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So werden Frauen mit Schrott-Klamotten aus China reingelegt

Beutel statt Eleganz

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Ein aufwändiges Designerkleid für 15 Euro? Viele Frauen werden da schwach und bekommen später einen unförmigen Fummel geliefert. Wie der Schwindel mit den Alptraum-Kleidern funktioniert.

Viele Frauen kennen das: "Sie" surft durchs Netz und plötzlich tauchen auf Anzeigen von traumhaften Sachen auf – Kleider, Mäntel, Bodys. Und alles zum Schnäppchenpreis von 10 bis 20 Euro inklusive Versand. Die Firmen wirken korrekt, die Bewertungen sind gut und obwohl der Preis stutzig machen sollte, wird dann geordert. Die Enttäuschung folgt beim Auspacken. Im Karton liegt ein Alptraum, den man nur wegwerfen kann.

Buzzfeed hat nun herausgefunden wie die Masche genau funktioniert. Die Verkaufsplattformen der China-Mode mit Namen Zaful, SammyDress, DressLily, RoseGal, RoseWe, TideBuy, Choies und RomWe sind nur eine Fassade – also Briefkasten-Geschäfte gewissermaßen. Hinter ihnen soll eine chinesische Firma stecken, die im Jahr 2014 über 200 Millionen Dollar Umsatz machte.

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Dass die Produkte enttäuschen, kann bei dem Preis kaum verwundern. Bilder in zahlreichen Facebook-Gruppen zeigen die Mängel. Die Nähte sind unsauber zusammenheftet, die Knöpfe nicht richtig vernäht. Stoffe wirken, als wären sie vorher in der Waschmaschine pappig gekocht wurden. Manche riechen so stark nach Chemikalien, dass man sie nicht im Haus behalten kann. Vor allem aber wirken die Kleidungsstücke immer seltsam unförmig. Was im Katalog figurbetont vor sich hin schwang, stellt sich in der Realität als Sack da.

 Ein unbedarfter Betrachter denkt zunächst: "Da haben sich die Ladies wohl überschätzt." Er vermutet, dass das Abendkleid von einem Model mit Playmate-Maßen einfach besser ausgefüllt ist. Das ist aber nicht der Grund für die Enttäuschung.

Denn tatsächlich hat das abgebildete Produkt überhaupt nichts mit dem verkauften Kleid zu tun. Normalerweise wird für ein Foto-Shooting ein Kleidungsstück aus der regulären Produktion genommen. Ein gutaussehendes Model und ein paar Tricks vor der Aufnahme und etwas Photoshop hinterher verbessern das Ergebnis, aber man sieht immer noch das richtige Kleid.

Beide Teile sind blau.


Bei der Billig-Mode aus gehen die Verkäufer anders vor: Laut Buzzfeed klauen sie ihre Top-Fotos einfach irgendwo aus dem Netz. Überall werden sie fündig: Mal ist es eine Berühmtheit wie Katy Perry, ein internationales Top-Model oder ein Instagram-Sternchen in heißer Wäsche. Mit diesen Fotos füllen sie ihre Seiten.

Doch die geklauten Bilder dienen nur zum Verkauf – die echten Kleidungsstücke haben die Händler gar nicht vorrätig. Die abgebildeten Kleidungsstücke werden dann super-billig nachgemacht und versandt. In gewisser Weise ähnelt das Vorgehen der Produktpiraterie. Doch bei echten Produktpiraten wird die Original-Firma hereingelegt, der Kunde bekommt eine mehr oder minder echt aussehende Kopie.  Bei diesem Geschäft aber bekommt die Kundin nur eine Alibi-Kopie, damit irgendetwas im Karton liegt. Häufig ist nur eine grobe Ähnlichkeit vorhanden. Die komplizierten Wellen des Originals und raffinierte Faltenwürfe  werden aus Kostengründen einplaniert. Ein schwingendes Sommerkleid mit enger Taillierung wird so zu einem schlichten Kittel, der wie ein Zelt gerade hinunterfällt.

Das Bild mit dem Kleid wurde dem Netz kopiert und in den Katalog eingeführt.


Hier ist gut zu erkennen, wie der aufwändige Faltenwurf eingespart wurde.



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