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Das sind die schlimmsten Karrierekiller für Frauen

Frauen und Karriere: Die Gesellschaft hat immer noch andere Vorstellungen

Sie sollen gute Ehefrauen, Hausfrauen und Mütter sein - und dann auch noch Karriere machen? Frauen stehen gesellschaftlich unter Druck. Psychologin Martina Lackner fordert: Wacht auf, Frauen - und lasst euch nicht euer Leben vorschreiben!

Letzte Woche wurde ich von einem Bekannten gefragt, warum ich mir diesen beruflichen Stress antue, ich könnte mir doch mein Leben viel einfacher machen, ich hätte doch einen Mann! Andere Frauen sind doch auch zufrieden mit ihrem Leben, sie vermissen doch nichts, meint mein Bekannter. Was antwortet man auf so eine Frage? Ich bin ja in Diplomatie geübt, meine Antwort fiel so aus: "Wissen Sie, wenn man Erfolg und ein gefülltes Bankkonto und Unabhängigkeit nicht kennt, weiß man nicht, wie sich das anfühlt. Wer nicht die Erfahrung gemacht hat, wie Austern mit einem Glas Champagner schmecken, die man sich selbst gekauft hat, kommt nur auf die Idee welche zu essen, wenn er eingeladen wird."
Darauf folgte Stille. Dann seine Antwort, ich dürfte aber diese Frauen nicht verurteilen. Tue ich das, wenn ich sage, wer den Erfolg nicht kennt, weiß nicht, wie er schmeckt?

Martina Lackner : Psychologin, Buchautorin und Inhaberin der PR Agentur cross m.

Wer als Frau von seinem Umfeld als Businessfrau identifiziert wird, muss sich rechtfertigen. Vor dem eigenen Ehemann, vor den Freunden und der Familie, vor dem Chef, und den Kolleginnen. Frauen, die auf dem Weg nach oben wie agieren, mit Durchsetzungsstärke, Mut, Selbstbewusstsein und Ehrgeiz sind noch immer eine besondere Spezies und müssen sich unangenehme Fragen gefallen lassen. Das führt mitunter zum Bruch mit dem eigenen Umfeld oder zum Karrierestopp durch Vorgesetzte. Dass Frauen wie Männer agieren, hat etwas damit zu tun, dass sie in männlich dominierten Systemen lernen mussten, wie man(n) Karriere macht. Und Karriere geht nicht mit Kuschelkurstaktik.

Frauen und Karriere: Schluss mit dem Kuschelkurs

Als Kuschelkurs bezeichne ich Lebensbewältigungsstrategien, die auf keiner fachlichen Grundlage basieren, sondern allein auf Emotionen aufgebaut sind. Typische Kuschelkurskriterien sind z.B.: Kann mein Chef mich leiden? Wie reagiert mein Mann, wenn ich mehr verdiene als er? Was wird meine Kollegin sagen, wenn ich befördert werde und sie nicht? Muss ich damit rechnen, dass mich dann niemand mehr mag, meine unter meiner Karrieresucht leiden und sich meine Freundinnen von mir abwenden? Diese Fragen folgen stets dem gleichen Ziel: nur nicht auffallen, nur nicht anecken, funktionieren, nicht zu viel fordern, damit Frau keine Probleme bekommt - und immer beliebt bleiben. Frauen frönen der Harmoniesucht. Und dieses Kuschelbedürfnis hat Auswirkungen ‒ bei Gehaltsverhandlungen, Beförderungen und Karriereschritten.

Frauen erfüllen mit diesem Verhalten auch oft unausgesprochene gesellschaftliche Rollenzuschreibungen: Als Frau ist es richtig, weniger als der Mann zu verdienen. Hier wirken jahrtausendealte Muster, wie sich Mann und Frau im Zusammenspiel und gemeinsam in einer Gesellschaft zu verhalten haben. Frauen passen sich sehr oft unreflektiert an, sie befinden sich in einer Art Trance. Sie verhalten sich so, weil eine große Anzahl von Frauen in ihrem Umfeld sich auch so verhält und niemand Interesse hat, Frau auf ihre Angepasstheit aufmerksam zu machen. Angepasste Frauen sind leichter zu führen ‒ für den Mann, den Chef und das Umfeld. Also lässt man sie gerne weiterschlafen. Dazu paart sich die Bequemlichkeit der Frau. Der traditionelle Versorgungsanspruch macht bequem. Das gilt auch für die eigenen Verhaltensmuster. Wer in jungen Jahren nicht gelernt hat, zu fordern und sich durchzusetzen, muss sich im Erwachsenenalter diese Strategien erst erarbeiten und das ist mitunter ein täglicher Kampf gegen sich selbst. Also harte Arbeit.


Ein Mann, zwei Kinder und ein Reihenhaus - reicht das?

Warum sollten Sie als Frau so hart arbeiten, wenn es doch auch leichter geht? Ein gut verdienender Mann, zwei gut geratene Kinder, ein Reihenhäuschen im Grünen und ein Minijob oder eine Teilzeitstelle, eine Oma, die Sonntags mit Kuchen vorbei kommt, und die Kinder hütet?

Was will die Frau eigentlich von mir – ich lebe doch in paradiesischen Zuständen, werden Sie denken? Die Vertreibung aus dem Paradies findet statt, wenn die Realitäten des Lebens Sie unverhofft einholen: Ihre Kollegin auf der Vollzeitstelle verdient 1000 Euro netto mehr als Sie? Das Geld könnten Sie gut für die Schulausbildung Ihrer Kinder gebrauchen. Ihre Kollegin, die nach Ihnen gekommen ist, ist plötzlich Ihre Vorgesetzte, die Sie mobbt. Sie hatte einfach mehr Zeit, um sich bei ihrem Chef in Szene zu setzen. Mit Ihrem 15-Stunden-Job war keine Zeit für Selbstmarketing. Nach der Elternzeit hat Ihr alter Arbeitgeber Sie wieder genommen, na klar, musste er ja, dazu gibt es eine gesetzliche Regelung, doch nun befinden Sie sich auf einer Position, auf der Sie nie sein wollten? Schnell gilt man außerdem als zu alt für die attraktiven Stellen des Arbeitsmarkts. Und damit nicht genug: Kennen Sie Ihre Rentenansprüche im Alter? Sie werden staunen, mit wie wenig Geld Sie später auskommen müssen.


Kämpfen für die Karriere

Was tun? Seminare und Coachings zu Themen wie "Wie setze ich mich durch?" oder "Wie verhandle ich mein Gehalt..." haben sicher ihre Berechtigung. Wer jedoch nicht täglich an seiner Harmoniesucht arbeitet, wird den Kampf nicht gewinnen. Die Muster sind bei Erwachsenen nach jahrelanger Prägung so festgefahren, dass manchmal nur Leidensdruck hilft. Wenn ich nach dreijähriger Abwesenheit durch Elternzeit hoffe, wieder meinen alten Platz einzunehmen, bin ich möglicherweise blauäugig. Ich muss als Frau die Erfahrung machen, wie es sich anfühlt, auf dem Abstellgleis zu landen und daraus lernen, mich durchzusetzen. Mein emotionaler Druck muss so stark werden, dass ich mich bewege. Und das ich kämpfe.

Oder Sie setzen Ihren Intellekt ein: Überlegen Sie sich z.B. wie viel Wert eine Aussage Ihres Chefs hat, die lautet: "Wir haben kein Problem, wenn Sie drei Jahre Elternzeit nehmen, Sie sind uns eine wertvolle Mitarbeiterin." Wie ernst nehmen Sie so ein Versprechen? Entgegen aller gesetzlichen Regelungen kann man Sie nach der Rückkehr innerhalb kürzester Zeit kündigen, weil man keine Verwendung mehr für Sie hat. Glauben Sie dieser Aussage Ihres Chefs nun oder nicht? Ihr Mann sagt: "Ach Schätzchen, du brauchst ja gar nicht zu arbeiten, wir kommen auch mit meinem Geld aus, kümmere dich lieber um unseren Sohn und das Haus." Was, glauben Sie, sind die wahren Motive Ihres Mannes? Braucht er eine billige Arbeitskraft zu Hause? Könnte er es vielleicht gar nicht ertragen, dass Sie mehr verdienen, wenn Sie wieder in Ihrer Firma anfangen? Vielleicht hat ihm diese Tatsache schon immer gestunken. Nun hat er ein gutes Argument. Eine Mutter gehört zu ihrem Kind. Und die Haushaltssorgen haben einen Ansprechpartner.


In der Elternzeit nicht abtauchen

Besser: Lassen den Erkenntnissen Taten folgen! Suchen Sie die Auseinandersetzung im positiven Sinne mit Ihrem Gegenüber. Wenn Sie während der Elternzeit nicht drei Jahre abtauchen, sondern regelmäßig in Meetings und Firmenevents eingebunden werden, wissen Sie, wie Ihr Unternehmen zu Ihnen steht. Sie machen sich nicht nur unentbehrlich, Sie bekommen auch irgendwann ein reales Gefühl von Sicherheit, dass man Sie gerne nach der Elternzeit auf Ihre Position zurücknimmt. Dadurch, dass Sie weiter im Sichtfeld Ihrer Vorgesetzten bleiben, kann man Sie nicht einfach so wegschieben.

Bleiben Sie auch mit Ihrem Mann im Gespräch. Finden Sie heraus, was er sich wünscht - und wie sich diese Vorstellungen mit Ihren decken. Wo ist seine Angst? Vielleicht löst sich das Thema sogar auf, wenn Sie Ihren Standpunkt vertreten, oder aber es passiert das Gegenteil: Ihr Mann will eine Hausfrau, Sie hingegen Karriere? Sind Sie sicher, dass Sie Ihr Leben mit diesem Menschen teilen wollen?

Egal, welche Schritte Sie setzen, es gibt kein Richtig oder Falsch, es gibt nur ein Tun, oder Nicht-Tun. Und nur das Tun, also Gespräche führen, eigene Standpunkte vertreten und Entscheidungen treffen, führt Sie aus der Trance. Alles andere sind Scheinmanöver. 

Martina Lackner

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