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Was will Trump eigentlich? Er kann (fast) nur verlieren

Donald Trump kehrt aus Florida zurück

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Donald Trump beschuldigt Barack Obama, ihn abgehört zu haben. Ganz gleich, wie man die schweren Vorwürfe dreht und wendet: Selbst wenn der US-Präsident Recht haben sollte, dürfte er sich mit ihnen keinen Gefallen getan haben.

Ob sich der US-Präsident mit seinen Vorwürfen gegen wirklich einen Gefallen getan hat? Oder tun wird? In einer Reihe von Tweets beschuldigt er seinen Amtsvorgänger, ihn und sein Wahlkampfteam im Trump Tower abgehört zu haben - ohne Beweise vorzulegen. Die Anschuldigen sorgten natürlich für ein gewaltiges Echo und werden demnächst wohl vom Geheimdienstausschuss des US-Kongresses überprüft. Doch ganz gleich, was dabei herauskommen wird - sollte es Trumps Ziel gewesen sein, von der für die Regierung schwierigen Diskussion über die Russland-Verbindungen abzulenken, dann dürfte ihm das im besten Fall nur kurzfristig gelingen.

Denn im Grunde gibt es nur vier Möglichkeiten, wie die Angelegenheit enden kann. Keine dürfte Trump gefallen.

  • Donald Trump hat Recht

Barack Obama hat, entweder persönlich oder, was wahrscheinlicher wäre, über Bande dafür gesorgt, dass die Telefone in Trumps Wahlkampfzentrale angezapft werden. Da dies nicht rechtens gewesen wäre, würden und müssten die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Allerdings: Sollte die frühere Regierung Trump und seine Mannschaft tatsächlich abgehört haben, was Experten wie Betroffene für unwahrscheinlich halten, dann bleiben die entscheidenden Fragen weiter im Raum stehen: Wie eng waren die Verbindungen von Trumps Team nach Russland? Waren sie legitim, was wurde besprochen und hatte das Einfluss auf den ? Die Tatsache, dass die Informationen illegal beschafft worden wären, heißt nicht zwingend, dass sie auch falsch sind. Im Gegenteil. Es könnte sogar der Beweis dafür sein, dass sie zutreffen. In dem Fall müssten sich die US-Justiz, die Geheimdienste und/oder der Kongress erst Recht um Aufklärung bemühen.

  • Donald Trump hat in Teilen Recht

Seine Wahlkampfzentrale wurde zwar abgehört, aber nicht auf Betreiben des ehemaligen Präsidenten. Barack Obama stritt über seinen Sprecher bereits ab, ein  Anzapfen von Telefonen angeordnet zu haben. Seine Äußerungen aber ließen die Möglichkeit offen, dass Trump durchaus überwacht wurde. Das allerdings wäre nur nach einer richterlichen Anordnung legal gewesen. Eine Hürde für eine solche Genehmigung wäre zum Beispiel der begründete Verdacht, Trump oder Teile seines Teams würden als "Agenten für ausländische Mächte" arbeiten. Dieser Vorwurf dürfte dem US-Präsidenten auch nicht besonders schmecken und wurde von Geheimdienstlern bereits zurückgewiesen. Geheimdienstdirektor James Clapper sagte, es habe keinerlei Abhöraktivitäten gegen Trump oder seine Wahlkampagne gegeben. Und selbst wenn: Wie bei Möglichkeit 1 bleibt das Grundproblem: Die Art der Informationsbeschaffung stellt nicht die Informationsqualität in Frage.

  • Donald Trump hat indirekt Recht

Nicht sein wurde abgehört, sondern "verdächtige Ausländer". Sollten die Kontakt zu Trumps Team gehabt haben, wäre das Anzapfen der republikanischen Wahlkämpfer quasi eine Art Beifang gewesen. Aber auch in diesem Fall gilt: Die so gewonnen Informationen könnten trotzdem durchaus stimmen.

  • Donald Trump hat Unrecht

Die (fast) schlechteste Alternative. Denn sie würde das ohnehin wackelige Vertrauen in seine Fähigkeiten als US-Präsident weiter unterminieren. Auch wohlgesonnene Konservative dürften sich in diesem Fall fragen, was Trump reitet, derart heftige wie grundlose Attacken gegen die Vorgängerregierung zu fahren. Einziger Vorteil: Sollte der Trump Tower als (sichere) Quelle ausfallen, bleiben möglicherweise nur schlecht überprüfbare Hinweisgeber über. Diesen Fall könnte  dafür benutzen, einzelne Vorwürfe oder die Informationen in ihrer Gesamtheit anzuzweifeln. Auch wenn ihn das vermutlich nicht vor einer Untersuchung seiner "Russland-Connection" schützen wird.

Was also steht hinter Donald Trumps Attacke?

Die meisten Kommentatoren sind sich darüber einig, dass Donald Trump mit seinem Angriff auf die Obama-Regierung von der Diskussion über mögliche Russlandverbindungen ablenken will. Es passt zu Trumps Strategie, Nebenkriegsschauplätze zu eröffnen und Nebelkerzen zu werfen, wenn er sich unter Druck gesetzt fühlt. In diesem Fall aber spielt wohl noch Trumps spezielles Verhältnis zu Barack Obama eine Rolle. Bereits vor wenigen Tagen behauptete er in einem Interview, der Ex-Präsident, beziehungsweise seine Leute, würden hinter den Protesten gegen ihn stecken und Obama sei sogar für die Vielzahl von Leaks aus dem Weißen Haus verantwortlich.

Schon seit Jahren giftet Trump gegen Obama. Im März 2011 schloss er sich der "Birther"-Bewegung an, die daran glaubt, dass Obama in Kenia statt auf Hawaii geboren wurde und somit zu Unrecht an der Spitze des Staates stünde. Ein paar Wochen später wurde Trump auf dem Washingtoner Correspondents-Dinner von Barack Obama vor versammelter (Medien-)Mannschaft durch den Kakao gezogen. Diese Bloßstellung trug nicht gerade zu Verbesserung des Verhältnisses bei. Jahrelang forderte Trump Obama auf, eine Geburtsurkunde vorzulegen, was dieser auch tat. Im Sommer vergangenen Jahres dann gab Trump nach und akzeptierte, dass Obama ein gebürtiger Amerikaner ist.

Hat sich Trump verrannt?

Trump selbst, so zitiert die "Washington Post" Augenzeugen, soll am Wochenende auf seinem Anwesen in Florida außergewöhnlich schlecht gelaunt gewesen sein. Anwesende zitieren ihn sinngemäß mit den Worten: "Ihr werdet schon sehen, ich habe Recht." Sollten seine Vorwürfe stimmen, dürfte ihm das wohl tiefe Befriedigung verschaffen. Aber zurzeit deutet mehr daraufhin, dass sich US-Präsident wie bei den "Birther"-Vorwürfen völlig verrannt hat und seine eigentlichen Probleme kein Stück kleiner werden.

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