPD-Wahlkampf. 2013 trat der bedauernswerte Wein-über-fünf-Euro-Trinker mit dem Claim "Das WIR entscheidet" an. Genutzt hat es wenig. Entschieden hat nicht das WIR, sondern haben DIE (beleidigte Sparkassendirektoren und AfD-Konvertiten). Am Ende hat sich niemand an das WIR erinnert, sondern lediglich an das dicke ICH, ausgedrückt durch Pinot-Peers ausgestreckten Mittelfinger.

Aber die SPD ist gottlob nicht lernfähig und plant, Mama Hannelore bei den Landtagswahlen pünktlich zum Muttertag am 14. Mai einen schönen Strauß Stimmen zu binden. Helfen soll dabei der Slogan: NRWir. Das ist so ungelenk und offensichtlich schief, dass es sogar die Leverkusener Brücke oder das Kölner Stadtarchiv schlägt. Quasi völlig fehlkonstruiert, somit sehr repräsentativ für das Land – und deshalb schon wieder irgendwie passend.

Dennoch muss ich als gebürtiger Nordrhein-Westfale sagen: Ich würde mein Schicksal ungern in die Hände von Menschen legen, die dieses Konzept so sorglos durchgewinkt haben, als ginge es um Silvester auf der Domplatte.

Es heißt ja auch iPhone und nicht wePhone

"Wir" funktioniert nicht. Selbst das ehemals so strahlende "Wir sind das Volk!" ist gekapert worden von einer Horde grunzender Orks und Lügenpresswürsten, die fackelschwingend über die Marktplätze ziehen. Wirr ist das Volk. Und das Ich gewinnt. Zumindest sind die Erdogans, Trumps und Orbáns dieser Welt gut mit dieser Haltung gefahren.

Es heißt ja auch iPhone und nicht wePhone. iPad, iPod, iBrötchen (lassen Sie mich!), HARiBO macht Kinder froh. In den Top Ten der erfolgreichsten Slogans aller Zeiten kommt ein WIR nicht vor, ein ICH sehr wohl. "Ich bin doch nicht blöd!", "Ich liebe es" oder "Nichts ist unmöglICH!" (wobei das zuletzt besser zu VW gepasst hätte). Auch "Geiz ist geil!" hat das knauserige Ego im Fokus und könnte vom Gemeinsinn kaum weiter entfernt sein. "3, 2, 1 – meins!" Nicht unseres. Gut, Sie werden jetzt frech kontern mit dem Claim der Firma Opel: "Wir haben verstanden!" Gekauft haben Sie sich deshalb aber auch keinen, oder? Sehnse.

Sogar Fußballvereine versuchen mit einem verzweifelten Gewirge, Leute für sich zu begeistern: "Nur zusammen sind wir Lautern." Allerdings: Kaiserslautern ist 13. der Zweiten Bundesliga, und in der Nähe wohnt Daniela Katzenberger.

Machen wir uns nichts vor: Wir – das klingt nach Familienfeier und Pärchenurlaub in Trekkingsandalen. Ich klingt nach Couch und Netflix.

Das Wir hatte nie eine ehrliche Chance. Schon platzbedingt. Das i kann sich im Wir immer breitmachen. Aber für das Wir ist im i einfach kein Raum.

Denken Sie darüber mal nach. Alleine. Beim Bier.

Wissenscommunity

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo