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In Deutschland ist Armut weiblich

Frauen: Armut bedroht sie stärker

Frauen arbeiten häufiger in sozialen Berufen und in Teilzeit - und verdienen daher deutlich weniger als Männer. Aber auch für die gleiche Arbeit werden Frauen schlechter bezahlt. Das bedeutet: Frauen sind stärker von Armut bedroht - spätestens im Alter.

Hausarbeit, Kindererziehung, Pflege von Angehörigen: Frauen übernehmen viele der sozialen Arbeiten. Konkret leisten sie sogar 52 Prozent mehr dieser Aufgaben als Männer - zu diesem Ergebnis kommt nun ein Gutachten für den zweiten Gleichstellungsbericht. Und all diese Aufgaben haben etwas gemeinsam: Sie sind wichtig und nötig - und natürlich unbezahlt.

Seit Jahrzehnten versuchen Politik und Wirtschaft die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern. So gibt es seit 2013 einen gesetzlichen Anspruch auf einen Kitaplatz für 1- bis 3-Jährige. Betriebseigene Kindergärten soll es Müttern ermöglichen, beruflich durchzustarten. Doch die Realität ist ernüchternd: Tatsächlich sind Frauen deutlich stärker armutsgefährdet als Männer - und zwar sowohl in jungen Jahren wie auch im Alter.

Frauen arbeiten eher in sozialen Berufen 

Die Gründe für dieses Ungleichgewicht sind sehr verschieden. So arbeiten Frauen deutlich häufiger in sozialen Berufen - in denen sie schlechter verdienen. Mehr als die Hälfte der Frauen verdiente 2016 in Deutschland maximal 1500 Euro netto. Mehr als ein Viertel verdiente nur zwischen 500 und 1000 Euro. Und über 13 Prozent der Frauen verdienen gar nichts. Bei den hohen Einkommensgruppen tauchen Frauen praktisch nicht auf: In der Einkommensgruppe zwischen 3500 und 4000 sind nur 0,6 Prozent der Frauen vertreten.

Dass das Einkommen bei Frauen so deutlich unter dem der Männer liegt, geht zum einen auf häufige Teilzeitjob zurück. Ob nun Pflege der Angehörigen oder Kinder, die pünktlich um 16 Uhr aus der Kita abgeholt werden müssen: Frauen schrauben deutlich öfter ihre beruflichen Ambitionen zurück, wenn es um die Familie geht. 37,5 Prozent der Frauen arbeitet in Teilzeit. Zum anderen arbeiten Frauen vermehrt in Bereichen, in denen gerade einmal der Mindestlohn gezahlt wird. Die "Gender Pay Gap", also der Verdienstabstand zwischen Männern und Frauen stagniert - trotz aller Bemühungen von Frauenverbänden und Politik - seit Jahren zwischen 21 und 23 Prozent. Eine Annäherung der Gehälter? Fehlanzeige.

Geringes Einkommen bei Frauen

13 Prozent der Frauen arbeiten gar nicht, 40 Prozent aller Alleinerziehenden - von denen neun von zehn Frauen sind - beziehen Hartz IV, etwas über 28 Prozent der Frauen zischen 18 und 24 Jahren sind laut dem Statistischen Bundesamt armutsgefährdet: Das Problem, das Frauen in ihrer eigentlichen Erwerbsphase kaum oder deutlich weniger Einkommen erhalten, zieht sich bis ins Alter. Frauen haben statistisch im Alter knapp 60 Prozent weniger Geld zur Verfügung als Männer. 

Auch die OECD bemängelt in einer Studie die Einkommenssituation in Deutschland. Frauen würden deutlich weniger zum Haushaltseinkommen der Familien beitragen als in anderen Ländern. Der durchschnittliche Anteil der Frauen zum gemeinsamen Haushaltseinkommen betrage bei Paaren mit Kindern in Deutschland 22,4 Prozent, in Dänemark sind es hingegen 42 Prozent. 

kg

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