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Tatort

Schnellcheck

Und tschüss: Den letzten Krimi vor der Sommerpause können Sie getrost verpassen

Tatort Kiel

Von:

Brutal, ohne Spannung, nervig: Mit einem "Tatort" aus Kiel geht die Krimireihe heute in die Sommerpause. Der Abschied fällt leicht.

Bewertung:

  • 1 von 5 Punkten
  • Der letzte "Tatort" vor der Sommerpause enttäuscht auf ganzer Linie.

Worum geht's in diesem Kiel-"Tatort"?

Borowski () und Brandt (Sibel Kekilli) sind einem Serienmörder auf der Spur: In einer leerstehenden Wohnung wird eine Frau brutal erschlagen aufgefunden, kurz später ist ein Drogendealer tot. Der Täter ist der Familienvater Roman Eggers (Mišel Maticevic), der Schulden hat und länger untergetaucht war. Die Kommissare sind ihm dicht auf der Spur - Borowski mit viel Verständnis, Brandt mit der Sorge, dass Eggers Schlimmeres im Schilde führen könnte. Denn er hatte Zugang zu Sprengstoff und gerade hat Kiels größtes Volksfest, die Kieler Woche begonnen.

Warum lohnt sich der Krimi?

"Borowski und das Fest des Nordens" ist nach einer Vorlage des schwedischen Autoren entstanden. Wer die düsteren, oft brutalen Schwedenkrimis mag, der findet zumindest diese Stimmung auch hier wieder. Es fließt viel Blut, die ganze Stadt wirkt elend und aggressiv. Und wer vom üblichen "Wo waren Sie gestern?"-"Tatort" genervt ist, der bekommt immerhin eine Alternative angeboten - auch ästhetisch durch den starken Einsatz einer Handkamera und abrupte Schnitte.

Was nervt?

Leider viel zu viel. Bis auf Borowski versteht nämlich niemand, was den Täter umtreibt. Das zwanghafte Spiegeln der beiden extrem unangenehmen Charaktere führt nicht zu Spannung, sondern vielmehr zum Augenrollen. Dass den beiden Ekelpaketen sich trotzdem reihenweise Frauen an den Hals werfen, bleibt umso rätselhafter. Auch fast alle anderen Figuren agieren ohne erkennbare Logik, bleiben dem Zuschauer fremd. Da hilft es auch nicht, dass die ARD mit der Ausstrahlung des 2015 gedrehten Krimis extra bis zur gewartet hat: Die Sequenzen auf dem Volksfest wirken deplatziert und belanglos.

Die Kommissare?

Immer wieder stellt sich die Frage: Spielen die absichtlich so schlecht, dass es schon wieder gut ist oder können die nicht anders? Das Timing passt nicht, die Dialoge wirken hölzern. Es mag Geschmacksache sein, schließlich sind beide Kommissare nicht als Sympathieträger angelehnt. Doch das führt dazu, dass der Zuschauer in diesem Krimi so gar nicht abgeholt wird. Milberg gibt als Borowski Pseudo-Tiefgründiges wie "Am Ende sind wir alle gleich" oder "Wer interessiert sich für die namenlosen Toten?" von sich und spielt den Täter-Versteher mit großer Macho-Attitüde. Brandt hält wütend dagegen, trotzdem wirken die Streits zwischen den beiden oft unnötig aggressiv und insgesamt einfach wahnsinnig unprofessionell. Für Kekilli war es übrigens der letzte "Tatort"-Einsatz, Milberg bleibt. Dabei täte komplett frischer Wind den Kielern gut.

Ein- oder Ausschalten?

Die Wettervorhersage verspricht am Sonntag viel Sonne - am besten, Sie bleiben draußen und grillen. Oder aber Sie gucken Kamerun gegen Chile beim Confed-Cup: Wird wahrscheinlich spannender als dieser "Tatort".


Wissenscommunity

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo