User Image User
User Image User

Was Sie über die US-Wahl wissen müssen

Von:

Caucus, Wahlmänner, Super Tuesday - der US-Wahlkampf beginnt und mutet oft rätselhaft an. stern.de hat die wichtigsten Begriffe, die einer Erklärung bedürfen, zusammengesammelt.

Von Niels Kruse

Bundesstaaten

Der US-Wahlkampf ist sehr basisdemokratisch geprägt und entscheidet sich in den Bundesstaaten. Die Bevölkerung ist aufgerufen, zunächst den Präsidentschaftskandidaten und später den Präsidenten zu wählen. Dies geschieht allerdings nicht direkt, sondern über ->Wahlmänner, die nach der Präsidentschaftswahl am 6. November 2012 im Auftrag der Wähler das nächste US-Staatsoberhaupt küren. Da die -> Demokratische Partei Amtsinhaber Barack Obama ins Rennen schickt, ist in diesem Jahr nur die Kandidatenkür der -> Republikaner spannend. Die -> "Primaries" und "Caucuses" genannten Vorwahlen beginnen am 3. Januar in -> Iowa und enden am 26. Juni in Utah. Die Anzahl der zu entsendenden Wahlmänner ergibt sich aus der Größe der Bevölkerung. Der Kandidat mit den meisten Stimmen wird am Ende des Vorwahlkampfs dann um den Einzug ins Weiße Haus kämpfen. Wahlentscheidend sind dabei die ->"Swing-States" - also Bundesstaaten, in denen der Wahlausgang bis zuletzt offen ist, weswegen der Wahlkampf traditionell hier stattfindet.

Caucus

Der Caucus ist eine von zwei Vorwahlarten in den USA. Das Wort stammt aus der Indianersprache und bedeutet soviel wie Stammesversammlung. Und ähnlich ursprünglich mutet die Urwahl auch an. Sie ist deshalb auch nur noch in 14 der 50 Bundesstaaten üblich. Die Parteimitglieder der jeweiligen Ortsgruppen treffen sich in Schulen, Kneipen, Turnhallen oder auch Wohnzimmern und diskutieren lang und ausgiebig über die zur Auswahl stehenden Kandidaten. Zeichnet sich kein klares Votum ab, geht ein Geschacher los, bei dem auch kleine "Geschenke" üblich sind (etwa die Einladung zu einem Mittagessen). Diese basisdemokratische Form der Vorwahl kann mitunter Tage dauern: Wie zum Beispiel im Staat Maine, wo vom 4. bis zum 11. Februar gewählt wird. Am Ende des Caucus wird oft offen abgestimmt.

Demokraten

Zwar gibt es in den USA zahllose Parteien, doch ihr Einfluss auf die Willensbildung ist im Vergleich zu Europa nur sehr schwach, denn es dominieren nur zwei Parteien das politische System: Demokraten und -> Republikaner. Die Demokraten stellen mit Barack Obama derzeit den Präsidenten. Sie gelten als liberaler und progressiver als die Republikaner. Die Demokraten haben ihre Hochburgen vor allem an der Ostküste und in den nördlichen Bundesstaaten. Die Parteifarbe ist blau, ihr Symbol der Esel.

Field Organizer

Sie sind die Helfer, die den US-Wahlkampf erst ermöglichen. Da die US-Parteien traditionell über keine nennenswerte Mitgliederbasis verfügen, werden alle vier Jahre Scharen von Field Organizern angeheuert, die für die Arbeit vor Ort zuständig sind. Sie mieten die Wahlkampfbüros an, bereiten Auftritte vor und versuchen via Telefon oder auf den Straßen, die Trommel für die Kandidaten zu rühren. Barack Obama und Hillary Clinton hatten 2008 für die wichtige Vorwahl in Iowa mehr als 300 Field Organizer eingestellt. Unterstützt werden sie von zahllosen Freiwilligen.

Independents

Auf deutsch: Unabhängige. Können sowohl Kandidaten als auch Wähler sein, die sich keiner (großen) Partei zugehörig fühlen. Einer der bekannteren Unabhängigen ist Robert Gates, der sowohl unter George W. Bush als auch unter seinem Nachfolger Barack Obama Verteidigungsminister war, auch wenn er nie als Unabhängiger angetreten war oder gewählt wurde. Der vorerst letzte unabhängige Präsidentschaftskandidat war Ross Perot, der 1992 gegen Bill Clinton ins Rennen um das Weiße Haus gezogen war.

Iowa

In dem mittelgroßen Staat im mittleren Westen der USA finden seit 1972 die ersten Vorwahlen statt. Der landwirtschaftlich geprägte Bundesstaat hat gerade einmal drei Millionen Einwohner, von denen rund 100.000 am ->Caucus teilnehmen. Auch wenn Iowa nicht im Geringsten die Bevölkerung oder die Wirtschaft der USA widerspiegelt, gilt die dortige Vorwahl als wichtige Wegmarke für die spätere Kandidatenkür. Wer hier verliert, hat meist nur noch wenig Chancen, um den Einzug ins Weiße Haus zu kämpfen. Ein Grund dafür ist die schlichte Tatsache, dass Iowa als "Trendsetter" besonders im Fokus steht und viele Amerikaner dem dort gesetzten Trend folgen.

Nominierungsparteitag

Wenn alle 50 Bundesstaaten ihr Votum abgegeben haben, treffen die Parteimitglieder zum Nominierungsparteitag zusammen. Hier findet die offizielle Kandidatenkür statt, danach beginnt die heiße Phase des Wahlkampfs. Die Demokraten tagen vom 3. bis 6. September in Charlotte/North Carolina um ihren Spitzenmann zu nominieren, die Republikaner küren ihren Vorwahlsieger Ende August in Tampa Bay/Florida.

Primary

In den meisten Bundesstaaten stimmen die Wähler über den künftigen Präsidentschaftskandidaten mit Hilfe des Primary-Systems ab: Einen Tag lang haben dabei Wahllokale geöffnet. Die erste Primary findet am 10. Januar in New Hampshire statt. Das genaue Prozedere unterscheidet sich, wie auch beim Caucus-System, von Bundesstaat zu Bundesstaat. In einigen dürfen nur registrierte Parteimitglieder an der Wahl teilnehmen, in anderen sind die Primaries offen für alle.

Republikaner

Die konservativen Republikaner dominieren zusammen mit den Demokraten das politische System der USA. Die Partei wird auch oft GOP abgekürzt, was im Allgemeinen mit "Grand Old Party", also 'große, alte Partei' übersetzt wird. Allerdings gibt es auch andere Erklärungen für die Abkürzung. Das Symbol der Republikaner ist der Elefant, ihre Farbe ist rot. Wer 2012 bei den Präsidentschaftswahlen antreten wird, entscheidet sich in den Vorwahlen, die vom 3. Januar bis 26. Juni stattfinden.

Spenden

Wer US-Präsident werden will, braucht sehr viel Geld. Der letzte Wahlkampf hat mehr als eine Milliarde Dollar verschlungen. Weil kaum ein Kandidat über derart große Vermögen verfügt, beschäftigen die Wahlkampfteams der Spitzenkandidaten Spendeneintreiber, die sowohl bei Privatleuten als auch Firmen um Geld buhlen. Der König der Fundraiser war bei der Wahl 2008 Barack Obama, der Schätzungen zufolge rund 750 Millionen Dollar einsammeln konnte. Für die Wahlkämpfer hat der Geldsegen den Vorteil, dass sie sich einen großen Vorteil im Kampf um Aufmerksamkeit erkaufen können. Andererseits erwarten vor allem Großspender und die Großspendeneintreiber ein gewisses Entgegenkommen für ihre Gefälligkeiten. Meistens werden sie mit Regierungs- und Botschafterposten belohnt - auch unter der Regierung von Obama, der diese lange übliche Praxis eigentlich eindämmen wollte.

Super Tuesday

Seit 22 Jahren gilt der Super-Dienstag als mit entscheidender Tag im Vorwahlkampf. Am Super Tuesday wird in einer Vielzahl von Bundesstaaten gleichzeitig über den künftigen Präsidentschaftskandidaten abgestimmt - die Sieger dieses Tages können sich berechtigte Hoffnungen machen, weiterhin im Rennen zu sein, die Verlierer geben oft anschließend auf. Dieses Jahr findet der Super Tuesday am 6. März in zwölf Bundesstaaten statt. Der 5. Februar 2008 ging als "Super Duper Tuesday" in die Geschichte ein. Damals wurde in 24 Bundesstaaten gewählt, rund die Hälfte aller Delegierten wurde an diesem Tag bestimmt.

Swing-States

Es gibt ->Bundesstaaten, die sind fest in der Hand von Republikanern oder von Demokraten. Die Konservativen etwa siegen traditionell im Süden wie etwa in Texas, die Demokraten dagegen im Nordosten sowie in Kalifornien. Doch in einer Reihe von Bundesstaaten ist die Lage nicht klar, sie tendieren mal zu der einen Seite, mal zu der anderen Seite. In diesen sogenannten Swing-States (oder auch Battleground States) findet der eigentliche Wahlkampf statt. Hier landen die Wahlkampfmillionen für Werbespots und hier geben sich die Kandidaten die Türklinge in die Hand, denn in diesen Staaten entscheidet sich die Wahl. Ein Grund für die unentschiedene Lage ist auch das Prinzip des -> "The Winner takes it all".

The winner takes it all

Die Amerikaner wählen den Präsidenten nicht direkt, sondern über ->Wahlmänner. In anderen Worten: Sie "beauftragen" in ihrem ->Bundesstaat Delegierte, einen bestimmten Kandidaten zu wählen. Der Wahlmann ist bei den entscheidenden Abstimmungen faktisch an das Wählervotum gebunden. Wie viele Wahlmänner pro Staat entsandt werden, hängt hauptsächlich mit der Bevölkerungsgröße zusammen. Bei der Präsidentschaftswahl gilt dann (bis auf die Staaten Nebraska und Maine) das Prinzip des "The Winner takes it all". Konkret bedeutet das: Wenn in einem Staat der Kandidat einer Partei gewinnt, werden ihm alle Wahlmänner des Bundesstaates zugeschlagen, der Verlierer geht leer aus. In anderen Worten: Die Bundesstaaten wählen über den Umweg der Wahlmänner entweder nur die Republikaner oder nur die Demokraten (->Swing-States).

Unabhängige

-> Independents

Wahlmänner

In den USA wird der Präsident nicht direkt gewählt, sondern über Wahlmänner, die natürlich nicht männlich sein müssen. Jeder ->Bundesstaat stellt sie dabei entsprechend seiner Bevölkerungsgröße ab. Kalifornien mit 37 Millionen Einwohnern entsendet 55 Wahlmänner, Alaska, mit rund 700.000 Einwohnern, die Mindestanzahl von drei. Nach dem Urnengang bilden alle Wahlmänner zusammen das "Electoral College" (derzeit 538 Mitglieder), die dann wiederum den Präsidenten entsprechend des Wählerauftrags wählen. Die Wahlmänner sind bei dieser Abstimmung faktisch an das Wählervotum gebunden.

Von Niels Kruse

Wissenscommunity