Ermittler nennen weitere Details

In Köthen zu Tode gekommener Deutscher hätte "jederzeit" sterben können

Der Leitende Staatsanwalt Horst Nopens sieht keine Anhaltspunkte dafür, dass der 22-Jährige durch Tritte starb
Foto: Peter Gercke / DPA
12. September 2018
Der Fall Köthen macht seit Tagen Schlagzeilen. Ein junger Deutscher starb nach einer Auseinandersetzung mit zwei Afghanen. Allerdings war er nach Angaben der Ermittler schwer krank.
Die Ermittler in Sachsen-Anhalt sind Spekulationen entgegengetreten, der in Köthen nach einer Auseinandersetzung mit zwei Afghanen gestorbene 22-Jährige könnte doch durch Schläge und Tritte der Asylbewerber gestorben sein. "Die Todesursache ist auch entgegen mancher Behauptungen ein Herzinfarkt", sagte der leitende Oberstaatsanwalt Horst Nopens am Mittwoch in Halle vor Journalisten.
Den Ermittlern zufolge ist das inzwischen auch mit feingeweblichen Untersuchungen belegt. Der Herzinfarkt basierte auf einer angeborenen Fehlbildung des Herzens des 22-Jährigen.
Der Direktor des bei der Obduktion des Leichnams federführenden Instituts für Rechtsmedizin der Universitätsklinik Halle, Rüdiger Lessig, sagte, der Tote sei "schwer krank" gewesen. Bei dem Mann hätte es wegen seiner Vorerkrankung des Herzens "jederzeit" zu einem tödlichen Herzinfarkt kommen können.
Oberstaatsanwalt Nopens ging auch auf eine Audiodatei ein, in der eine Zeugin die Todesumstände so schildert, dass der Getötete bei der Auseinandersetzung massive Tritte gegen Kopf und Bauch erlitten habe. Nopens sagte, die Frau sei ermittelt und mittlerweile auch vernommen worden. Dadurch habe sich ihre Schilderung "massiv relativiert". Aus ermittlungstaktischen Gründen wollte Nopens nicht näher auf die Aussage eingehen. Es hätten sich aber keine Anhaltspunkte ergeben, dass der Mann durch Tritte zu Tode gekommen sei.

Junger Mann in Köthen ging nach einem Schlag ins Gesicht zu Boden

Nach dem unveränderten Stand der Ermittler gab es in Köthen eine Auseinandersetzung zwischen mindestens zwei Afghanen und mindestens zwei Deutschen. Der später gestorbene Mann soll schlichtend in den Streit eingegriffen haben, dann aber durch einen Schlag ins Gesicht zu Boden gegangen sein und an dem Herzinfarkt gestorben sein. Zwei Afghanen befinden sich seither wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge in Untersuchungshaft.
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Sachsen-Anhalts Generalstaatsanwalt Jürgen Konrad warb um Verständnis für die Ermittlungsarbeit der Behörden. Es sei nicht Aufgabe der Staatsanwaltschaft, einzelne Beweismittel isoliert gegenüber den Medien zu bewerten. Erst zum Abschluss der Ermittlungen könne es eine Gesamtschau der Beweismittel geben. In Medien geäußerte Vorwürfe zu einer nachlässigen Ermittlungsarbeit der Staatsanwaltschaft weise er "auf das schärfste zurück", sagte Konrad.
Die Ermittler warben mehrfach eindringlich um Verständnis, dass nicht alle Ergebnisse zum derzeitigen Zeitpunkt öffentlich gemacht werden könnten, da dieses die Ermittlungen gefährden könne.

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anb/AFP/DPA