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Interview

Steve Jobs' Tochter Lisa Brennan über ihre Kindheit: "Ich war der Fehler in seinem Leben"

Lisa Brennan spricht im stern darüber, wie ihr berühmter Vater Steve Jobs sie stets verleugnet hat
Foto: Caroline Tompkins
5. September 2018
Von: Nicolas Büchse
Gefühllos, manipulativ, genial: Lisa Brennan-Jobs spricht im stern über ihre schwierige Kindheit mit ihrem Vater, dem Apple-Gründer Steve Jobs. Dieser hat sie zeit seines Lebens verleugnet.
"Für ihn war ich der Fehler in seinem Leben.“ Das sagt Lisa Brennan-Jobs im stern-Gespräch über ihren Vater Steve Jobs. Lange Zeit leugnete der Apple-Gründer, ihr Vater zu sein, obwohl dies ein DNA-Test bewies. Sie wuchs bei ihrer Mutter auf, die Schwierigkeiten hatte die beiden durchzubringen, auch nachdem Steve Jobs dazu verpflichtet wurde, 500 Dollar Unterhalt zu zahlen.
"Ich versuche mir zu erklären, warum es ihm so schwer fiel, kontinuierlich gut zu mir zu sein. Warum er immer wieder sagte, ich sei nicht sein Kind. Und ich dachte, wenn er mich nicht gehabt hätte, würde sein Leben perfekt aussehen. Das habe internalisiert: Ich bin so klein, so hässlich, ich bin nicht blond, nicht klug genug. Das muss der Grund sein, warum er nichts mit mir zu tun haben will", erzählt Lisa Brennan-Jobs dem stern über ihre seelischen Verletzungen. "In gewissen Maß waren wir alle bereit, sein Verhalten, die Art, wie er andere Menschen attackierte, nachzusehen, weil er so brillant war und manchmal zugewandt und einfühlsam sein konnte."

Kinotrailer

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Lisa Brennan: Nie erklärt, warum er mich verleugnet hat

Ihr Vater habe ihr nie erklärt, warum er sie verleugnet hatte. Stattdessen blieb er bis zu ihrem achten Lebensjahr weitgehend abwesend, sagt sie. Später führte seine Biographie auf der Apple-Hompage nur die Kinder aus seiner Ehe mit Laurene Powell Jobs auf. "Ich rief ihn an. Er sagte, ich sei einfach schwierig in den Satz einzufügen gewesen. Darin hieß es 'lebt mit seinen drei Kindern...', erinnert sich Lisa Brennan-Jobs. Ihre Halbgeschwister habe sie immer beneidet: "Er hat viel gearbeitet, ich weiß nicht, ob er wirklich mit ihnen so viel mehr Zeit verbracht hat. Aber sie waren seine legitimen Kinder. Er wollte sie. Ich war der Fehler. So fühlte es sich an. Ich fühlte mich immer so, als müsste ich kämpfen, als würde ich draußen sitzen und von dort zusehen."
In diesen Tagen erscheint ihr Buch "Beifang", es erzählt in literarischer Sprache die aufwühlende Geschichte ihrer Kindheit und ihres selbstzerfressenden Kampfes um die Liebe ihres 2011 verstorbenen Vaters. Sie entwirft von ihm das Porträt eines großen Kommunikators, dem im Umgang mit seiner Tochter allzu oft die richtigen Worte fehlten, eines Charmeurs, der ihr und anderen gegenüber so kalt sein konnte und eines Menschenfängers, von dem sie trotz seiner Verletzungen nicht los kam.

Steve Jobs erst am Sterbebett zur Versöhnung fähig

Versöhnt habe sie sich mit ihrem Vater erst am Sterbebett, erzählt sie dem stern. "Er sagte immer wieder: Du hast etwas gut bei mir. Was für eine seltsame Aussage. Er sagte: Ich habe nicht genug Zeit mit Dir verbracht und es tut mir so leid. Wir haben keine Zeit mehr und es ist zu spät. Und ich dachte es muss schrecklich sein, wenn du das auf deinem Sterbebett realisiert. Ich fragte mich, ob er das auch noch sagen würde, wenn er plötzlich seine Gesundheit wiederbekommen würde. Ich dachte, es ist so spät. Wir hätten Freunde sein können, aber nun ist es so spät."
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Das komplette Gespräch mit Lisa Brennan-Jobs lesen Sie in der neuen Ausgabe des stern.