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Aus Liebe zur Brust: Werbung jenseits des guten Geschmacks

Werbung Bratwurst

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Diskriminierend, gewaltverherrlichend, jugendgefährdend: Beim Deutschen Werberat landeten im vergangenen Jahr so viele Fälle wie nie. Allerdings: Vor allem Sexismus-Beschwerden wies das Gremium oft als übertrieben zurück.

Im Werben um Aufmerksamkeit zielt so manches Unternehmen über die Grenzen des guten Geschmacks hinaus. Die krassesten Fälle landen beim Deutschen , einer Selbstkontrolleinrichtung der Werbebranche, die nun seine Jahresbilanz vorgelegt hat. Demnach gingen beim Werberat im Jahr 2016 insgesamt 2265 Beschwerden ein, die sich auf 703 verschiedene Werbungen bezogen. Mehr als 700 Fälle in einem Jahr waren beim Werberat noch nie aufgelaufen.

Die mit Abstand meisten Beschwerden richteten sich wie im Vorjahr gegen geschlechterdiskriminierende Werbung: 273 der von Verbrauchern und Organisationen beanstandeten fallen in diese Kategorie. An zweiter Stelle der Beschwerdestatistik stehen Werbemaßnahmen, die gegen allgemeine ethische und moralische Mindestanforderungen verstoßen (44 Fälle). Und auch die Diskriminierung bestimmter Personengruppen wie Übergewichtige, Homosexuelle oder Zuwanderer stieß vielen Beschwerdeführern sauer auf (32 Fälle). 24 Beschwerdefälle betrafen die Gefährdung von Kindern und Jugendlichen. 


"Manche Unternehmen halten Aufmerksamkeit um jeden Preis bereits für gelungene Werbung. Beleidigende oder herabwürdigende Werbemotive bewirken jedoch das Gegenteil: Das Ansehen und die Marke eines Unternehmens leiden", sagt Julia Busse, Geschäftsführerin des Werberats.

Allerdings: Nur in einem Drittel der Fälle schloss sich der Werberat der Beschwerde auch an und beanstandete die Werbung, weil sie gegen den Branchenkodex verstoßen habe. Vor allem bei vermeintlich sexistischer Werbung gehen die Meinungen oft auseinander. "Zunehmend werden dabei auch Extrempositionen vertreten", erklärt der Werberat. "Nicht jedes Motiv mit einer Frau in erotischer Pose oder im Zusammenhang mit Hausarbeit oder bei der Betreuung von Kindern ist sexistisch oder diskriminierend." Im Vorjahr hatte sich der Werberat noch 45 Prozent der Sexismus-Beschwerdefälle angeschlossen, 2016 stimmte das Gremium nur noch mit 35 Prozent überein.


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