User Image User
User Image User

Ex-Stabhochspringer Tim Lobinger hat Leukämie

Tim Lobinger, zur Zeit dieser Aufnahme aus dem Juli 2014 Athletiktrainer bei den Fußballern von RB Leipzig, hat Leukämie

Mehr als 20 Jahre lang war Tim Lobinger eine der auffälligsten Persönlichkeiten der deutschen Leichtathletik. Jetzt ist der ehemalige Weltklasse-Stabhochspringer schwer erkrankt.

Ex-Stabhochspringer kämpft gegen Leukämie. Der 44 Jahre alte frühere Leichtathletikstar unterzieht sich gegenwärtig in seiner Wahlheimat München einer Chemotherapie gegen die Blutkrebserkrankung. "Bisher reagiert Tim positiv auf die äußerst aggressive Behandlung, was ihn und die behandelnden Münchner Ärzte vorsichtig optimistisch stimmt. Dennoch wird der Heilungserfolg von vielen Faktoren abhängen", heißt es in einer Erklärung seines Managements an die Deutsche Presse-Agentur.

Lobinger war 1997 der erste deutsche Stabhochspringer, der im Freien die Sechs-Meter-Marke überwand. 2003 gewann er in Birmingham Gold bei den Hallen-Weltmeisterschaften. Über viele Jahre hinweg war der extrovertierte Athlet eine der prägenden Figuren seiner Sportart. Der einstige Teamsprecher des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) galt auch als streitbarer Geist und legte sich schon mal mit den Funktionären an.

2003 zeigte Lobinger seinen nackten Hintern

Auch für eine Show war Lobinger zu seiner aktiven Zeit oft zu haben. Bei seinem Triumph im Weltcup-Finale 2003 in Monaco zeigte das Vermarktungstalent im Überschwang der Gefühle gar seinen nackten Hintern und wurde dafür mit einer Geldstrafe vom Weltverband IAAF belegt. Lobinger nahm's locker. "Ich habe so eine dicke Haut, ich vertrage so viel Kritik", sagte er damals.

Nach seiner Karriere arbeitete Lobinger vier Jahre lang als Athletiktrainer bei den Fußballern von RB Leipzig. 2016 kehrte er aus privaten Gründen mit seiner Familie nach zurück. Dort baut der 44-Jährige derzeit ein funktionelles Trainingszentrum auf und hat sich als Athletiktrainer für Spitzensportler spezialisiert.

Ende des vergangenen Jahres meldete sich Lobinger noch voller Tatendrang. Einige Wochen später verschob der viermalige Olympia-Teilnehmer und 15-malige deutsche Meister ein Telefoninterview, weil er mit Fieber im Bett lag. "Unmittelbar nach der der Krankheit im März wurde die stationäre Behandlung eingeleitet, die mehrere Chemotherapien und eine kommende Stammzelltransplantation umfasst", ließ Lobinger nun mitteilen. Zu weiteren Details will er sich nicht äußern. Genauso wenig möchte er, dass über seine Krankheit spekuliert wird. Deshalb machte er sie nun öffentlich.

DLV ehrte Lobinger mit Rudolf-Harbig-Preis

Lobinger, der in Rheinbach geboren ist und unter anderem für Bayer Leverkusen, den ASV Köln und die Stadtwerke München startete, gewann bei Freiluft-Europameisterschaften drei Medaillen: Silber 1998 in Budapest und 2006 in Göteborg sowie Bronze 2002 in München. 1997 sprang er in Köln-Müngersdorf deutschen Rekord mit 6,00 Metern. Erst 2012 übertraf der Olympia-Zweite Björn Otto diese Marke um einen Zentimeter. Verwehrt blieb Lobinger eine Medaille bei Olympischen Spielen und Freiluft-Weltmeisterschaften.

2011 ehrte der DLV den Stabhochspringer bei den nationalen Titelkämpfe in Kassel mit dem Rudolf-Harbig-Preis. Seitdem trieb Lobinger seine berufliche Karriere weiter voran. Sein Kampfgeist und seine Physis als langjähriger Leistungssportler, das hofft er, wird ihm auch in der nun so schwierigen Situation helfen.

mad/Ulrike John, DPA

Wissenscommunity