M. Beisenherz: Sorry, ich bin privat hier

Du Uhrensohn! Juncker und der Uhrknall

Juncker und die Umfrage zur Zeitumstellung? Klar, beim Beschweren ist der Deutsche ganz vorne dabei
Foto: Sven Hoppe / DPA
2. September 2018
Zeitumstellung? Umfrage der EU? Auf sowas stürzt sich der Teutone. Wenn er meckern darf, ist er ganz vorne dabei. Von Tinder bis zu "Huren umstellen"-Witzen: Micky Beisenherz erklärt, was die Abschaffung der Zeitumstellung so für Konsequenzen hätte.
"Die Menschen wollen das, wir machen das" verkündete Jean-Claude Juncker trocken und somit ist klar: Die Zeitumstellung teilt bald das Schicksal der Glühbirne und der ungenormten Gurke. Sie ist (so gut wie) weg.
Bei einer EU-weiten Online-Umfrage sprach sich die Mehrheit der 4,6 Millionen Teilnehmer dafür aus, den "Jet Lag des Proletariats" abzuschaffen. Übrigens kamen 3 Millionen Teilnehmer der Umfrage aus- na?- Deutschland.
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Wenn es darum geht, online eine Abschaffung durchzudrücken oder sich sonst wie zu beschweren, ist der Teutone natürlich dabei. Unbestätigten Gerüchten zufolge entfielen bei der Abstimmung noch 23.000 Stimmen darauf, Markus Lanz bei Wetten, dass..? abzusetzen.
Die Abschaffung der Zeitumstellung.
Sogar Angela Merkel ist dafür: "Ich hätte dafür eine sehr hohe Priorität". Wer die Kanzlerin kennt, der weiß, dass dies auf ihrer Gefühlsklaviatur einem Exzess gleichkommt, als hätte sie gesagt: "Fick die Henne, die Scheiße gefällt mir!"
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Eingeführt wurde die Sommerzeit in Deutschland 1980. Im selben Jahr erfand ein gewisser Ernö Rubik einen bunten Würfel. Man kann also behaupten, zu dieser Zeit hatte niemand den Hang, es sich leicht zu machen.
Ursprünglich war der Plan, Energie zu sparen. In der Praxis allerdings fehlte einem ganzen Volk genau diese, um aufzustehen. Schlimmer noch: Feinfühlige klagten über seelischen oder körperlichen Schmerz.
Forscher der Universität Erlangen-Nürnberg fanden gar heraus: "Vor allem in der Woche nach der Zeitumstellung sind die Menschen insgesamt erst einmal deutlich unzufriedener." In Deutschland kann dieser Zustand auch gut weitere 51 Wochen anhalten.
Zu bedenken ist, dass das Handling der Zeit europaweit Ländersache ist: Es kann also durchaus sein, dass man eben zum Tanken nach Holland fährt, vollbeladen vom Polenböllermarkt wieder die deutsche Grenze passiert und vom Zeitunterscheid hochgradig ermattet wieder am heimischen Fliesentisch sitzt.

Wie wird denn nun umgestellt?

Die Frage, die alle Deutschen nun umtreibt: Auf welche Zeit wird denn umgestellt?
In Sachsen hat man die Antwort bereits gefunden und sich auf 1933 geeinigt. (Verzeihen Sie mir den platten Witz).
Wird es die Winterzeit? Die hatte stets den Vorteil, dass man eine Stunde geschenkt bekommt. Aber eine Stunde mehr von dieser nassen, kalten und schmuddeligen Zeit ist wie ein Gratisticket für den Regionalexpress. Oder eine Essenseinladung von Markus Söder.
Wer Kinder hat, weiß überdies: Es ist schön, wenn man Sonntagmorgens erkennt, dass es eben noch nicht sieben, sondern erst sechs Uhr ist -  das ist einem Zweijährigen aber herzlich egal. Der Gremlin steht dann eben ne Stunde früher auf der Matte. Ab 5 Uhr 45 Uhr wird zurück geLEGOt.

Schade um die vielen "Huren umstellen"-Gags

Gut, sicher. Wäre es im Sommer zu Spitzenzeiten bereits um 21:30 Uhr dunkel, wäre das für den ein oder anderen ein (Sun)Downer. Wir müssen aber auch an diejenigen denken, die von gnädiger Dunkelheit profitieren. Sie könnten ihre Tinder-Dates schon eine Stunde früher angehen. Städte wie Köln oder Braunschweig könnten bereits vor 22 Uhr, von Schummerlicht und geschickter Beleuchtung gedeckt, Großstadt spielen.
Es wird wohl aber die Sommerzeit. Fix. Ohne spätere Umstellung.
Das ist einerseits ein bisschen schade um die vielen kostbaren "Huren umstellen"-Gags, die den sozialen Netzwerken verloren gingen.
Dafür würden bei mir auf Schlag die Uhren in Küche und Auto wieder richtig gehen.
Danke, Juncker.
Du Uhrensohn.