User Image User
User Image User

Das Dilemma, wenn alle Arbeit haben: Dänische Firmen können Stellen nicht besetzen

Dänemark ist stark in vielen Branchen - auch in der Produktion von Mikro-Brauereien.

Von:

In Dänemark herrscht Vollbeschäftigung ohne Tricks mit Billiglohn und Aufstockung. Das Luxus-Problem der Nachbarn im Norden: Arbeitgeber findet inzwischen keine Fachkräfte mehr. Ein echtes Problem.

Die Ökonomie des kleinen Landes Dänemark scheint die Amerikaner schwer zu faszinieren. Als die Beschäftigen der Fast-Food-Gastronomie vor etwa drei Jahren weltweit gegen ihre Hungerlöhne protestierten, staunten die USA darüber, wie auskömmlich McDonalds bezahlt – wenn man in Kopenhagen lebt. "Ich verdiene 21 Dollar die Stunde bei McDonalds. Warum verdienst du das nicht?", hieß ein Artikel. Dass eine Servicekraft des Bulettenbräter im Jahr bis zu 45.000 Dollar verdienen kann und sich keine Sorgen um Krankenversicherung und Schulgeld machen muss, konnte man im Land der unbegrenzten Möglichkeiten kaum glauben. Und auch in Deutschland – dem Land der Aufstocker und Billiglöhner – kann man von Verhältnissen wie in Kopenhagen nur träumen.

Jobwunder in Dänemark

Nun berichtet die "New York Times" staunend vom neuen Job-Wunder in Skandinavien. Die Korrepondentin Liz Alderman besuchte kleine dänische Firmen, die verzweifelt Mitarbeiter suchen, aber keine finden, weil jeder schon einen Job hat. Das Dilemma der Vollbeschäftigung für Arbeitgeber. So etwas gab es in den USA zuletzt Ende der 70er Jahre. 

Peter Enevoldsen, Eigentümer der Sjorring Maskinfabrik, die Teile für Baumaschinen herstellt, sucht seit Monaten neue Leute, bisher vergeblich. Während der südliche EU-Raum nur sehr mühsam aus den Nachwehen der Finanzkrise herausfindet, sind die Nord-Staaten mit anderen Problemen konfrontiert.

"Wir brauchen Fachkräfte, aber wir können sie einfach nicht finden", sagt Peter Enevoldsen, der mit anderen Unternehmern eine Talent-Kampagne in gestartet hat. "Wenn der Mangel an Arbeitskräften anhält, gefährdet das unser Wachstum, das Wachstum des ganzen Landes", sagte er der "NYT".

Die Arbeitslosenquote in Dänemark ist bereits unter 4,3 Prozent gefallen. Mangel an Arbeitskraft ist auch der Hauptgrund, warum das Wachstum mit 1,2 Prozent bescheiden ausfällt. Steen Nielsen, Arbeitsmarktexperte des Industrieverbandes glaubt ebenfalls nicht an ein höheres Wachstum, solange es nicht mehr Arbeitskräfte gibt.

Geplanter Zuzug aus EU-Ländern

Flüchtlinge in Dänemark gelten zumeist als nicht entsprechend qualifiziert, daher setzt die Regierung darauf, ältere Dänen zum längeren Arbeiten und zu einem späteren Ruhestand zu überreden. Auch Qualifizierungsprogramme wurden gestartet. Gleichzeitig sollen Arbeitskräfte aus anderen EU-Staaten angelockt werden. Zweifelhaft ist es, ob diese Maßnahmen ausreichen werden. Denn anders als Deutschland besitzt Dänemark keine Reservearmee an Arbeitskräften. Personen, die durchaus arbeitsfähig sind, und nur darauf warten, mit einem richtigen ihrer Existenz als Hartz-IV-Aufstocker zu entkommen. 

Im Vergleich zu anderen Ländern sind das allerdings Luxus-Probleme.

Wissenscommunity