10 Jahre Chrome

Wie Google das Internet zum zweiten Mal eroberte

Googles Chrome-Browser hat weltweit mehr als 60 Prozent Marktanteil.
Foto: Andrea Warnecke/picture alliance / dpa Themendienst / Picture Alliance
3. September 2018
Von: Christoph Fröhlich
Mit seinem Suchschlitz veränderte Google das Internet nachhaltig. Zehn Jahre später gelang dem Konzern das noch einmal, diesmal mit dem Chrome-Browser. Er dominiert mittlerweile den Markt. Doch die Konkurrenz rüstet auf.
Seit der Suchschlitz vor 20 Jahren zum ersten Mal im Browser zu sehen war, eroberte Google langsam, aber sicher die digitale Welt. In den darauffolgenden Jahren hat der Konzern viele weitere Produkte veröffentlicht. Nicht alle waren Hits, das Social Network Google+  konnte sich etwa ebenso wenig durchsetzen wie die Datenbrille Glass.
Mit dem Chrome-Browser, der am 2. September 2008 veröffentlicht wurde, traf der Suchmaschinenriese jedoch voll ins Schwarze. Er kam zu einer Zeit, als zwei Firmen - Microsoft und Mozilla - das Internet fest unter sich aufgeteilt hatten.
Heute ist Chrome der unangefochtene König des World Wide Webs, sechs von zehn Nutzern surfen mit dem Google-Browser. Selbst in Deutschland, traditionell Firefox-Land, ist Chrome mittlerweile die Nummer eins.

Chrome war schnell und aufgeräumt

Für den Erfolg gibt es eine Reihe von Gründen. Im Vergleich zum Internet Explorer, der damals auf jedem Windows-Rechner der voreingestellte Browser war, wirkte Chrome viel aufgeräumter. Sundar Pichai, damals der verantwortliche Manager und heute Chef von Google, schrieb in einem Blogeintrag: "Wie die klassische Google-Homepage ist Chrome schnell und aufgeräumt. […] Es bringt einen dahin, wo man hinmöchte."
Dass Chrome Ende der 2000er vor allem dem Internet Explorer zusetzte, wird an einer Zahl deutlich: In einigen Speed-Tests war Chrome sagenhafte 56-mal schneller als der Microsoft-Browser. Auch Apples Safari und Mozillas Firefox zeigte er die Rücklichter. Daran hat sich bis heute nichts geändert: Chrome ist nach wie vor einer der schnellsten Browser, auch wenn die Konkurrenz aufgeholt hat.
Beeindruckend war auch die Schlagzahl an Updates: Veröffentlichte die Konkurrenz alle paar Monate ein größeres Update, aktualisierte Google seinen Browser im Sechs-Wochen-Rhythmus. Und ständig kamen neue Features hinzu: Der Inkognito-Modus zum anonymen Surfen ist heute selbstverständlich, im Dezember 2008 feierte er im Chrome-Browser seine Premiere. 
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Der nächste große Schritt folgt am 4. September: Über alle Betriebssysteme hinweg erhält Chrome eine neue Optik. Mit dem sogenannten Material Design wird alles etwas runder.

Vom Browser zur Plattform

Chrome war angetreten, den Etablierten das Fürchten zu lehren. Nun ist der Browser selbst zum Behemoth geworden. Damit es ihm nicht ergeht wie einst dem Internet Explorer, muss er sich immer wieder neu erfinden. Innerhalb einer Dekade entwickelte sich Chrome vom reinen Browser zu einer mächtigen Plattform. Chrome bildet die Basis von Chrome OS, Googles Cloud-Betriebssystem für Laptops und Tablets, mit denen der Konzern die Schulen erobern will. Mittlerweile können Entwickler komplette Android-Apps auf Chrome OS übertragen.
Die Pläne sind ambitioniert, ein durchschlagender Erfolg ist Chrome OS bislang aber nicht. Der weltweite Marktanteil liegt bei gerade einmal 0,6 Prozent. In Deutschland liegt er gerade einmal bei 0,1 Prozent.

Die Konkurrenz setzt auf Vertrauen

Um Marktanteile zurückzugewinnen konzentriert sich die Konkurrenz derweil auf einen ganz anderen Bereich: die Privatsphäre der Nutzer. Apple bringt mit seinen nächsten Betriebssystem-Updates einen sogenannten "Intelligenten Tracking-Schutz 2.0" für seinen Safari-Browser. Damit soll der datenhungrigen Werbebranche das Leben schwerer gemacht werden. Eine ähnliche Richtung schlägt Mozilla mit kommenden Firefox-Versionen ein.
Die Maßnahmen richten sich vor allem gegen Facebook und Co., attackieren aber auch Googles Geschäftsmodell. Denn den Großteil seines Umsatzes erzielt der Konzern immer noch mit digitalen Werbeanzeigen. Und die sind umso wertvoller, je mehr das Unternehmen über seine Nutzer weiß.