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BVB: Der perfide Mordplan von Sergej W. und warum er scheiterte

Sergej W. plante den Anschlag auf das BVB-Team offenbar sehr genau. An einigen Stellen machte er aber glücklicherweise entscheidende Fehler und zerstörte so seinen perfiden Plan vom schnellen Geld.

Nach Ansicht der Bundesanwaltschaft hatte Sergej W. vor, mit dem Anschlag auf den die Mannschaft des Menschen zu töten - aus Habgier. Dass sein perfides Vorhaben nicht aufgegangen ist, ist offenbar nur Fehlern bei der Ausführung seines präzisen Plans zu verdanken.

Der stern rekonstruiert das Vorgehen des 28-jährigen Deutschrussen:

Am 8. März steht fest: Der BVB steht nach dem 4:0-Heimsieg gegen Benfica Lissabon im Viertelfinale der Fußball-Champions-League. Die Hinspiele in der Runde der letzten Acht finden am 11. und 12. April, die Rückspiele eine Woche später statt, so sieht es der Rahmenterminkalender der europäischen Fußball-Union Uefa vor. In dieser Zeit muss  den Entschluss fassen, seinen Plan umzusetzen: Er will den Aktienkurs des Bundesligisten manipulieren. Mitte März reserviert er ein Zimmer im Vier-Sterne-Hotel "L'Arrivée" im Dortmunder Stadtteil Höchsten, dem Mannschaftshotel des BVB. Weil die Auslosung der Viertelfinal-Partien erst am 17. März über die Bühne geht, kann der 28-Jährige noch nicht wissen, wann die Dortmunder ihr Heimspiel bestreiten. Er bucht das Zimmer daher für beide möglichen Termine.

Sergej W. machte offenbar mindestens drei Fehler

Am 3. April besorgt sich der mutmaßliche Täter eine große Menge Geld - über einen Verbraucherkredit. Knapp eine Woche später, am 9. April bezieht Sergej W. sein Zimmer im Dachgeschoss des Wellness-Hotels in

Von dort kaufte er am 11. April über das Internet 15.000 sogenannte Verkaufsoptionen in Bezug auf die BVB-Aktie für 78.000 Euro. Offenbar der erste Fehler von Sergej W.: Einem Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge schrillen bei einem Mitarbeiter der "Comdirect"-Bank aus dem 300 Kilometer entfernten Quickborn bei Hamburg die Alarmglocken: Der Kauf kommt ihm verdächtig vor, er informiert wegen des Verdachts der Geldwäsche die Polizei, die Ermittler können die Spur des Kaufs über die IP-Adresse später zum Hotel zurückverfolgen.

Am Abend des 11. April soll der BVB gegen den AS Monaco spielen: Der Mannschaftsbus des BVB rollt vom Hotelparkplatz, gegen 19.15 Uhr explodieren die drei Bomben. Den Ermittlungen zufolge kann Sergej W. den Anschlagsort von seinem Hotelzimmer aus einsehen. Mit drei per Funk ausgelösten Zündern werden die Sprengsätze in einer Hecke zur Explosion gebracht. Der Plan des 28-Jährigen: Mit den Bomben sollen Spieler des BVB verletzt oder getötet werden, er hofft auf einen dramatischen Kursverfall der Aktie des börsennotierten Clubs. Der Besitz der Verkaufsoptionen erlaubt es ihm, die Wertpapiere bis zum 17. Juni zu einem beim Kauf festgelegten Preis abzustoßen. Das heißt in der Logik des Verdächtigen: Je mehr Tote und Verletzte, desto höher der Kursverlust, desto höher der Gewinn für Sergej W. Ermittler sprechen bei einem möglichen massiven Kursverfall von einem Vielfachen seines Einsatzes.


BVB-Aktie rutsche nur unwesentlich ab

Doch auch an dieser Stelle geht der Plan des Deutschrussen schief: Zwar wurden die Sprengsätze laut Bundesanwaltschaft "zeitlich optimal gezündet", auch die Richtung der Sprengsätze war auf den Bus ausgerichtet. Doch beim Platzieren der mittleren der drei Bomben macht Sergej W. glücklicherweise seinen nächsten Fehler: Die Bombe war in einem Meter Höhe angebracht und damit zu hoch, um ihre volle Wirkung zu entfalten. Die sieben Zentimeter langen und sechs Millimeter dicken Metallstifte, mit denen der Sprengsatz  gefüllt war, fliegen größtenteils über den BVB-Mannschaftsbus hinweg. Ein Stift wurde noch in etwa 250 Metern Entfernung gefunden - ein Indiz für die enorme Sprengwirkung. Laut "Bild" bestellt Sergej W. nach der Explosion im Hotel-Restaurant in Seelenruhe ein Steak, während die übrigen Gäste aufgeregt umherlaufen. Der dritte Fehler.

An dem Teambus gehen Scheiben zu Bruch, ein Polizist und BVB-Verteidiger Marc Barta werden verletzt - es gibt aber keine erheblich Verletzten oder gar Tote. Und auch die Aktie des Clubs legt nicht den von Sergej W. erhofften Kurssturz hin: Am 12. April, dem nächsten Handelstag gibt der Kurs zwar kurz nach, schließt aber am Ende des Tages 1,7 Prozent im Plus. Sergej W. weiß spätestens jetzt, dass sein Plan nicht aufgegangen ist.

Zur Festnahme fuhren die Ermittler die GSG9 auf

Er weiß dagegen nicht, dass die Bundesanwaltschaft bereits am 13. April Haftbefehl unter anderem wegen 20-fachen versuchten Mordes gegen ihn erlässt, wie die "Bild" berichtet. Die am Tatort hinterlegten Bekennerschreiben mit islamistischen Inhalten erkennen die Ermittler schnell als Fälschungen, auch später aufgetauchte Schreiben mit vermeintlich rechts- oder linksextremen Urhebern stellen sich offenbar als Werke von Trittbrettfahrern heraus. 

Am Morgen des 21. April greifen Elitepolizisten der Anti-Terroreinheit GSG9 im Schwarzwaldort Freudenstadt zu - Sergej W. ist mit seinem perfiden Plan endgültig gescheitert. Sollte seine Schuld bewiesen werden, muss er womöglich lebenslänglich ins Gefängnis.


wue

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