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Kommentar

#TeamGinaLisa

Gina-Lisa Lohfink am 1. Juni im Amtsgericht Tiergarten in Berlin

Der Prozess gegen Gina-Lisa Lohfink ist potenzierte Perversion. Zum Glück springen junge deutsche Feministinnen in die Bresche und schreien auf. stern.de-Chefredakteur Philipp Jessen fordert: Kämpfen wir mit ihnen für Gina-Lisa und gegen den alltäglichen Macho-Müll!

Von stern.de-Chefredakteur Philipp Jessen

Viruswarnung. Die bekomme ich angezeigt, wenn ich von meinem -Rechner das Gewalt-Video von Gina-Lisa Lohfink aufrufe. Kurz darauf ein Anruf von der IT. Schon ziemlich peinlich. Nach der kurzen Ansicht auf dem Privat-Handy ist man der Verlags-Firewall dankbar, dass sie einen vor der Ansicht beschützen wollte. Denn das kurze Video ist widerlich. Nichts, was dort passiert, hat etwas mit Sex zu tun. Zwei intellektuell offensichtlich schwer limitierte Kerle vergehen sich an einer benebelten Frau. Feuern sich an. Das Wort Schlampe fällt. Mehrfach. Und die beiden fühlen sich bei diesem ekelhaften Akt so erschreckend männlich, dass man selbst Gewaltphantasien entwickelt, die beiden Typen gerne windelweich prügeln möchte.

Die Solidarität der jungen Feministinnen

Dass sich Frau Lohfink jetzt vor Gericht verantworten muss, ist potenzierte . Das Opfer – die mehrfach hörbar "Hört auf!" sagt –  wird zur Täterin gemacht. Sie soll eine Geldstrafe zahlen. So will es die Staatsanwaltschaft.

Schaut man sich die Kommentare bei Facebook und Co. zu dem Fall an, gibt es viel Zuspruch für Gina-Lisa Lohfink. Gerade von jungen Feministinnen. Für die eine Frau wie Gina-Lisa, die sich mithilfe plastischer Chirurgen zu einem sogenannten Männertraum umformatieren ließ, ziemlich genau das Gegenteil dessen sein dürfte, wofür sie selbst einstehen.

Aber die weibliche Solidarität denkt nicht (mehr?) in Schubladen. Und genau das zeigt die Stärke des jungen, deutschen : Die Spießigkeit ist verschwunden. Frau kämpft gemeinsam für die gerechte Sache. Stereotype und Schubladendenken scheinen überwunden. Größtenteils zumindest. Gut so.

Der ganze Macho-Müll

Doch an der Sollbruchstelle, wo aus sozialen unsoziale Netzwerke werden, wo Menschen, die tagsüber sehr viel Zeit zu haben scheinen, inhaltlichen und orthografischen Unsinn über Flüchtlinge, Schwule, Gender-Wahnsinn und Frauen zu verbreiten und sich übrigens fast ausschließlich Männer tummeln, wird noch in schlichten Schubladen gedacht.

"Die wollte das doch!", "So wie die angezogen war!", "Die hat doch schon mal ein Sexvideo freiwillig gedreht, wer das einmal macht, macht das doch wieder." Der ganze Macho-Müll eben. 

Zugegeben: Selbst als Mann, dem so ein sexistisches Verhalten fernliegt, entgeht einem die Tragweite des Problems. Es verschwindet zeitweise vom eigenen Radar. Und man erwischt sich selbst auch mal bei den Gedanken: Ist das Sexismus-Thema nicht irgendwie durch? Sind wir nicht schon lange gleichberechtigt? Wirklich alles so schlimm? Oder wird da nicht doch ein wenig rumhysterisiert?

Kämpft mit!

Natürlich fällt es schwer, einem solchen Fall etwas Gutes abzugewinnen. Wie sollte es auch, wenn einem Mitmenschen so etwas angetan wird wie . Doch wir wissen jetzt, dass der Krieg eben noch lange nicht gewonnen ist. Im Gegenteil. Er läuft überall ab. Täglich. Auch im aufgeklärten Deutschland. Und er betrifft unsere Mütter, Freundinnen, Töchter, liebe Geschlechtsgenossen. Also kämpft mit! Gegen sexuelle Gewalt gegen Frauen und Sexisten, die sich zu unrecht Männer schimpfen. Seite an Seite. Mit unseren neuen Freundinnen im Geiste – den jungen Feministinnen Deutschlands.

#TeamGinaLisa

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