So lief der erste Konklave-Tag Der erste Rauch ist - sehr schwarz
12.03.2013, 19:55 Uhr
Schwarzer Rauch über den Vatikan heißt: Es gibt noch keinen neuen Papst
Um kurz vor acht stieg dichter, schwarzer Rauch Rauch aus der Sixtinischen Kapelle auf: Das heißt, einen neuen Papst gibt es noch nicht - Protokoll des ersten Konklave-Tags in Rom.

+++12:10 Uhr: Das Konklave beginnt +++

Mit der Messe im Petersdom ist im Vatikan die Papstwahl eingeläutet worden. Kardinäle, Kirchenvertreter und einfache Gläubige fanden sich zum Gottesdienst "Pro eligendo Pontifice" ("Zur Wahl des Pontifex") ein, der mit Kirchengesängen zur Prozession des Kardinalskollegiums begann. Um 16.30 Uhr begeben sich die 115 wahlberechtigten Kardinäle, darunter auch sechs Deutsche, in die Sixtinische Kapelle. Dort wollen sie hinter verschlossenen Türen einen neuen Papst bestimmen.

+++ 12:15 Uhr: Rund sechs aussichtsreiche Kandidaten +++

Beobachtern zufolge gibt es etwa ein halbes Dutzend aussichtsreicher Kandidaten. Als Favoriten gelten unter anderem der Mailänder Erzbischof Angelo Scola und sein Amtskollege aus São Paulo, Odilo Scherer. Ein erster Wahlgang ist bereits für Dienstag geplant.

+++12:30 Uhr: Rund Dutzend liberale Kardinäle von 115+++

Rein statistisch betrachtet ist es eher unwahrscheinlich, dass der nächste Papst ein Liberaler sein könnte. Die britische Zeitung "The Guardian" stellt die Kardinäle in einer Grafik vor. Gerade einmal ein Dutzend gelten als moderat, nur ein einziger als fortschrittlich - von 115. Der neue Papst braucht zwei Drittel aller Kardinalsstimmen.

+++12:40 Uhr: So funktioniert das Konklave+++

stern und stern.de haben einmal grafisch aufbereitet, wie die Papstwahl abläuft.

+++13:00 Uhr: Spielt Altpapst Benedikt noch eine Rolle?+++

Der emeritierte Papst nimmt zwar nicht am Konklave teil, spielt aber dennoch eine große Rolle. Er hat mehr als die Hälfte der stimmberechtigten Kardinäle ernannt und einige von ihnen auch öffentlich gelobt. Es heißt, sein Favorit sei der Italiener Angelo Scola, den er zum Erzbischof von Mailand, der wichtigsten Erzdiözese des Landes, ernannt hatte.

+++13:25 Uhr: Twitterliste zur Papstwahl+++

Wenn Sie die Papstwahl auch über Twitter verfolgen wollen – stern.de hat über den Kurznachrichtenkanal eine Liste mit Personen zusammengestellt, denen Sie folgen können.

+++13:30 Uhr: Walser sagt Ja zu einem schwarzen Papst+++

Der Schriftsteller Martin Walser würde es begrüßen, wenn der nächste Papst ein Schwarzer wäre. "Man sieht ihn oft, er ist sehr präsent, das wäre doch toll!", sagte der 85-Jährige in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur DPA. Konkrete Erwartungen an das neue Oberhaupt der katholischen Kirche habe er jedoch nicht, so Walser. "Wenn er so gescheit ist wie der Benedikt, soll es mir recht sein. Wenn ein Naivling Papst werden würde, würde ich das bedauern." Das Konklave werde aber schon den Richtigen finden, glaubt Walser.

+++13:59 Uhr: "Herkunft nur ein Kriterium für die Papstwahl"+++

Wird das Konklave einen Lateinamerikaner zum neuen Papst wählen? Allein aus der Region zu kommen, reiche aber nicht, sagte der Sekretär der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika, Guzmán Carriquiry, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur DPA. Geopolitische Überlegungen seien bei der Papstwahl eine der Variablen. In jedem Fall müsse Lateinamerika eine der Prioritäten des neuen Papstes sein. Die erste außereuropäische Reise werde den neuen Papst voraussichtlich nach Brasilien zum Weltjugendtag im Juli in Rio de Janeiro führen.

+++15:12 Uhr: Favoriten-Mutter will keinen Papst in Familie+++

Zu viel Arbeit, kein Privatleben und "Gemeinheiten" im Vatikan: Aus Sicht der Mutter des Wiener Kardinals Christoph Schönborn ist Papst kein geeigneter Job für ihren Sohn. "Die ganze Familie hat Angst davor, dass Christoph zum Papst gewählt wird", sagte die 92-jährige Eleonore Schönborn der "Kleinen Zeitung". Der 68-jährige Österreicher gilt als geeigneter Kandidat für die Nachfolge von Papst Benedikt XVI. Doch seine Mutter sagte: "Das wär' für jeden Menschen zu viel". Zudem sei ihr Sohn den Gemeinheiten im Vatikan nicht gewachsen. Ihm reichen die Intrigen in Wien."

+++15:30 Uhr: Die Kardinäle gehen in die Sixtinische Kapelle+++

In diesen Minuten machen sich die 115 stimmberechtigten Kardinäle auf den Weg in die Sixtinische Kapelle. Nach Prozession schließt sich die Tür hinter den Geistlichen und der eigentlich Wahlakt beginnt.

+++15:30 Uhr: Weißer-Rauch-Alarm per Mail+++

Bei der letzten Papstwahl sorgte die Farbe des Rauchs zeitweise für Verwirrung. Oft war nur ein grauer Dunst zu sehen - und selbst Experten konnten nicht ausmachen, ob er eher schwarz (für keine erfolgreiche Wahl) oder weiß (für erfolgreiche Wahl) sein sollte. Dieses Mal bietet ein Zusammenschluss katholischer Studenten einen Papstalarm an - weißer Rauch per Mail oder SMS sozusagen. Einfach "Papstalarm" gehen, Mail-Adresse oder SMS eingeben und auf Feuer warten.

+++15:51Uhr: Mailänder Favorit bei Buchmachern+++

Eine alte Vatikan-Weisheit lautet: "Wer als Papst in das Konklave geht, kommt als Kardinal wieder heraus." Wenn es danach geht, wird Angelo Scola nicht der nächste Pontifex. Denn der Italiener hat bei den Buchmachern die besten Chancen auf das Amt, wie das britische Wettbüro William Hill und der irische Wettanbieter Paddy Power mitteilten. Ihm folgen demnach Peter Turkson aus Ghana und Odilo Scherer aus Brasilien, der deutsche Wurzeln hat. Bei den Wetten auf den Namen des künftigen Papstes führen Leo, Peter und Gregor.

+++16:43 Uhr: Erster Wahlgang heute wahrscheinlich+++

Nach dem Eid zur Geheimhaltung sollten alle außer den wahlberechtigten Kardinälen die Kapelle verlassen. Ein erster Wahlgang noch am Dienstag ist wahrscheinlich.

+++16:48 Uhr: Mehr als 100 Wahlgänge möglich+++

Geht es nach den Organisatoren des Konklave, können die Kardinäle rund 100 Mal wählen. 12.000 Wahlzettel wurden gedruckt. Das sollte hoffentlich reichen...

+++16:58 Uhr: Kardinäle legen ihren Eid ab+++

Die 115 Geistlichen der Konklave legen gerade ihren Geheimhaltungseid ab – der Reihe nach. Dazu legen sie Hand auf die Bibel. Danach müssen alle außer den Wahlberechtigten den Raum verlassen und ein erster Wahlgang kann beginnen.

+++17:21 Uhr: Die geheimste aller Wahlen beginnt+++

Die Kardinäle haben ihren Verschwiegenheitseid abgelegt, nun kann die Abstimmung beginnen. Während der Papstwahl gilt für die Kardinäle ein absolutes Verbot der Kommunikation mit der Außenwelt. Ein Bruch dieser Regel wird im schlimmsten Fall mit der Exkommunikation bestraft. In den folgenden Tagen wird je zwei Mal am Tag, nämlich vormittags und nachmittags, über die Kandidaten abgestimmt. Wie lange die Wahl dauert, ist ungewiss. Eine zeitliche Begrenzung gibt es nicht.

+++17:27 Uhr: Wer wann seinen Eid ablegt+++

Die Reihenfolge, in der die Kardinäle ihren Verschwiegenheitseid ablegen, wird von ihrem Rang bestimmt: Die Kardinalbischöfe beginnen, gefolgt von den Kardinalpriestern, zum Schluss kommen die Kardinaldiakone an die Reihe.

+++18:21 Uhr: Essen ja, aber nicht zu üppig+++

Allzu gutes Essen soll die Papstwahl nicht hinauszögern: Die Kardinäle werden während ihrer Wahlgänge zwar verköstigt, aber nicht zu üppig und aufwändig, wie die italienische Zeitung "Corriere della Sera" berichtet. Die Mahlzeiten glichen eher solchen, die "in Krankenhäusern serviert" würden und seien nicht zu vergleichen mit den Menüs in römischen Restaurants, mokierte sich das Blatt. Das Essen könne die Papstwahl möglicherweise "beschleunigen". Die für die Kardinäle kochenden Nonnen bereiteten Menüs aus "Suppe, Spaghetti, kleinen Fleischtaschen und gedünstetem Gemüse" zu, berichtete die Zeitung.

+++19:54 Uhr: Schwarzer Rauch, kein Papst

Das Konklave hat den ersten Wahlgang beendet. Ergebnis: wie erwartet negativ. Mit äußerst schwarzen und dichtem Rauch hat die Kardinalsversammlung bekanntgegeben, dass es keinen neuen Papst gibt. Die nächsten beiden Wahlgänge sind für Mittwochvormittag geplant. Der neue Pontifex muss mit einer zwei Drittel gewählt werden, was unter Umständen lange dauern kann.

nik/Agenturen