Neue Spur in Hamburg

Hilal verschwand vor 19 Jahren – jetzt gräbt die Polizei einen Park um

Rund 50 Polizeibeamte suchten im Hamburger Volkspark nach dem Leichnam von Hilal Ercan
Foto: Polizei Hamburg, Bodo Marks / DPA
10. September 2018
Von: Daniel Wüstenberg
Mit schwerem Gerät ist die Hamburger Polizei in einem Park im Einsatz. Im Fall der seit 19 Jahren vermissten Hilal Ercan hat sich jetzt ein Zeuge bei den Ermittlern gemeldet.
Es ist der vielleicht rätselhafteste Fall, den die Hamburger Mordermittler um den Leiter der "Cold-Case"-Einheit, Steven Baack, bearbeiten: Das spurlose Verschwinden der damals zehnjährigen Hilal Ercan im Januar 1999.
Jetzt, über 19 Jahre danach, kommt wieder Bewegung in den Fall. Am Morgen sind dutzende Beamte unter anderem mit Baggern und einem Leichenspürhund in den Hamburger Volkspark im Nordwesten der Stadt ausgerückt. Im Fokus: Ein Waldstück an der Nansenstraße, die durch den über 200 Hektar großen Park führt.

Suche nach Hilal Ercan in Hamburg

"Konkret suchen wir nach einem Kinderleichnam, es geht um die verschwundene Hilal Ercan", sagte Polizeisprecher Ulf Wundrack einem Reporter der "Bild"-Zeitung. "Es gab einen aktuellen Hinweis eines Zeugen, der uns letztendlich an dieses Areal geführt hat."
Unter den Augen des "Cold-Case"-Ermittlers Baack und zahlreicher Journalisten haben Polizisten das Gelände von Geäst befreit und den Boden mit langen Stäben untersucht. Auch der Leichenspürhund wurde über das Gebiet geführt.
Es ist nicht das erste Mal, dass die Polizei im Volkspark nach dem verschwundenen Mädchen sucht. 2005 gestand Dirk A., ein wegen Kindesmissbrauchs vorbestrafter Verdächtiger, Hilal getötet zu haben. Er führte die Ermittler in den Volkspark – sie fanden nichts. Dirk A. widerrief sein Geständnis. "Ob der verurteilte Sexualstraftäter die Ermittler damals täuschte, um sich in kruder Selbstwahrnehmung als wichtig erscheinen zu lassen, oder ob er sich aus Feigheit über eventuelle strafrechtliche Konsequenzen zum Zurückziehen des Geständnisses entschloss, ist bis heute fraglich", sagte Mordermittler Baack Anfang 2018, zum Jahrestag von Hilals Verschwinden.
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Polizei nahm Anfang des Jahres neuen Anlauf

Im Januar 2018 nahm die Polizei einen neuen Anlauf, den Fall zu lösen. Öffentlichkeitswirksam hängten sie an der Einkaufspassage im Hamburger Stadtteil Lurup ein Bild des vermissten Mädchens auf, zusammen mit einem neuen Aufruf, bei der Suche zu helfen. Die "dauerhafte Fahndungserinnerung" – wie das Bild im Amtsdeutsch heißt – sollte das Schicksal Hilals wieder in Erinnerung rufen und der "Cold-Case"-Einheit neue Hinweise bringen. Einer führte die Beamten nun wieder in den Volkspark. Bis zum Mittag haben sie dort jedoch noch nichts gefunden, die Suche dauert an.
Der Zeugenaufruf der Hamburger Polizei zum Verschwinden von Hilal Ercan
© Polizei Hamburg
Für Hinweise, die zur Aufklärung des Verschwindens von Hilal Ercan führen, ist eine Belohnung von 5000 Euro ausgelobt. Meldungen nimmt die Hamburger Polizei unter (040) 428656789 oder jede andere Polizeidienstsstelle entgegen.

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