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Magermodels in erniedrigenden Posen: Saint Laurent empört mit Werbekampagne

Yves Saint Laurent

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Sie spreizen ihre Beine, strecken ihren Po in die Höhe und tragen dabei möglichst wenig Stoff: Für eine Werbekampagne inszenierte das französische Label Saint Laurent junge Models in fragwürdigen Posen - und hat Ärger mit der Werbeaufsicht.

Der Belgier Anthony Vaccarello ist noch nicht einmal ein Jahr als neuer Kreativdirektor der Marke im Amt, da droht ihm schon mächtig Ärger mit der französischen Werbeaufsicht. Grund dafür sind mehrere Kampagnen des Modehauses, in denen auffallend dünne Models in erniedrigenden Posen abgelichtet wurden.

Bei seiner Behörde seien rund 50 Beschwerden gegen die beiden Werbeplakate eingegangen, sagte der Chef der französischen Werbeaufsicht (ARPP), Stéphane Martin. Noch sei keine Entscheidung über ein Verbot der Motive gefallen, sagte er weiter. Doch die Verantwortlichen bei Saint Laurent hätten die geltenden Regeln eindeutig verletzt.

Saint Laurent zeigt Models in erniedrigenden Posen

Eines der in ganz Paris hängenden Plakate zeigt das brasilianische Model Fernanda Oliveira. Die 18-Jährige trägt einen Pelzmantel und Netzstrümpfe und liegt mit weit geöffneten Beinen auf dem Boden. Auf dem zweiten Plakat ist das Model Hiandra Martinez zu sehen. Die aus der Dominikanischen Republik stammende junge Frau hat einen Body an und beugt sich auf Stöckelschuhen mit Gummirollen über einen Hocker, den Po weit nach oben gestreckt, die Beine gespreizt. 

Einige Kritiker sähen in den beiden Bildern einen "Aufruf zur Vergewaltigung", andere eine Verherrlichung der Magersucht, sagte Martin. Er fügte hinzu, er wisse nicht, ob Saint Laurents Kundinnen gerne mit derartigen Bildern in Verbindung gebracht würden. Eine ähnliche Art der Modewerbung mit pornographischen Anklängen "hatten wir vor zehn Jahren schon einmal", sagte er weiter. "Dass das jetzt wiederkommt, ist nicht hinnehmbar". Nach Angaben von Martin ist für Freitag ein Treffen mit dem Modehaus geplant, danach werde seine Behörde über das weitere Vorgehen entscheiden.

Saint Laurent warb schon mehrfach mit nackten Frauen

Yves Saint Laurent

Die beiden Motive bewerben die kommende Herbst-Winter-Kollektion des Labels Saint Laurent, die Designer Anthony Vaccarello Ende Februar bei der Modewoche in Paris präsentierte. Auch da schickte er seine Models zum Teil barbusig über den Laufsteg, in der Modebranche allerdings keine Seltenheit.

Dass Vaccarello jedoch ein nacktes Model ablichten ließ, um eine Designerhandtasche zu bewerben, ging der französischen Werbeaufsicht zu weit. Auf dem in der französischen Zeitung "Le Monde" erschienen Motiv ist das dänische Model Freja Beha Erichsen zu sehen, wie es eine Lederhandtasche auf dem Schoß balanciert. Die Werbeaufsicht kritisierte das Foto, weil es die Frau zum Objekt degradiere - komplett verboten wurde es allerdings nicht. 

Dass eine Kampagne untersagt werden kann, hat die britische Werbeaufsicht vor rund zwei Jahren bewiesen. Sie stoppte damals die Verbreitung eines Fotos, auf dem sich ein extrem abgemagertes Model auf dem Boden räkelte. Die Frau sei "ungesund untergewichtig" und das Werbefoto daher "unverantwortlich", so die Begründung. Das damalige Foto war ebenfalls Teil einer Werbekampagne für das Label Saint Laurent. Zwar hieß der verantwortliche Designer damals noch Hedi Slimane, doch das Frauenbild scheint sich auch unter seinem Nachfolger Anthony Vaccarello nicht verändert zu haben.

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