Berühmte Kleinstadt

"Come From Away": Das Broadway-Musical über die Anschläge des 11. September

Hier läuft es - an der altehrwürdigen Theatermeile am Broadway - das 9/11-Stück "Come From Away". Dabei geht es mehr um Gastfreundschaft als um Tod, Feuer und Rauch. 
Foto: Christina Horsten / DPA
11. September 2018
Am Broadway gibt es seit einem Jahr ein erfolgreiches Musical über die Anschläge des 11. Septembers. Speziell werden die Auswirkungen der Tragödie auf eine verschlafene kanadische Kleinstadt beleuchtet, die eine besondere Rolle spielt. Noch heute.
Die Anschläge vom 11. September und ihre Bilder haben sich in unser kollektives Bewusstsein gebrannt. Seitdem hat man versucht, das Ereignis zu verarbeiten. Immer wieder entsteht bei solchen Tragödien auch ein künstlerischer Zugang zum Thema, der eine Gesellschaft therapieren kann. In Kabul beispielsweise gab es ein sehr erfolgreiches Theaterstück über ein Bombenattentat. Auf seine Art therapiert sich der Mensch also selber, indem er solche Stücke schafft und sich solche Stücke ansieht. 
Nun gibt es seit einem Jahr ein neues Musical am Broadway, es heißt "Come From Away" und handelt von den Anschlägen des 11. Septembers 2001. Die Aufführungen finden an der langen Theaterstraße große Nachfrage, es wird ein Erfolg. Vielleicht, weil es gerade nicht direkt um die Flugzeuge, Explosionen und einstürzenden Gebäude geht, sondern um ein kleines, verschlafenes kanadisches Städtchen, dass von den Umständen der Katastrophe überrollt wird - 1800 Kilometer entfernt von New York.

Nach dem 11. September wird Amerikas Luftraum gesperrt - zum Glück einer kanadischen Kleinstadt

Denn die USA ließ nach den Anschlägen den kompletten Luftraum über den Staaten zum ersten Mal seit dem zweiten Weltkrieg sperren. Fast 7000 Menschen wurden mit 38 Transatlantikfliegern in das kleine Städtchen Gander umgeleitet, dass komplett irrelevant war, aber seit den 1930er Jahren einen großzügigen Flughafen besaß. Da die Translatlantikflüge bis in die 1950er nicht genug Treibstoff mit sich führen konnten, landeten tausende Flieger in Gander zwischen. So verschlug es allerlei Stars dorthin: Fidel Castro soll mit den Einwohner der Kleinstadt eine Schneeballschlacht ausgetragen haben, die Beatles, Frank Sinatra, Marilyn Monroe - alle waren sie da. Nachdem man aber die Langstreckenflüge mit genug Treibstoff ausstatten konnte, wurde Gander bedeutungslos. Bis zum 11. September.
Dann wurde wieder alles dorthin geleitet. Die ängstlichen Menschen, die mit den Flügen ankamen, die "plane people" wurden von den "Ganderites", den Einwohnern von Gander, mit allem wichtigen versorgt. Immerhin verdoppelte sich die Einwohnerzahl für kurze Zeit damit fast. Essen, Trinken, Schlafplätze, Kleidung, Telefone - all das organisierten sie. Eine Woche lang.

Darum geht es in dem Musical

"Die Anstrengungen, die die vielen Helfer unternommen haben, waren herzerwärmend und haben uns dabei geholfen, mit der schwierigen Situation umzugehen.", schrieb die damalige Frankfurter Bürgermeisterin Petra Roth, eine der "plane people". "In wenigen Tagen haben wir neue Freunde gewonnen". Es ist also vor allem eine Geschichte über (Gast-)Freundschaft. Bis heute sind die "plane people" mit den Ganderites befreundet. 
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Und das verschlafene, aber hilfsbereite Städtchen hat noch immer etwas von den damaligen Ereignissen. Das Musical lockt dutzende Touristen nach Ganders. Denn eine beträchtliche Zahl derer, die das Musical am Broadyway in New York gesehen haben, wollen die "Ganderites" auch einmal selbst erleben und kennenlernen.
Auch kann das Musical die Wogen zwischen den USA und Kanada wieder ein wenig glätten. Der kanadische Premier Justin Trudeau nutze die Aufführung für eine Zusammenkunft mit der UN-Botschafterin der USA und Ivanka Trump. Na dann, USA und Kanada, ab auf die Couch. Selbsttherapie.

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