"Größte Menge aller Zeiten"?

Weißes Haus ließ Bilder von Trumps Amtseinführung manipulieren

Fake-News-Präsident

Zuschauerrekord? Jetzt korrigiert sogar Fox News Trumps Lügen

Für unglaubliche 30 Stunden ruht der Twitter-Kanal des mächtigsten Politikers der USA.     Präsident Donald Trump schweigt vor seiner Rede zur Lage der Nation im sozialen Netzwerk.   Bringt die innere Einkehr etwa auch innere Veränderung?   Wohl kaum. Der erste Tweet nach seiner Rede zeigt: Sich mit falschen Angaben selbst zu loben, bleibt weiterhin Teil seines Repertoires.   "Danke für die Komplimente und Berichte über meine Rede zur Lage der Nation. 45,6 Millionen Menschen sahen zu - das größte Publikum aller Zeiten."   Den Rekord für die meisten Zuschauer hält allerdings nicht Trump, sondern Bill Clinton.   1993 verfolgten 66,9 Millionen Zuschauer dessen erste Rede vor dem US-Kongress.    Trumps Lüge wird sogar von einer Sparte des konservativen Senders Fox News korrigiert:   Der Hauptkanal des Senders lässt Trumps schamlose Behauptung aber unkommentiert.   Dort wird Trump wie gewohnt angefeuert. mehr…
7. September 2018
Die bizarre Diskussion über die Größe der Zuschauermenge bei Donald Trumps Inauguration bekommt eine neue Dimension. Aus offiziellen Dokumenten, die dem "Guardian" vorliegen, geht hervor, dass das Weiße Haus "Beweisfotos" manipulieren ließ.
Die Bilder des Publikums von Donald Trumps Amtseinführung wurden offenbar auf Anweisung des Weißen Hauses manipuliert. Das berichtet der britische "Guardian" und beruft sich dabei auf interne Dokumente, die der Zeitung im Zuge des US-Informationsfreiheitsgesetzes zugänglich gemacht wurden. Laut des "Guardians" habe ein Fotograf freie Stellen auf dem Platz vor dem Weißen Haus herausgeschnitten, damit die Zuschauermenge größer wirkt. Den Unterlagen zufolge habe Donald Trumps damaliger Pressesprecher Sean Spicer darum gebeten.

"Größte Menge bei einer Amtseinführung"

Die Diskussion über die Größe der Zuschauermenge bei Trumps Amtseinführung im Januar 2017 sorgte für Irritationen, da sie Zweifel an Äußerungen aus dem Weißen Haus säte. Trump und sein Sprecher Spicer hatten behauptet, dass zur Inauguration des neuen Präsidenten mehr Menschen erschienen seien als zur Amtseinführung von Barack Obama acht Jahre zuvor – obwohl sämtliches Bildmaterial nahelegt, dass das Gegenteil der Fall war. Im Laufe der Debatte fielen die mittlerweile berühmten Sätze "Es war die größte Menge, die je einer Inauguration beigewohnt haben. Basta! (Sean Spicer) und Sean habe "alternative Fakten" präsentiert. (Kommunikationschefin Kellyanne Conway).
Publikum bei der Amtseinführung von Donald Trump 
© Patrick Semansky / Picture Alliance
Wie der "Guradian" aus dem Unterlagen des Generalinspekteurs des US-Innenministeriums zitiert, hatte Donald Trump die Bilder der Veranstaltung gesehen und sei verärgert gewesen, da sie eine deutlich kleinere Zuschauermenge zeigten als 2009, als Obama dem Eid abgelegt hatte. Der Fotograf hatte dem US-Präsidenten darauf ein neues Set an Bildern vorgelegt, auf dem leere Flächen weggeschnitten waren. Welche Fotos genau bearbeitet worden waren und ob sie veröffentlicht wurden, sei laut dem britischen Blatt aber unklar.

Trumps Pressesprecher

Sieben Akte ohne Gnade - das große Theater des Sean Spicer

Menge soll "Großteil der Fotos ausmachen"

Auslöser für die Manipulation war offenbar Trumps Bitte um Bilder beim Chef des National Park Services (NPS), der als Verwalter des Geländes für die Veranstaltung zuständig war. Zu dem Zeitpunkt kursierten in den sozialen Medien bereits Fotomontagen, die das Publikum vor dem Weißen Haus 2017 und 2009 gegenüberstellten. Eine NPS-Mitarbeiterin wird im dem Bericht mit dem Worten zitiert, "dass der Präsident sicher Bilder mit mehr Zuschauern sehen wolle, aber die vorliegenden zeigen viele freie Flächen." Deswegen sei sie "davon ausgegangen, dass man die Leerstellen abschneiden" sollte. An dem Tag habe Trumps Sprecher Sean Spicer mehrfach Bilder verlangt, auf denen die Menge den "Großteil der Fotos ausmachten".
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Einer der offiziellen Fotografen, dessen Name in dem Bericht geschwärzt wurde, habe daraufhin einen Anruf vom NPS erhalten, ein paar weitere Bilder zu bearbeiten. Nach eigener Aussage habe er bei einigen Foto leergebliebe Flächen entfernt und Teile des Himmels weggeschnitten, damit das Motiv "symmetrischer wirkt". Obwohl er keine direkte Ansage von Seiten des NPS bekommen habe, die Bilder derart zu manipulieren, habe er die Anfrage auf diese Weise interpretiert.

Bildbeschneidungen sind "gängige Praxis"

Der Bericht des National Park Service über die Vorkommnisse des Inaugurationstags war bereits im Sommer vergangenen Jahres erschienen, allerdings ohne den Hinweis darauf, dass Bilder manipuliert worden waren. Auf eine entsprechende Anfrage des "Guardians" beim NPS sagte eine Sprecherin, man habe deswegen nichts darüber geschrieben, weil diese Art der Bearbeitung nach Aussage des Fotografen "gängige Praxis" sei.
nik