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Ein Leben in Müll und Armut

Ein Kind sitzt alleine auf einem Fensterbrett der Rohbauten.
10 Bilder

Die Geschichte des Copacabana Palace ist die eines nie fertiggestellten, verwilderten Häuserkomplexes in Rio de Janeiro. Statt der Besserverdiener hausen nun illegale Bewohner in den Ruinen. Der Fotograf Peter Bauza hat ihren Alltag begleitet.

Peter Bauza ist eher zufällig auf die verwahrloste Siedlung am westlichen Stadtrand von Rio gestoßen. Anfangs waren die Menschen skeptisch, aber nach und nach konnte er ihr Vertrauen gewinnen. Acht Monate lang hat er den Alltag der Menschen im sogenannten Copacabana Palace mit seiner Kamera dokumentiert. Entstanden ist ein unvergleichlicher Bildband, der einmal mehr zeigt, dass Armut und Reichtum in Brasilien unmittelbar nebeneinander liegen.

Eigentlich sollte hier, 60 Kilometer entfernt von den berühmtesten Stränden Brasiliens, eine Häusersiedlung für die Mittelschicht entstehen. Nach etlichen Bau- und Spekulationskrisen ist klar: Dieses Projekt wird niemals fertig gestellt.

Brasilien versteckte Armut

Rund 30 Jahre später ist die verwilderte Siedlung zwar bewohnt, allerdings nicht von Rios Mittelschicht, sondern von über 1000 Menschen, die ansonsten kein Zuhause hätten. „Sem teto, sem terra“ umschreiben es die Brasilianer, ohne Dach und ohne Land.

Copacabana Palace, so heißt das wohl berühmteste Hotel in Rio de Janeiro. Ein pompöser Palast, der ganz in weiß an der Copacabana erstrahlt. Dass die heruntergekommene Siedlung am Westrand Rios danach benannt wurde, ist bloße Ironie.

Hier herrschen Armut, Krankheit und Brutalität. Fern jeder Staatsgewalt hat sich ein ganz eigenes System entwickelt. Eine Art Miliz hat es sich zur Aufgabe gemacht, für Sicherheit zu sorgen. Dabei handelt es sich allerdings um eine eigenwillige Interpretation von Sicherheit: Wer sich nicht an die Ansagen hält, wird unterdrückt und Schutzgelder garantieren den Profit der Miliz, die überwiegend aus ehemaligen Soldaten, Polizisten und Feuerwehrleuten besteht. Viele Bewohner nennen ihre Siedlung auch "Carandiru" – der Name eines berüchtigten Staatsgefängnisses in Sao Paulo.

Mehr als 300 Familien leben hier. Sie wissen, dass die Besetzung der Häuser illegal ist, aber eine andere Möglichkeit bleibt ihnen nicht. So gut es geht versuchen die Menschen, einen Alltag zu schaffen. Sie verlassen das Haus vor Sonnenaufgang, arbeiten als Müllsammler oder Tagelöhner. Eine groteske Normalität - ohne Trinkwasser, Kanalisation, Strom und medizinische Versorgung.

Schätzungsweise leben in Brasilien etwa 30 Millionen Menschen in Armut und sozialer Ausgrenzung. In diesem alternativen Copacabana Palace haben zumindest 1000 von ihnen eine Art Zuhause gefunden. Peter Bauza zeigt ihr Leben in eindrucksvollen Bildern.

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