C. Tauzher: Die Pubertäterin

Warum weiß ich nichts von der Party bei uns? "Ich muss euch nicht immer alles erzählen!"

Ein Klassiker unter den Pubertätsalbträumen der Eltern: die heimliche Party
Foto: Mordolff / Getty Images
12. September 2018
Die Tochter hat eine gute Idee für den Hochzeitstag ihrer Eltern: Sie sollen sich einen romantischen Abend mit Übernachtung im Hotel gönnen. Was Christiane Tauzher nur zufällig erfährt: zu Hause soll währenddessen eine Übernachtungsparty steigen.
Als mich Konstantins Mutter anrief und mir erzählte, dass sie gerade für sich und ihren Mann Last-Minute-Flüge nach Paris gebucht habe, ahnte ich nicht, was das mit mir zu tun haben würde. "Der Konstantin freut sich schon so auf die Party", sagte sie, "soll er seinen Schlafsack mitnehmen? Oder habt ihr genug Bettzeug für so viele Leute." In meinem Gehirn überschlugen sich die Gedanken, und ich starrte auf die nackte Zwiebel, die ich gerade abgeschält hatte, bis mir die Tränen kamen. "Was meinst du mit ,Party' und ,Schlafsack' und ,so viele Leute'?", fragte ich vorsichtig und hatte das ungute Gefühl, irgendetwas nicht verstanden zu haben. Es entstand eine Pause. Ich hörte Konstantins Mutter einatmen und ausatmen. "Wie meinst du das?", fragte sie, und es klang ängstlich. "Was meinst du mit ,wie meinst du das'?", fragte ich, und es klang panisch.
Schließlich klärte sie mich darüber auf, dass die Wombi anlässlich ihres Geburtstages ihre Freunde und deren Freunde zu einer Open-House-Übernachtungsparty eingeladen hatte. Meine Augen schwammen in Tränen, da ich vor lauter Schock vergessen hatte zu blinzeln und die Zwiebel ihre Wirkung tat. "Ja, weißt du denn nichts von der Party?", fragte Konstantins Mutter mitleidig. Ich schniefte und schnäuzte mich ins Geschirrtuch, was sie fälschlicherweise als Totalzusammenbruch interpretierte. "Es tut mir ja so leid", hauchte sie, "kann ich etwas für dich tun?" Sie konnte nicht. "Darf Konstantin trotzdem bei euch schlafen oder soll ich Paris stornieren?" Ich wollte nur raus aus diesem Gespräch und versprach mich "später" bei ihr zu melden. Obwohl ich bereits jetzt wusste, dass der Olaf keine männlichen Übernachtungsgäste dulden würde.
Als die Leitung endlich frei war, wählte ich Wombis Nummer. Eigentlich hätte sie seit dreißig Minuten zuhause sein sollen. "Sorry, Mum", sagte sie lässig, "wir sind gerade beim Mäcki (Mc Donald's). Hat sich so ergeben. Ich komm jetzt dann." Piep-Piep-Piep. Ich war gar nicht zu Wort gekommen. Das Risotto konnte ich mir in die Haare schmieren. Mit der Flasche billigen Weißweins, den ich zum Ablöschen des Reisgerichts verwendet hatte, setzte ich mich auf den Balkon und befahl mir selbst mich zu beruhigen. Der Wein schmeckte erstaunlicherweise besser als gedacht und ich war ziemlich schnell beruhigt.

"Hiergeblieben!"

"Hi", sagte die Mücke wenig später, pfefferte ihre Tasche in eine Ecke und wollte in ihr Zimmer verschwinden. "Hiergeblieben", sagte ich erstaunlich ruhig. Der Risotto-Wein verlieh mir ungeahnte Kräfte. "Du willst eine Party machen?", fragte ich ohne Ausschweife.
"Ja", sagte die Wombi, "was dagegen?"
"Äh, naja, eigentlich schon", sagte ich und fand mich ziemlich komisch. Fast hätte ich gekichert.
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"Da will man einmal alles richtig machen und dann ist es erst recht falsch", stöhnte die Wombi und verdrehte die Augen, "am Freitag ist doch euer Hochzeitstag. Da dachte ich, ihr wollt vielleicht woanders schlafen." Ich sah die Wombi entgeistert an. "Wieso sollten wir woanders schlafen wollen?", fragte ich.
"Wegen der Romantik", erklärte die Wombi. "Ach", sagte ich, "und während wir es romantisch haben, hättest Du bei uns eine Party geschmissen?" Die Wombi nickte, als wäre das das Logischste auf der Welt.
"Wann hättest du uns denn von der Party erzählt?", fragte ich sie. Die Wombi zuckte mit den Schultern. "Ich muss euch nicht immer alles erzählen."
Ich nahm noch einen Schluck vom Risotto-Wein. "Und was hättest du Deinen Gästen zum Essen aufgewartet?", fragte ich. "Tiefkühlpizza", sagte die Wombi. Wie man für dreißig bis fünfzig Leute in einem einzigen Rohr gleichzeitig Pizza warm macht, hatte sie sich nicht so genau überlegt.
"Es tut mir leid", begann ich, "aber, ich glaube nicht, dass ..." "Immer machst du alles kaputt", schrie die Wombi und war völlig außer sich. Ich konnte es nicht glauben, dass sie tatsächlich gedacht hatte, wir würden ihrer spontanen Übernachtungsparty zustimmen. Leider war die Risotto-Weinflasche leer.
Der Olaf, der mit mir ins selbe Horn blies, bekam später noch zu hören, dass er total uncool sei und dass sie jetzt vor ihren Freunde dastehe wie eine Idiotin. Das bedauerte der Olaf und versprach, in Zukunft cooler zu sein.
An unserem Hochzeitstag ging die Wombi dann mit einer Handvoll Freunde in die Pizzeria. Wir luden ein. Zumindest bekamen alle gleichzeitig warme Pizzen. Konstantin war nicht mit von der Partie. "Der musste wegen euch mit seinen Eltern nach Paris fliegen", sagte die Wombi. Armer, armer Konsti. 
Als Ausrede für die geplatzte Party schob die Wombi ihren angeblich plötzlich erkrankten Bruder vor. Das war anscheinend cooler als die Wahrheit.
Wir, der Olaf und ich, tranken währenddessen zuhause wildromantisch Prosecco. Der Mini übernachtete bei meiner Mutter.
Die einzige, die ich vergesse habe zurückzurufen, war Konstantins Mutter - total uncool, ich weiß.

Video-Reportage

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