Filmfest Venedig

Triumph für Netflix, Enttäuschung bei Florian Henckel von Donnersmarck

Regisseur Alfonso Cuarón (l.) freut sich über seinen Goldenen Löwen, sein Kollege Florian Henckel von Donnersmarck ging leer aus
Foto: Andreas Rentz/Getty Images; Filippo Monteforte/AFP
9. September 2018
Es ist der erste Goldene Löwe für eine Netflix-Produktion: Das Drama "Roma" des Oscar-Preisträgers Alfonso Cuarón gewinnt die höchste Auszeichnung beim Festival in Venedig. Florian Henckel von Donnersmarck geht dagegen leer aus.
Zum ersten Mal in der Geschichte des Filmfestival von Venedig hat ein Film des Streaming-Anbieters Netflix den Goldenen Löwen gewonnen. Mit der Auszeichnung für den besten Film wurde "Roma" des Mexikaners Alfonso Cuarón geehrt. Es ist zugleich der erste Hauptpreis für einen mexikanischen Beitrag. Cuarón, der 2014 zwei Oscars für das Weltraumdrama "Gravity" mit George Clooney erhielt, drehte "Roma" auf Spanisch und mit schwarz-weißen Bildern. Er erzählt darin die Geschichte einer Familie im Mexiko der 70er-Jahre. Der Regisseur erklärte, das Werk sei eine Hommage an sein Kindermädchen. Der Titel "Roma" beschreibt ein Viertel von Mexiko-Stadt.
Die US-Brüder Ethan und Joel Coen gewannen die Trophäe für das beste Drehbuch für "The Ballad of Buster Scruggs", ebenfalls eine Netflix-Produktion.

Kein Preis für Florian Henckel von Donnersmarck

Der deutsche Beitrag "Werk ohne Autor" von Florian Henckel von Donnersmarck ging dagegen leer aus. Der Film feierte in Venedig Premiere, die ersten Reaktionen fielen eher verhalten aus. Das Drama wurde als deutscher Oscar-Kandidaten für den besten nicht-englischsprachigen Film ausgewählt. Henckel von Donnersmarck gewann bereits 2007 mit dem Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" den sogenannten Auslands-Oscar.
Eine Szene aus dem Film "Werk ohne Autor"
© Buena Vista International/Pergamon Film / Wiedemann & Berg Film/Disney
Gleich zwei Auszeichnungen vergab die Jury an "The Favourite" des Griechen Yorgos Lanthimos: Das Drama über die Intrigen am Hof der britischen Queen Anne gewann den Großen Preis der Jury, den zweitwichtigsten Preis des Festivals. Außerdem wurde Hauptdarstellerin Olivia Colman für die Rolle der Königin geehrt. Sie spielt an der Seite der beiden Oscar-Preisträgerinnen Emma Stone und Rachel Weisz.
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Für die beste Regie wurde der Franzose Jacques Audiard für seinen Western "The Sisters Brothers" mit Joaquin Phoenix, John C. Reilly und Jake Gyllenhaal ausgezeichnet. Als besten Schauspieler ehrte die Jury den US-Amerikaner Willem Dafoe. Der 63-Jährige verkörpert in Julian Schnabels "At Eternity's Gate" den berühmten Maler Vincent van Gogh.

Jennifer Kent als einzige Regisseurin im Wettbewerb

Die Australierin Jennifer Kent war die einzige weibliche Filmemacherin im diesjährigen Wettbewerb. Sie stellte das Drama "The Nightingale" über die brutale Kolonialzeit ihres Landes vor - auch dafür gab es zwei Auszeichnungen: den Spezialpreis der Jury sowie für Schauspieler Baykali Ganambarr den Marcello-Mastroianni-Preis für den besten Jungdarsteller. 
In diesem Jahr konkurrierten im Wettbewerb 21 Beiträge um die Hauptpreise. Präsident der Jury war der Mexikaner Guillermo del Toro, der im vergangenen Jahr mit seinem Fantasy-Märchen "Shape of Water" selbst den Goldenen Löwen gewann. Weitere Jurymitglieder waren die Schauspieler Christoph Waltz und Naomi Watts. Das Filmfest in Venedig ist das älteste der Welt.
jum/DPA