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Leon Draisaitl - der Dirk Nowitzki des Eishockeys

Leon Draisaitl

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Er ist erst 21 Jahre alt, verkörpert aber bereits absolute Weltklasse: Leon Draisaitl hat einen taumelnden Traditionsklub in der härtesten Eishockey-Liga der Welt zurück in die Erfolgsspur gebracht. Vergleiche mit absoluten Legenden werden bereits bemüht.

Bei einem der schlechtesten Teams in der besten Liga der Welt anheuern, es zurück in konkurrenzfähige Gefilde führen, und schließlich selbst zu einem der besten Spieler der Welt aufsteigen - das ist die Geschichte von Dirk Nowitzki, dem bisher erfolgreichsten deutschen Legionär im US-Sport. Es ist - schon jetzt - auch die Geschichte des , der sich anschickt, der Dirk Nowitzki des Eishockeys zu werden.

Der 21-Jährige spielt derzeit in der ersten Runde der Playoffs in der , der härtesten und besten Eishockey-Liga überhaupt, mit den Edmonton Oilers gegen die San Jose Sharks. Das ist getrost als kleine Sensation zu bezeichnen, auch wenn sie im nordamerikanischen Sport mit Superlativen schnell zur Hand sind: Denn die Oilers standen zuletzt vor elf Jahren in den Playoffs, als sie sogar das Stanley-Cup-Finale erreichten (was sie in sieben Spielen unglücklich gegen die Carolina Hurricanes verloren).

Leon Draisaitl: Saison ohne Durchhänger durchgehalten

Zeitweise war der aus der kanadischen Provinz Alberta das schlechteste aller 30 NHL-Teams. Es ist nicht zuletzt Draisaitl zu verdanken, dass die Fans in Edmonton wieder träumen. Mit dem 20-jährigen Connor McDavid bildet der Sohn des früheren deutschen Eishockey-Nationalspielers Peter Draisaitl ein kongeniales Duo, wegen dem die Oilers bei vielen Experten plötzlich auf der Liste der Geheimfavoriten auf den Titel stehen.

In der regulären Saison verbuchte Draisaitl satte 77 Scorerpunkte (29 Tore und 48 Vorlagen) und übertraf den bisherigen deutschen Punkterekord, aufgestellt vom heutigen Bundestrainer , um 18 Zähler. Es sei beeindruckend, wie der Jungstar die ganze Saison durchgehalten habe, so Sturm zu "Sport1": "Von jungen Spielern erwartet man irgendwann einen Durchhänger, aber den gab es nicht. Es macht sehr viel Spaß, ihm zuzusehen."

Dabei müsste gerade Sturm beim Gedanken einer erfolgreichen Oilers-Postseason der Spaß vergehen. Schließlich könnte Draisaitl dann nicht an der Heim-WM im Mai in seiner Heimatstadt Köln teilnehmen - was ihn durchaus beschäftigt: "Es schlagen zwei Herzen in meiner Brust", hat Draisaitl dem Kölner "Express" gesagt. "Ich möchte dem nicht vorgreifen, aber wenn wir mit den Oilers vorzeitig ausscheiden sollten, bin ich der erste, der im Flieger nach Deutschland sitzt."

Auch wegen solcher Aussagen wird Draisaitl bereits mit Dirk Nowitzki, dem die Nationalmannschaft trotz NBA-Superstar-Status ebenfalls immer sehr wichtig war, verglichen. Aber wie für Nowitzki hat auch für Draisaitl der Verein den (noch) höheren Stellenwert. In Edmonton ist Ersatzreligion, mehr noch als Fußball in Deutschland: "In fast jedem Schaufenster sieht man irgendwas mit einem Oilers-Logo", sagt Draisaitl. Die Stimmung im nagelneuen Rogers Place, der modernsten Arena der NHL, sei überragend, der Medienrummel unbeschreiblich.

Mittendrin: der bescheidene Draisaitl, der bei aller Euphorie von den Fans sehr respektvoll behandelt wird. Sie hoffen, dass der "Deutschland Dangler", wie er auch genannt wird, sie zurück zum Ruhm führt: Zwischen 1984 und 1990 führten heutige Legenden wie Wayne Gretzky, der beste Spieler der Geschichte, und der Finne Jari Kurri den Klub zu fünf Stanley-Cup-Titeln.

In Edmonton wurde Draisaitl von Anfang an als "German Gretzky" bezeichnet. Die Hoffnungen in ihn sind groß - dass er sie aber so schnell so eindrucksvoll erfüllt, war trotzdem nicht abzusehen. Was die Akklimatisierung auf höchster Ebene angeht, ist er sogar noch schneller als damals Dirk Nowitzki bei den Dallas Mavericks.

Bald sechs bis acht Millionen US-Dollar pro Jahr?

Er habe den nächsten Schritt gemacht, drischt Draisaitl bloß eine Phrase auf die Frage nach seiner Entwicklung: "Ich versuche in jedem Spiel mein Bestes zu geben." Sein Teamkollege Patrick Maroon findet da schon deutlichere Worte und bezeichnet Draisaitl als "absoluten Leader", der ein Spiel alleine entscheiden könne: "Er treibt uns selbst immer wieder an."

Als drittbester Spieler seines Jahrgangs wurde Draisaitl im Jahr 2014 im NHL-Draft von den Oilers gezogen, der achtbeste Scorer der Saison ist er in diesem Jahr bereits, und im nächsten Jahr könnte sein Gehalt mit einem neuen Vertrag von bislang knapp 780.000 Euro auf sechs bis acht Millionen US-Dollar pro Jahr ansteigen.

Sportlich ist die Grenze für Draisaitl ohnehin noch längst nicht erreicht: "Das Gesamtpaket, das er mitbringt, hat man bisher noch von keinem anderen deutschen Spieler gesehen", sagt Marco Sturm. Der Bundestrainer hat seinerseits über 1000 NHL-Spiele absolviert. Wenn es einer wissen muss, dann er.

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