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Ex-Wärterin berichtet vom unsäglichen Horror der Arbeitslager in Nordkorea

Fotos aus den berüchtigten Arbeitslagern in Nordkorea existieren so gut wie keine. Im Netz gibt es Skizzen wie diese hier.

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Erschlägt ein Baum einen Gefangenen, lachen die Aufpasser. Explodiert Gas in einer Mine, verrammeln sie den Eingang und die Menschen verrecken im Stollen. Erstmals berichtet eine Wärterin aus der beispiellosen Hölle nordkoreanischer Arbeitslager.

Wer sich bei der gefährlichen Schwerstarbeit in den Minen verletzt, wird liegen gelassen. Im Winter erfrieren die halbtoten Menschen schnell. Wenn ausgemergelte Gefangene zu schwach sind, einem gefällten Baum auszuweichen, der Stamm sie trifft und ihre Körper zerschmettert, dann gibt es Wärter, die das amüsant finden. Manche von ihnen verdanken sogar ihre Karriere dem Mord an Insassen. "Ein Wärter hat einmal zwei und drei Frauen zum Zaun gezerrt und sie erschossen. Angeblich, weil sie fliehen wollten. Er durfte zur Belohnung auf eine Top-Universität ", sagt Lim Hye Jin. Sie ist die bislang einzige Wärterin eines nordkoreanischen Lagers, die geflohen ist und über die dortigen Barbareien öffentlich spricht.

Beispielloses Grauen in den Lagern Nordkoreas

In der britischen Zeitung "Daily Mail" berichtet die Frau von den Erlebnissen in den Lagern, die in ihrem Grauen beispiellos sind und wohl nur mit der Hölle in deutschen Konzentrationslagern und sowjetischen Gulags vergleichbar ist. In denen Folter, Hunger, Mord und Totschlag zum Alltag gehören, in denen neben manchen Hütten die Leichen verrotten. In denen die Gefangenen wegen Nichtigkeiten halb zu Tode geprügelt werden, Frauen systematisch vergewaltigt und Neugeborene lebendig begraben werden.

Jede Form von Menschlichkeit wird Wärtern wie Insassen systematisch ausgetrieben. "Und selbst nach dem Tod gibt es kein Mitgefühl. Leichen werden auf einen Haufen gestapelt - ohne Respekt, ohne Beerdigung. Nach einer Woche werden sie dann verbrannt", so Lim. Einmal hätten zwei Brüder versucht über die nahe gelegene Grenze nach zu fliehen. Doch sie seien gefasst worden. Zur Abschreckung wurden "die beiden vor den Augen aller enthauptet, und die anderen Gefangenen mussten sie mit Steinen bewerfen." Ein anderes Mal wurde eine Frau bestraft, weil sie einen Aufpasser bei einer der üblichen Verhöre "genervt" hatte. "Sie musste sich ausziehen und wurde angezündet. Die Wärter betrachten einen nicht als Menschen, sondern als Tiere", sagt sie.

Ihre Wärter-Karriere begann mit 17 Jahren

Lim Hye Jin hat sieben Jahre in zwei verschiedenen Lagern verbracht. Schon mit 17 begann ihre "Karriere" als Wärterin, im Camp 12, einem Umerziehungslager im Nordosten. Schätzungen zufolge sitzen in den sechs großen Lagern rund 200.000 Nordkoreaner ein, teilweise ganze Generationen von Familien, da Sippenhaft in der Diktatur die Regel ist. "Im Camp 12 sitzen vor allem Frauen und Kinder ein. Gesunde Männer werden in die Minen zum Arbeiten geschickt", sagt Lim. Menschenrechtler schätzen, dass zirka 40 Prozent aller Gefangenen an Unterernährung sterben. Im Camp 12 wird Mais und Paprika angebaut. Jeder der dabei erwischt werde, wie er auf den Feldern Essen stibitzt, werde zur Strafe verprügelt oder in Kellerzellen gesperrt, die so schmal sind, dass man darin nur stehen kann.

Auch sie selbst musste die Erfahrung machen, wie es ist, auf der "anderen Seite" zu stehen. Nachdem aufgeflogen war, wie sie in China Sachen ge- und verkauft hatte, landete sie im Gefängnis. Als Wärterin wurde sie zweimal die Woche darin geschult, die Gefangenen als Todfeinde der Kim-Diktatoren-Familie zu betrachten - als, so schlimm das Wort auch klingt, "lebensunwert". Wer nicht an oder Unternährung stirbt, der schuftet sich zu Tode. Sieben Tage je 16 Stunden müssen die Gefangenen arbeiten, gefolgt von regelmäßigen "Umerziehungskursen". Die Menschenverachtung geht soweit, dass selbst bei Arbeitsunfällen niemand mit Hilfe rechnen kann. Lim wurde ein Vorkommnis erzählt, eine Gasexplosion in einer Mine. Die Wärter hätten daraufhin einfach den Eingang verrammelt und die Arbeiter in dem Stollen verrecken lassen. 300 Menschen starben.

Sieben Gefangene getötet - aus Rache

Mittlerweile lebt Lim, die vor 15 Jahren geflohen ist und deren Alter nicht weiter präzisiert wird, in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Die Erlebnisse von damals würden sie bis heute verfolgen, sagt sie. "Unsere Führer belügen und betrügen uns, sie haben uns beigebracht, die Gefangenen nicht als Menschen zu sehen." Noch heute schaudere ihr bei dem Gedanken an die Brüder, die enthauptet wurden. Sieben ihrer Familienangehörigen wurden getötet, aus Rache, weil sie versucht haben, zu fliehen.


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