Meinung

Trump-Enthüllungen

Immer das gleiche Zeug - warum der "New York Times"-Auszug niemandem hilft

Donald Trump ist immer noch besser als seine Alternative, findet unsere Autorin
Foto: Jim Urquhart / AP / DPA
7. September 2018
Von: Alexandra Kraft
Wieder ein Buch über Trump und den Wahnsinn im Weißen Haus. Wieder jemand, der in vielen Zeilen in der "New York Times" Trump diskreditiert. Unterhaltsam? Ja. Hilfreich? Nein. Denn es lenkt nur von den wichtigen Themen ab.
Wir sollten schnellstens aufhören, uns mit erschreckend unterhaltsamen Geschichten über den Führungsstil Donald Trumps aufzuhalten. Das mag alles irgendwie lustig sein. Ja, ja, man kann darüber lachen, was der Enthüllungsjournalist Bob Woodward in seinem neuen Buch "Furcht: Trump im Weißen Haus" so an angeblichen Interna aus Washington ausplaudert. Es ist die Faszination des Grauens. Man kann einfach nicht wegschauen. Ging mir auch so.
Natürlich ist es unterhaltsam zu lesen, wie der Stabschef im Weißen Haus John F. Kelly von Woodward zitiert wird, als er über seinen Chef Donald Trump spricht. "Er ist ein Idiot. Es ist sinnlos ihn von irgendwas zu überzeugen. Er ist außer Kontrolle. Wir sind in einer Irrenanstalt. Ich weiß gar nicht, warum wir hier sind. Es ist der schlimmste Job aller Zeiten." Kelly bestätigt damit alle Vorurteile, die es derzeit wohl über Trump gibt.
Auch die anonyme Geschichte eines hochrangigen Mitarbeiters aus der Trump-Regierung in der "New York Times" habe ich gelesen. Wie er oder sie davon berichten, dass sie Trumps Arbeit aktiv untergraben. Es ist irgendwie beruhigend zu wissen, dass es im Weißen Haus in Washington ein paar Erwachsene gibt, die aufpassen, dass Trump nicht aus Versehen den Dritten Weltkrieg startet.
Diese Geschichten lenken nur ab
Aber diese Geschichten bringen uns nicht weiter. Sie lenken uns nur ab. Dass Trump unberechenbar und sprunghaft ist, sich für nichts interessiert, andere mobbt und sich für den größten Präsidenten aller Zeiten hält, das sollten wir nach über einem Jahr im Amt alle mittlerweile begriffen haben. Alles was wir zu dem Thema gerade lesen ist im Grunde nicht neu. Es ist nur die nochmalige Bestätigung. Es befriedigt unser "Ha, ich habe es doch immer gewusst" Gefühl. Es ist immer das gleiche Zeug.
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Und es macht es Trump verdammt einfach. Denn mit seiner Politik setzt sich fast keiner mehr auseinander. Angetrieben von den Enthüllungsgeschichten treibt Trump hinter all dem Getöse und Geschrei seine Agenda voran. Trump redet in steter Regelmäßigkeit vor tausenden seiner Anhänger offen davon, kritischen Fernsehsendern die Lizenz zu entziehen, erklärt Journalisten immer wieder zu "Feinden des Volkes". Alles in einer Sprache, die man eigentlich in der Sowjetunion erwartet hätte.

Anonymer Gastbeitrag in "New York Times"

"Ich bin Teil des Widerstands innerhalb der US-Regierung gegen Trump"

Gerade findet im amerikanischen Kongress der Ernennungsprozess von Brett Kavanaugh zum Richter am Supreme Court, dem höchsten Gericht der USA, statt. Der von Trump ausgewählte Jurist ist erzkonservativ und wird dem rechten Spektrum zugeordnet. Es ist der zweite Richter, den Trump ernennen kann. Sollte Kavanaughs bestätigt werden, wäre damit auf Jahrzehnte eine konservative Mehrheit im Supreme Court sicher. 
Trump sichert den Republikanern die Macht
Während alle davon reden, wer was gesagt hat, und alle rätseln, wer der geheime Autor aus der "New York Times" ist, sichert Trump damit Schritt für Schritt den Republikanern auch über seine Amtszeit hinaus die Macht im Lande. Das ist auch der wichtigste Grund warum die republikanische Partei ihn gewähren lässt, und ihm niemand Einhalt gebietet.
Die Demokraten dagegen sind leider in einem desaströsen Zustand. Nach dem Hillary-Clinton-Debakel fehlen ihnen die Ideen und eine erneuerte Führung. Die Hilflosigkeit ist eklatant. Es gibt niemanden, der Trump die Stirn bietet. Niemanden, der seine Politik attackiert. Weit und breit ist kein Hoffnungsträger - wie zum Beispiel der junge Barack Obama es einmal war - in Sicht.
Deswegen ist es längst nicht sicher, dass die Zwischenwahlen im November für den Senat und Kongress etwas an der Mehrheit der Republikaner ändern werden. Artikel wie der in der "New York Times" oder das Bob-Woodward-Buch spielen Trump bei seinen Anhängern sogar in die Karten. Seit zwei Jahren erzählt er ihnen auf jeder seiner Wahlveranstaltungen, dass es Kräfte in der US-Regierung gibt, die seine Arbeit für die amerikanische Mittelschicht untergraben. Erzkonservative Verschwörungsfreunde glauben nämlich, die USA würden in Wahrheit von einer Schattenregierung aus Geheimdiensten, Banken und dem 'militärisch-industriellen Komplex' regiert - dem "Deep State".  Unter den Trump-Wählern finden sich überdurchschnittlich viele Verfechter dieser Thesen. Sie haben nun endlich die Bestätigung schwarz auf weiß vor sich liegen. Das stärkt Trump - denn es mobilisiert seine Wähler.
Warum eine Amtsenthebung nicht gut wäre
In letzter Zeit wird viel geredet von "Impeachment", also einem Amtsenthebungsverfahren gegen Trump. Davon sind wir weit, weit, weit entfernt. Es ist nur das berühmte Pfeifen im Walde, ein Traum, mehr nicht. Trump ist gewählt, es zeichnet sich nicht einmal im Ansatz eine Mehrheit unter den Republikanern an, die eine solche Maßnahme unterstützen würden. Und selbst wenn, dann würde die Lage nicht besser werden. Im Gegenteil.
Denn Trump würde sein Vize Mike Pence nachfolgen. Ein religiöser Eiferer, eine Lügner, ein Klimaleugner, ein Abtreibungsgegner, der nicht an die Evolution glaubt. Der Afro-Amerikaner verabscheut. Einer, der Homosexuelle offensichtlich hasst. Über den Trump einmal sagte, als es um schwule Männer ging: "Fragt ihn nicht, er will sie alle hängen."
Ein Mann, der überzeugt ist, auf einer Mission Gottes zu sein. Aber auch einer, der viel geschickter agiert als Trump. Der sich sicher nicht von anderen manipulieren lässt. Der seine konservative Agenda brutal durchsetzen würde, der mächtige Geldgeber hinter sich hat. Das macht ihn viel gefährlicher als Trump. Der US-Politiker Harold Ickes sagte kürzlich: "Wir Demokraten sollten hoffen, dass Trump im Amt bleibt, denn er lässt sich besser beeinflussen und Pence wäre vermutlich ganz anders. Er wäre sicher erfolgreicher dabei, seine rechte, konservative Agenda durchzusetzen."
Das amerikanische Magazin "Politico" veröffentlichte gerade eine Geschichte mit dem Titel "Vergesst das Woodward-Buch. Hier kommt, was Trump in den Wahnsinn treiben würde." Der Rat des Autoren Mike McCurry: "Wir alle sollten Trump mal ein bisschen ignorieren." Denn die öffentliche Aufmerksamkeit sei "dessen Sauerstoff, der ihn am Leben halte, den er brauche und wolle."
Ja, darüber sollten wir wirklich mal nachdenken.