Der englische Patient

Promi-Geburtstag vom 12. September 2018: Michael Ondaatje

«Der englische Patient» und «Kriegslicht»: Michael Ondaatje wird 75. Foto: Claudia Esch-Kenkel
Foto: dpa-infocom GmbH
11. September 2018
Die Literaturszene liebte ihn schon immer, aber zum Weltstar wurde Michael Ondaatje durch Hollywood: Sein Roman «Der englische Patient» bewegte Millionen, der Film gewann neun Oscars. Jetzt wird der kanadische Autor 75 - und hat längst neue Projekte.
Zum 75. Geburtstag hat sich Michal Ondaatje selbst ein neues Buch geschenkt - und «Kriegslicht» schaffte es sogar in die Sommer-Leseliste von Barack Obama.
Als «eine Meditation über die anhaltenden Auswirkungen des Krieges auf eine Familie» würdigte der frühere US-Präsident den Roman, der von zwei verlassenen Kindern im England der Nachkriegszeit handelt. «Als dieses Buch herauskam, war ich mir immer noch unsicher», sagte Ondaatje der Deutschen Presse-Agentur. «Aber inzwischen bin ich ziemlich überzeugt.»
Das Buch ist für den kanadischen Schriftsteller eigentlich schon Geschenk genug. Den Tag seines 75. Geburtstags verbringt Ondaatje am Mittwoch (12. September) bei einer Lesung im Münchner Literaturhaus. «So etwas beeinflusst mich nicht», sagt der Autor. «Ich glaube, ich war schon einmal in Deutschland an einem Geburtstag.»
Die Literaturwelt aber hat Ondaatje in seinem Jubiläumsjahr noch ein Geschenk gemacht: Den goldenen Man Booker-Preis für seinen bislang erfolgreichsten Roman, «Der englische Patient» - als bestes Buch der vergangenen 50 Jahre. 1992 erschienen, katapultierte der Roman über eine kanadische Krankenschwester, einen Dieb, einen Minenräumer und einen nach einem Abschuss schwer verbrannten Piloten in einer zerstörten Villa in Florenz zum Ende des Zweiten Weltkrieges Ondaatje zum Weltruhm. Das Buch bewegte Millionen Menschen, die Hollywood-Verfilmung mit Ralph Fiennes, Juliette Binoche, Kristin Scott Thomas und Willem Dafoe gewann einige Jahre später neun Oscars.
Schon Ondaatjes frühe Werke hatten Beachtung gefunden, aber erst «Der englische Patient» brachte ihm auch finanzielle Unabhängigkeit. «Der Erfolg hat mich in die Lage versetzt, das zu tun, was ich will», sagte der Autor einmal. Trotzdem blickt er nicht nostalgisch zurück. «Ich habe über das Buch seit seinem Erscheinen nicht mehr wirklich nachgedacht und ich habe es auch nie wieder gelesen», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
Geboren wurde Ondaatje 1943 in Sri Lanka, der Vater war Holländer. Nach der Trennung der Eltern ging er nach England, und schließlich folgte er seinem Bruder nach Kanada. In sein Geburtsland kehrte er 1978 nach fast 25 Jahren zurück, 1980 noch einmal. Aus der Suche nach der eigenen Vergangenheit entstanden der Erinnerungsband «Es liegt in der Familie» und der Roman «Anils Geist».
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Ondaatjes Stil bleibt sich stets treu, fragmentarisch-lyrisch, nicht linear, eher wie Collagen, die Kunstwerke ergeben. «Ich schreibe lieber auf diese explorative Art und Weise, als einfach nur eine vorgegebene Form auszufüllen», sagt der Autor. «Das Geschenk des Überarbeitens - ich mag Fehler machen, aber dann überarbeite ich wie verrückt.»
So dauern seine Werke natürlich auch ihre Zeit, und nach den rund fünf Jahren Arbeit an «Kriegslicht» gönnt sich Ondaatje jetzt erst einmal eine Pause. «Ich lese viel, was wunderbar ist. Und das allerletzte, was ich momentan machen will, ist darüber nachzudenken, was ich als nächstes schreibe.»
dpa