Prozess in Dallas

Seltener Schuldspruch: US-Polizist für Mord an schwarzem Jugendlichen verurteilt

Ein bisschen Zuneigung in einem schweren Moment: Anwältin Faith Johnson tröstet den großen Bruder des Toten, Kevon Edwards, während des Prozesses in Dallas, USA.
Foto: Rose Baca/DPA / Picture Alliance
30. August 2018
Bei der Entscheidung der Geschworenen in den USA handelt es sich um einen seltenen Schuldspruch gegen einen amerikanischen Polizisten. Es ist der erste Beamte seit 40 Jahren, der wegen der Abgabe tödlicher Schüsse im Dienst verurteilt wurde.
Eine Geschworenenjury im US-Bundesstaat Texas hat am Dienstag einen weißen Polizisten des Mordes an einem 15-jährigen Afroamerikaner für schuldig befunden. Der Polizist Roy Oliver hatte im vergangenen Jahr fünf Kugeln in ein Auto voller Jugendlicher geschossen, nachdem er und seine Kollegen wegen Beschwerden über Alkohol trinkende Minderjährige in einen Vorort von Dallas gefahren waren. Das unbewaffnete Opfer wurde in den Kopf getroffen. 
Die Geschworenen hatten sich nur zwei Tage zu Beratungen zurückgezogen, bevor sie dem Gericht ihre Entscheidung mitteilten. Der 38-Jährige Ex-Polizist muss nun 15 Jahre ins Gefängnis. Auf Seiten der Familie des Toten löste das große Erleichterung aus, obwohl sie sich eine höhere Strafe wünschten. 

Seltener Schuldspruch - Gerichte in den USA in der Regel auf Seite der Polizisten

Bei der Entscheidung der Geschworenen handelt es sich um einen seltenen Schuldspruch gegen einen US-Polizisten. Der Fall ist einer von zahlreichen tödlichen Polizeieinsätzen gegen Afroamerikaner in den USA, die immer wieder für Empörung und Proteste sorgten. Oliver ist nach Angaben der Zeitung "Fort Worth Star-Telegram" der erste Polizist seit mehr als 40 Jahren, der wegen der Abgabe tödlicher Schüsse im Dienst verurteilt wurde. Der führende Staatsanwalt in dem Fall sagte jedoch: "Dieser Fall ging für uns, den Staat Texas, immer um Jordan Edwards. Es ging nicht um ein politisches Statement".
Die Polizei hatte ursprünglich erklärt, Oliver habe das Feuer eröffnet, weil das Auto mit den fünf Jugendlichen in aggressiver Weise rückwärts in seine Richtung gefahren sei. Nach Auswertung von Bodycam-Videos änderten die Behörden allerdings ihre Aussage: Das Auto habe sich entfernt, als der Jugendliche erschossen wurde. Auch ließ der Verurteilte zwischenzeitlich verlauten, er hätte um das Leben seines Kollegen gefürchtet, der in der Nähe des plötzlich zurücksetzenden Fahrzeuges stand. Der aber sagte vor Gericht, er selbst habe nie um sein Leben gefürchtet oder einen Grund gesehen, die Waffe abzufeuern. 

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wlk/DPA