Archäologie

300 Goldmünzen in einer Amphore. Wurden sie vor plündernden Germanen versteckt?

Die Münzen sind einem perfekten Zustand.
Foto: Ministero per i Beni e le Attività Culturali # MiBAC / Hersteller
13. September 2018
Von: Gernot Kramper
In Como, Italien, fanden Bauarbeiter eine Amphore mitten im Matsch unter einem Gebäude. Darin befanden sich 300 Goldmünzen – fein säuberlich gestapelt. Vermutlich sollten sie vor plündernden Barbaren geschützt werden.
300 glänzende Gold-Münzen wurden in einer Amphore im Keller des Cressoni-Theaters in Como nördlich von Mailand gefunden. Der Goldschatz wurde dort im fünften Jahrhundert vergraben und überdauerte die Zeit seitdem ohne jede Beschädigung. Das fünfte Jahrhundert war eine Zeit der Unruhen und der Kriege in Italien, ein Gebiet, das lange das Zentrum der Römischen Reiches war.
Doch in dieser Zeit brach das Römische Reich im Westen endgültig zusammen. Der letzte Kaiser Romulus Augustus war ein machtloses Kind – sein Spitzname lautete "Momyllus", der kleine Schandfleck. Nach dem Tod seines Vaters – des Heermeisters Orestes – herrschten die Barbaren über Italien, den Knaben schoben sie beiseite. Eine wilde Zeit der Plünderungen und des Niederganges begann.
In dieser unsicheren Zeit wurde das mit Gold gefüllte Behältnis vergraben. Die Stadt am Comer-See wurde 196 vor unserer Zeitrechnung von den Römern erobert. In der Kaiserzeit erlebte die Stadt eine Blütezeit, bis zum Ende des Imperiums wurde Como von einem Präfekten regiert.
Das Cressoni-Theater wurde 1807 eröffnet, bevor es in ein Kino verwandelt wurde, das 1997 geschlossen wurde. Der Ort liegt unweit des Novum Comum-Forumsbereichs, wo bereits andere wichtige römische Artefakte entdeckt wurden. "Wir wissen noch nicht genau, welche historische und kulturelle Bedeutung der Fund hat", sagte Kulturminister Alberto Bonisoli. "Aber diese Gegend erweist sich als ein echter Schatz für unsere Archäologie. Eine Entdeckung, die mich mit Stolz erfüllt."
Wer auch immer die Amphore an dieser Stelle versteckte, "vergrub sie so, dass man sie im Falle einer Gefahr hätte mitnehmen können", sagte Maria Grazia Facchinetti, eine Expertin für seltene Münzen, auf einer Pressekonferenz. Tatsächlich wurden sie nicht ausgegraben. Über die Ursachen kann man nur spekulieren. In den damaligen Zeiten ist es durchaus möglich, dass den Besitzer ein gewaltsamer Tod ereilt hat, bevor er den Schatz bergen konnte. Wegen der Menge der Münzen ist anzunehmen, dass sie keinem Privatmann gehörten – zumal sich keine anderen Wertgegenstände wie Schmuck in dem Gefäß befanden.
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"Die Münzen wurden in Rollen gestapelt. Sie ähneln denen, die heute in der Bank benutzt werden", sagte Facchinetti. Die Prägungen der Münzen zeigen die Kaiser Honorius, Valentinian III, Leon I, Antonio und Libio Severo. Keine Münze wurde nach 474 geprägt. "Diese Anzeichen sprechen dafür, dass der Eigentümer keine Privatperson war, sondern dass es sich um die Einlage einer Bank gehandelt habe", fügte Facchinetti hinzu. Denkbar ist aber auch, dass sie im Besitz einer Adelsfamilie waren. In der Gegend befanden sich mehrere große Landgüter von Adelsfamilien.
Derzeit befinden sich die Münzen im Restaurierungslabor in Mailand, wo Archäologen und Restauratoren sie untersuchen. Der Archäologe Luca Rinaldi sagte dem lokalen Newsportal "Qui Como": "Wir können keinen genauen Wert angeben, weil diese Münzen keine marktfähige Ware sind, aber es ist sicherlich ein außergewöhnlicher Fund und daher von unschätzbarem Wert. Ihr Erhaltungszustand ist so gut, dass wir die Münzen schnell exakt datieren können."

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