Sexismus-Debatte

Studentin und Professor treffen sich auf Tinder – dann entbrennt eine hitzige Diskussion

Eine Studentin findet auf Tinder ihren Professor. Der Lehrbeauftragte reagiert – darf er das? (Symbolbild)
Foto: tommaso79 / Getty Images
11. September 2018
Ein Schweizer Professor nimmt über Tinder Kontakt zu einer seiner Studentinnen auf – und löst damit einen Sexismus-Streit aus. Doch nicht nur der Mann wird kritisiert, sondern auch die junge Frau.
Ein Tinder-Match zwischen einem Dozenten und seiner Studentin entfacht in der Schweiz eine Sexismusdebatte. Eine Studentin entdeckt bei der Online-Dating-Plattform das Profilbild einer ihrer Lehrbeauftragten. Sie selbst saß schon bei ihm im Hörsaal und stimmt "aus Neugier" einer Kontaktaufnahme zu, berichtet die Aargauer Zeitung. Als daraufhin ein Match entsteht, gibt sie sich als seine Studentin zu erkennen und geht davon aus, die Sache sei beendet. Doch er schlägt vor, sich via Facebook weiter zu unterhalten. Erst danach bricht die Studentin den Kontakt ab.

Dürfen Dozenten Liebesbeziehungen mit Studenten eingehen?

Doch die flüchtige Bekanntschaft führt zu der grundsätzlichen Frage, ob Lehrbeauftragte Liebesbeziehungen mit Studenten eingehen sollten. Aus Sicht der Studentin hat der Dozent bereits eine Grenze überschritten, indem er nicht locker ließ.
Daraufhin erzählt die Studentin das Geschehen einer Bekannten. Für das Studentenmagazin "Spectrum" verfasst diese einen Kommentar mit dem Titel "Sex gegen Sechs", worin sie dem Dozenten vorwirft seine Machtposition gegenüber der Studentin auszunutzen. (In der Schweiz gilt die Sechs als beste Note; Anm.d.Red.) Die Tinder-Aktivität des Dozenten lasse sie daran zweifeln, dass alle Noten für akademische Leistungen vergeben würden.

Auch die Rolle der Studentin ist zu hinterfragen

Mit diesem Kommentar provoziert die Autorin scharfe Kritik. So äußert sich zu Gunsten des Dozenten der Strafrechts- und Rechtsphilosophieprofessor Alexander Marcel Niggli mit einem Essay zum "Moralischen Sexismus". Die Studentin sei es, die ihre Gleichberechtigung in Frage stelle, in dem sie sich als Opfer inszeniere. Sie sei es auch, die den Kontakt früher hätte unterbinden müssen, wenn sie kein Interesse gehabt hätte. Sein Argument: Wer Avancen selbst dort fürchte, wo er explizit dazu einlade, der lehne die Verantwortung für das eigene Verhalten ab. Mit Ironie schlussfolgert er: "Die moderne Frau darf heute auf die Suche nach Sex gehen, aber wenn sie ihn erhält, kann sie sich immer noch beklagen." 
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Der grundlegende Unterscheid der Argumentationen liegt in der Machtfrage. Für sie bleibt das Machtverhältnis auf Tinder bestehen. Für ihn wird es aufgehoben, denn beide müssen erst einem Kontakt zustimmen. Der Integritätsbeauftragten der Universität Basel, Jeremy Sephenson, hat eine eindeutige Meinung: ""Wenn ein Lehrbeauftragter auf Tinder geht, begibt er sich auf Glatteis", sagt er. Und rät Lehrbeauftragte, solchen Annäherungen aus dem Weg zu gehen – auch wenn sie eine solche nicht als Problem einschätzen.

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