In The Blue Light

Paul Simon: Gute alte Songs - noch besser

Paul Simon hat sein Werk durchforstet. Foto: Jimmy Jeong/The Canadian Press/AP
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11. September 2018
Auch Paul Simon hat das Modethema Selbstoptimierung entdeckt: Auf seinem aktuellen Album unterzieht er die eigene Musik einer Verbesserung. Keine neuen Simon-Songs also - «nur» teils sehr alte Lieder in teils radikal anderen Arrangements. Trotzdem toll.
Die Veröffentlichung einer neuen Studioplatte des schon zu Lebzeiten legendären Singer-Songwriters Paul Simon wäre normalerweise ein Riesending. Bei «In The Blue Light» ist das nun - zumindest vordergründig - etwas anders.
Denn diese 14. Soloplatte des enorm einflussreichen Pop- und Folkmusikers (sowohl mit Simon & Garfunkel in den «Golden Sixties» als auch solo seit den 70er Jahren) fällt aus dem Gesamtkatalog heraus. Weil sie eigentlich nichts ganz Neues bietet: Zehn Lieder des heute 76-jährigen New Yorkers, die er erstmals zwischen 1973 und 2011 herausbrachte - und jetzt einer Neuinterpretation unterzog.
Simon hat diese in seinem Werk eher unterbewerteten Song-Preziosen mit Hilfe fabelhafter Jazz-Musiker (Bill Frisell, Wynton Marsalis, Joe Lovano, Jack DeJohnette) und einem kleinen Orchester so eingespielt, wie sie seinen heutigen Vorstellungen entsprechen. Es ging ihm um «Lieder, die ich für fast gut genug hielt oder die so seltsam waren, dass sie beim ersten Mal überhört werden konnten».
Es gibt hier also nichts von Simon & Garfunkel, vom erfolgreichen selbstbetitelten Solodebüt oder vom Afropop-Welthit «Graceland» (1986) zu hören. Dafür das 45 Jahre alte «One Man's Ceiling Is Another Man's Floor» im New-Orleans-Stil, mehrere Lieder vom seinerzeit untergegangenen Album «You're The One» (2000) oder das relativ aktuelle «Questions For The Angels».
Und Simon singt diese Stücke zu jazzigen, bluesigen, auch mal dezent orchestralen Arrangements mit seiner immer noch festen, sanften Stimme zum Niederknien schön. «In The Blue Light» ist daher kein wirklich neues Album des großen US-Songwriters und doch ein später Höhepunkt seines Schaffens - ein überraschend logisches Meisterwerk der Selbstoptimierung.
dpa
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