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Martin Schulz muss nach links

Noch verschließt Martin Schulz den Blick nac

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Will Martin Schulz noch ernsthaft Kanzler werden, dann muss er alles auf Rot-Rot-Grün setzen. Ab sofort!

Ich bin jetzt 57 und Anhänger von . Einer meiner drei größten Lebensträume, kein Witz, ist: noch einmal Deutscher Meister werden! Das letzte Mal ist schließlich auch schon wieder 40 Jahre her. Die Zeit läuft mir langsam weg.

Ich erwähne das, um klar zu machen: Ich kann mich in diesen Tagen sehr gut in hineinversetzen. Ein Mann. Ein Ziel. Es liegt in weiter Ferne und will so gar nicht näher kommen. Der SPD-Kanzlerkandidat wollte auch mal ganz ernsthaft so etwas wie Meister werden, Bundeskanzler.

Ich kenne dieses in einem hochkriechende Gefühl der vermeintlichen Unerreichbarkeit – dieses: das wird nix mehr.

Was bisher geschah: viel Hochgefühl. Viel Zuversicht. Noch mehr Hochgefühl. Drei Niederlagen in Folge bei Landtagswahlen, erst nicht so wichtig, dann ein bisschen wichtig, schließlich – "krachend". 

100 Euro? Die Wette gilt

Die Bundestagswahl ist entschieden, habe ich am Abend der NRW-Klatsche kommentiert. Das fanden manche einleuchtend, manche nicht. Meine Kollegin Ulrike Posche glaubt an das Unerwartete, das Unverhoffte, im Leben und in der Politik. Sie hat da ihre Argumente, den Brexit, den Trump. Ich selber füge da von mir aus noch Leicester City hinzu. Kann schon sein. Aber ich nehme ihre Hundert-Euro-Wette auf Schulz gerne aus privat-ökonomischen Gründen an und biete hier meinerseits freiwillig eine 5:1-Quote. Deal, liebe Ulrike?

Lass uns doch mal gemeinsam überlegen, was jetzt geschehen müsste, damit Du am Ende, nach dem 24. September, die Kohle abgreifen kannst.

Es kann nur einen Weg geben. Um sein großes Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, muss sich Martin Schulz von seinen klandestinen, seinen kleinen Zielen verabschieden. Keine klammheimlichen 23 Prozent plus X. Kein: Wenigstens als Juniorpartner von Merkel in einer GroKo wieder am Kabinettstisch. Kein: Ich-sichere-mit-meinem-Engagement-wenigstens-das-Überleben-der-SPD-Gefühl. In der Titelgeschichte des neuen stern kann man die Details von den inneren Erwägungen des Kandidaten lesen. Auf dem Titel ist er nur noch als Ballon zu sehen.


Platzt sein Traum? Sowieso? Oder weil er zu wenig dafür tut?

Er platzt auf jeden Fall, wenn er dafür zu wenig tut. Ein Kanzlerkandidat Martin Schulz ohne Machtperspektive aber heißt: 18 Wochen Quälerei und Worthülsenweitwurf. Gerechtigkeitsfantasien ohne Aussicht auf substanzielle Umsetzung an der Spitze einer Regierung. All das heißt: Schulz muss sich eine Mehrheit suchen – und die kann nur links sein. Das wird schwierig genug. Rein rechnerisch reicht es im Moment nicht mal dazu, nicht für Rot-Rot-Grün. Aber das ist eine Momentaufnahme. Und womöglich reicht es auch deshalb nicht, weil Schulz es aus Angst vor der eigenen Courage nicht als Projekt identifiziert. Schon richtig, Rot-Rot-Grün gilt vielen als Schreckgespenst. Aber die wählen ihn eh nicht. Wenn Schulz Merkel wirklich herausfordern will, dann muss er ihr die Alternativlosigkeit nehmen.

Martin Schulz muss klare Kante beim Programm zeigen

In der Linken werden sie in diesen Tagen langsam unruhig. Sie fordern ein Bekenntnis, das nicht in stereotyper Schwammigkeit absäuft. Es kann aus dem Munde von Schulz nur lauten: Ja, eine Koalition mit den Grünen und der Linken ist für mich eine Option.

Und dann? Klare Kante beim Programm. Ein Punkt, stellvertretend für viele: Kinderbetreuung, Schule, Universitäten – beitragsfrei, ohne Ausnahme.

Und dann? Mal sehn. Es wäre ein Versuch. Er hätte etwas mit Haltung zu tun.

Jetzt im neuen stern: Wie die Kanzlerin den Traum der SPD platzen lässt:

STERN Nr. 21/17

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