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Der reichste Staubsaugervertreter der Welt

James Dyson - der reichste Staubsaugervertreter der Welt mit Logo stern-Stimme Last Call von Michael Streck

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Jedes Jahr veröffentlicht die "Sunday Times" die Liste der reichsten Briten. Darunter ist auch James Dyson, ein Brexit-Kriegsgewinnler. Er redet wie der Dalai Lama. Aber unser Kolumnist traut ihm nicht.

Wir wohnen in keiner besonders auffälligen oder reichen Gegend in . In unserem Viertel sind sogar die Penner bescheiden. Einen von ihnen haben wir den "Ten-P-Man" getauft, weil er immer nur zehn Pence will, und es kann passieren, dass er fast ein bisschen ungehalten wird, wenn man ihm etwas mehr gibt. Ordnung muss sein.

Bei uns ums Eck in East Finchley beginnt allerdings die vermeintlich reichste Straße Londons, die Bishops Avenue, die im Volksmund nur "Billionaire's Row" heißt, die Straße der Milliardäre. Dort stehen keine Häuser, es sind eher Paläste. Das Ärgerliche an den Palästen ist, dass sie weitenteils leer sind, die Garagen aber voll mit teuren Autos. Abends ist die Bishops Avenue eine reiche, traurige Straße, weil alles ziemlich dunkel menschenleer. Manchmal gehe ich dort spazieren, um zu gucken, wie die Reichen so leben. Man sieht aber fast nie einen, leider.

Sozialneid ist den Briten fremd - glücklicherweise

Am veröffentlichte die "Times" ihre jährliche Rich List. Die reichsten 1000 in Großbritannien ansässigen Menschen werden darin aufgeführt in einem auf Hochglanz beigelegten Magazin mit dollen Fotos von den Reichen. Ich glaube nicht, dass das in Deutschland eine gute Idee wäre. Vermutlich stünde danach Blankenese in Flammen. Hier geht das. Den Briten ist Sozialneid fremd. Es gibt nicht einmal ein englisches Wort dafür. Selbst der altlinke Labour-Chef Jeremy Corbyn will den hiesigen Reichen nichts Böses, er will nur an ihr Portemonnaie und höhere Steuern. In der begleitenden Geschichte der “Times“ stand, dass zwei Drittel aller Briten den Reichen ihren Reichtum gönnen und sie sogar stolz darauf sind, dass in London mehr Milliardäre leben als in New York, nämlich 86 zu 74. Das Gesamtvermögen der Superreichen auf der Insel beläuft sich auf 658 Milliarden Pfund. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Steigerung von 14 Prozent, und sie machen auch keinen Hehl daraus, dass vor allem die Milliardäre vom Brexit profitiert haben.

Die vielen Reichen sind so reich, dass sie locker und aus der Portokasse die noch offene Rechnung mit der begleichen könnten. Die Scheidungskosten sollen sich auf zirka hundert Milliarden Euro belaufen.

Einer, der mit am lautesten für den Brexit trommelte, taucht auch in der Liste auf. Es ist der Staubsauger-Vertreter , dessen Vermögen im vergangenen Jahr um 2,8 auf nun 7,8 Milliarden Pfund wuchs. Herr Dyson ist einer dieser Brexit-Gewinner und mir schon deshalb nicht besonders sympathisch. Jetzt will er sogar seine eigene Universität eröffnen und gibt der Premierministerin May auch Tipps, wie man am besten mit den Menschen auf der anderen Seite des Kanals klarkommt. Sie sollten gleich mit den Verhandlungen über Handel beginnen und sich gar nicht erst aufhalten mit dem übrigen und lästigen Prozedere, denn seit wann, fragt Herr Dyson, würde sich die Europäische Union schon an europäische Gesetze halten?

Nie mehr als sechs E-Mails am Tag

Auch aus diesem Grund käme mir nie ein Saugbläser aus seiner Fabrikation ins Haus. Abgesehen davon könnten wir uns so ein Gerät gar nicht leisten. Der Milliardär hatte dann noch ein paar Ratschläge parat für Menschen, die auch gerne ein bisschen reich werden würden. Diese Menschen, empfahl er, sollten nie mehr als sechs geschäftliche E-Mails am Tag lesen. Sie sollten stattdessen miteinander reden. Dyson klang wie der Dalai Lama.

Ich wüsste nur gerne, ob er auch dann noch so gelassen daherreden würde, falls sich seine Leute tatsächlich an diese Devise hielten und nach der sechsten geschäftlichen Mail einfach den Laptop zuklappten und dadurch womöglich eine siebte Mail verpassten, in denen, sagen wir, die Vereinigten Arabischen Emirate 50.000 Staubsauger bestellen oder Handtrockner fürs vergoldete Klo. Womöglich fände Dyson das dann nicht mehr so lustig.

Ich glaube nicht, dass ich per se zum Neid neige. Von mir aus dürfen die Reichen sogar auch immer reicher werden, solange die Armen nicht immer ärmer werden. Geschenkt. Aber irgendwie hoffe ich, dass der reichste Staubsaugervertreter der Welt demnächst mal ein Problem bekommt mit der EU und Zöllen, weil er eine verflixte siebte Mail verpasst hat.

"Ten-P-Mann" gibt "Wechselgeld"

Neulich ging ich wieder mal spazieren durch die Straße der Milliardäre. Ein Haus dort ist gerade fertig geworden, es hat dem Vernehmen nach 120 Zimmer und einen Garten drumherum ungefähr so groß wie Bielefeld. Danach schlenderte ich zurück in unser Viertel, sah den "Ten-P-Mann" und drückte ihm fünfzig Pence in die Hand. Er guckte verdattert, sagte "Hey Mann, dir geht’s wohl zu gut" und gab mir vierzig Pence zurück.


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