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Animalische Singlebörsen - wie einsame Tiere die große Liebe finden

Der Graupapagei Rocco (r) mit seiner neuen Partnerin Rosa

Singlebörsen boomen - nicht nur beim Menschen: Auch Tierheime vermitteln einsamen Katzen, Ratten oder Meerschweinchen Partner. Papagei Rocco hat im Berliner Tierheim seine große Liebe gefunden.

Rocco fühlte sich allein. Die Einsamkeit machte den Graupapageien sogar aggressiv: "Immer wieder ist er auf meinen Mann losgegangen", sagt Kerstin Frommke. Die 54-jährige Nageldesignerin aus dem brandenburgischen Leegebruch adoptierte Rocco 2006 von einer Kundin - als Küken und "Einzelkind", wie sie der "Bild"-Zeitung sagte. Jahrelang suchte sie nach einer Partnerin für den Papageien, ehe sich im Berliner Tierheim eine passende Dame fand.

Tierärzte warnen davor, Papageien allein zu halten. Sie brauchen mindestens einen Partner, denn die Vögel sind Schwarmtiere. Der mittlerweile elfjährige Rocco ist da keine Ausnahme. Schon früh machten sich Halterin Frommke und ihr Mann auf die Suche nach einer Gespielin für den Graupapageien.

Doch mehrere Vermittlungsversuche von einem Vogelzüchter aus dem nahen Oranienburg schlugen fehl. Immer wieder versuchte Rocco, die potenziellen Partnerinnen zu verjagen. "Das war manchmal ganz schön dramatisch", erzählt Frommke der Deutschen Presse-Agentur. Rocco habe sogar versucht, den Käfig der Weibchen zu öffnen, um sie zu attackieren. Der Grund: "Papageien sind da wie Menschen, die nehmen nicht jeden", sagt Frommke.

Rocco scharte Harem um sich herum

Dann sah sie vor anderthalb Jahren einen Fernseh-Bericht über Graupapageien im Tierheim Berlin und rief kurzerhand dort an - mit Erfolg: Sie solle doch einfach mal vorbeikommen. "Doch als mir die Pfleger dann sagten, dass ich Rocco dalassen sollte, dachte ich: Nein, das geht nicht", sagt Frommke - zumal sie ihn erstmal nicht besuchen durfte, er sollte sich von ihr entwöhnen. Doch Rocco zur Brautschau im Tierheim zu lassen, sei die einzige Möglichkeit, erklärte man ihr. Besonders schlecht kann es ihm dort nicht ergangen sein: Er scharte einen regelrechten Harem von 20 Graupapageien-Damen um sich.

"Wir pflegen die Tiere, lassen sie Artgenossen beschnuppern und schauen dann, wie es passt", sagt Kerstin Butenhoff, Sprecherin des Tierheims. Rocco ist nicht der Einzige, der zur Partnersuche ins Berliner Tierheim kommt: Im vergangenen Jahr nahm man dort einen Graupapageien auf, 2015 waren es mit Rocco fünf. Derzeit ist ein Papagei aus Mecklenburg-Vorpommern zu Gast in der "Partnerbörse", wie es Butenhoff nennt. Sie wünscht sich, dass sich mehr Vogelhalter im Tierheim melden.

Dort werden nicht nur Papageien "verpartnert", wie das in der Fachsprache heißt. Die Singlebörse hat auch für Katzen, Meerschweinchen und Ratten geöffnet. "Bei fast allen Tierarten kommt es auf die Chemie an", erklärt Tierheim-Sprecherin Butenhoff. "Meist lassen wir uns vom Halter den Charakter des Tieres beschreiben. Die Pfleger kennen ihre Schützlinge sehr gut und können einschätzen, wer wohl am besten dazu passt."

Bei Katzen geht es recht schnell

Bei Katzen ist die Gewöhnungsphase daheim dann recht unkompliziert, sie können sich anfangs bei Bedarf recht gut aus dem Weg gehen. Im Käfig ist das schon schwieriger. Ist ein potenzieller Meerschweinchen- oder Ratten-Partner gefunden, solle man das neue Tier erst einmal in einen separaten Käfig in Sichtweite zu den "Platzhirschen" setzen, sagt Butenhoff. So hätten beide die Gelegenheit, sich aneinander zu gewöhnen.

Papageien sind die einzigen, die länger im Tierheim bleiben, um sich kennenzulernen. Sie sind eben besonders wählerisch und brauchen dementsprechend viel Zeit zur Partnersuche. Manche von ihnen bleiben sogar über ein Jahr dort, ehe sie einen Partner finden.

Rocco war schneller: Schon nach einigen Tagen funkte es zwischen ihm und der Papageiendame Rosa, damals zwei Jahre alt. Die durfte allerdings noch nicht gleich mit nach Hause: "Sie war zu jung und außerdem noch nicht geschlechtsreif", sagt Frommke. Doch die beiden hatten sich bereits verliebt, deswegen machten die Pfleger eine Ausnahme. Nach zehn Wochen in der Auffangstation durfte das Papageien-Paar nach Hause.

Dort hatten Frommkes in der Zwischenzeit umgebaut: Der Mann opferte sein Billardzimmer, damit Rocco und Rosa eine geräumige Innen-Voliere haben. In den Garten bauten die beiden einen weiteren großen Käfig. Da fühlten sich die beiden Graupapageien sofort wohl. Rocco ist jetzt deutlich entspannter, zusammen mit Rosa pfeift er schonmal den Gefangenenchor aus der Oper "Nabucco" oder die Titelmelodie des Tarantino-Streifens "Kill Bill".

Doch Rosa kann auch eifersüchtig werden: Wenn sich Rocco einmal zu sehr an seine Halterin kuschelt, bekäme er schonmal eins mit dem Schnabel verpasst, erzählt Frommke. "Rosa hat definitiv die Hosen an", sagt sie. 


Christoph Koopmann/DPA

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