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Dieses Werbeplakat vermittelt eine gefährliche Botschaft

Dieses Plakat der Micro-Job-Plattform Fiverr sorgt für Ärger

Die Online-Plattform "Fiverr" vermittelt Jobs für Hungerlöhne. In einer aktuellen Plakatkampagne verklärt sie Selbstausbeutung als cooles Lebensmodell. Das stößt vielen sauer auf.

Essen? Braucht man nicht. Schlafen? Überbewertet. Alles was zählt, ist: arbeiten, arbeiten, arbeiten. Wer so drauf ist, der sei ein richtiger Macher. Das vermittelt die Online-Plattform "Fiverr" in einer aktuellen Plakat-Kampagne, die zu heftigen Reaktionen geführt hat.

Fiverr ist ein globaler Marktplatz, auf dem Freelancer ihre Arbeitskraft für kleines Geld anbieten. Die Dienste reichen von Programmierarbeit bis Übersetzungsaufgaben und starten bei einem Preis von fünf Dollar - daher der Name. Mehr als drei Millionen Dienste zwischen 5 und 500 Dollar werden derzeit bei Fiverr angeboten. Fiverrs Slogan lautet "In Doers We Trust" ("Wir glauben an Macher"). 

"Schlafentzug ist die Droge deiner Wahl"

Nicht selten aber dürfte es sich bei den gepriesenen Machern um arme Würstchen in prekärer finanzieller Lage handeln. Daher regen sich viele über die Plakate, die Fivver in dieser Woche in U-Bahnstationen aufhängte, ziemlich auf.

Das Motiv zeigt eine attraktive Frau mit zerzausten Haaren und glasigem Blick. Dazu heißt es: "You eat coffe for lunch. You follow through on your follow through. Sleep deprivation is your drug of choice. You might be a doer." Ein cooler Macher ist demzufolge jemand, der lediglich Kaffee zum Mittagessen hat, sein Ding durchzieht und Schlafentzug als die Droge seiner Wahl begreift. 

"Es gibt eine Menge Probleme mit dieser Anzeige", schreibt die britische Zeitung Metro. Im Kern gehe es um die schädliche Botschaft, sich selbst kaputtzuarbeiten, Schlaf, Mahlzeiten und alles andere was einem gut tut wegzulassen, nur um härter arbeiten zu können. Diese Meinung spiegelt sich auch in den Twitter-Reaktionen auf die Anzeige wider, wo das Plakat zur "deprimierendsten Anzeige des Tages" gekürt wurde. 

 

Fiverrs Digitalchef Chris Lane sagte dem Portal ATTN, die Kampagne, die weitere Motive umfasst, feiere den Unternehmergeist und diejenigen, die ihr Leben in die Hand nehmen. 

Es ist nicht das erste Mal, dass "Fiverr" in die Kritik gerät, Ausbeutung zu glorifizieren. 2014 gab es schon einmal einen Shitstorm gegen die Plattform, nachdem Fiverr auf Facebook eine Anzeige verbreitet hatte, in der es hieß: "Warum 100 Dollar für ein Logo zahlen?" "Bekomme Qualitätsdesign für nur fünf Euro auf Fivver." Zahlreiche freiberufliche Grafiker trieb das propagierte Lohndumping zur Weißglut. Ein anderer Kritikpunkt ist, dass auf der Plattform auch immer wieder dubiose Dienste wie Malware-Attacken angeboten werden. 

bak

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