Kein Machtgehabe

Nordkorea wird 70 - und verzichtet diesmal auf die große Raketen-Show

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Nordkorea verzichtet zum Staatsjubiläum auf Säbelrasseln

Angesichts der Bemühungen für eine Entspannung im Atomkonflikt hat Nordkorea bei der traditionellen Militärparade zum Staatsjubiläum diesmal auf große Machtdemonstrationen verzichtet. Zwar zogen auch beim Aufmarsch zum 70. Jahrestag der Gründung des kommunistischen Staates Zehntausende Soldaten und Panzerkolonnen an Machthaber Kim Jong Un vorbei. Doch verzichtete die Führung am Sonntag, anders als in den Vorjahren, auf die Präsentation von Interkontinentalraketen und anderes Säbelrasseln wie Raketen- oder gar Atomtests. Die Feiern in der Hauptstadt Pjöngjang standen vielmehr unter dem Motto Frieden, einer Stärkung der Wirtschaft und des Strebens nach einer Wiedervereinigung mit Südkorea. Zahlreiche Menschen schwenkten an der mit Ballons und Blumen buntgeschmückten Strecke Flaggen eines vereinten Koreas. "Alle Koreaner sollten ihre Kräfte bündeln, um die Vereinigung noch in unserer Generation zu erreichen", hieß es in einem Leitartikel der nordkoreanischen Parteizeitung. Zuvor hatte Kim dem „ewigen Präsidenten" Kim Il-sung, seinem Großvater, und Kim Jong Il, seinem Vater, in deren Mausoleum gedacht. Die USA und die Vereinten Nationen haben Sanktionen verhängt, um das abgeschottete und verarmte Land zur Aufgabe seines Raketen- und Atomprogramms zu bewegen. Für Mitte September ist das bisher dritte Treffen von Kim mit Südkoreas Präsident Moon Jae geplant. Ziel der Gespräche soll auch ein offizielles Ende des Korea-Krieges von 1950 bis 1953 und das Sondieren von Möglichkeiten für eine Wiedervereinigung sein. mehr…
10. September 2018
Wie üblich bei sehr wichtigen Jubiläen setzt Nordkorea auch am 70. Gründungstag auf Pomp und militärische Stärke. Doch scheint sich Pjöngjang bei der Waffenschau aktuell zurückzuhalten. Ein Signal an die USA, die stockenden Atomgespräche fortzuführen? Trump freut es.
Es ist ungewöhnlich für Nordkorea. Sonst ist das Zurschaustellen von Interkontinentalraketen, die das amerikanische Festland erreichen können, fester Bestandteil großer Militärparaden. Noch im Februar zur Heerschau des Gründungsjubiläums der Volksarmee gehörten Raketen zur Standard-Show. Zu seinem 70. Geburtstag am vergangenen Sonntag gab es nun wieder viel Prunk zur Parade. Dieses Mal allerdings verzichten Kim Jong Un auf die Sprengköpfe, obwohl es sich um ein weitaus bedeutenderes Kalenderdatum handelt. Das berichteten übereinstimmend ausländische Medien wie der US-Sender CNN und die japanische Nachrichtenagentur Kyodo aus der Hauptstadt Pjöngjang
Nordkoreas Zurückhaltung wird auch als Signal von Machthaber Kim Jong Un gewertet, die Verhandlungen mit den USA über das Atomwaffenprogramm seines Landes möglichst bald fortsetzen und die Annäherung nicht abbrechen zu wollen. US-Präsident Donald Trump würdigte dies als Zeichen der Kooperationsbereitschaft Nordkoreas mit den Vereinigten Staaten. "Nordkorea hat gerade seine Parade anlässlich des 70. Jahrestages der Gründung aufgeführt, ohne die übliche Zurschaustellung von Atomraketen", schrieb Trump am Sonntag auf Twitter. "Dies ist ein großes und sehr positives Statement von Nordkorea"

Keine Rede von Kim, Händchen halten mit China

Kim nahm die Parade von einem Balkon auf dem Kim-Il-Sung-Platz in Pjöngjang ab, ohne jedoch eine Rede zu halten. Stattdessen richtete das protokollarische Staatsoberhaupt Kim Yong Nam zu Beginn das Wort an die Menge: "Unser Land ist dank der stärksten Verteidigungskapazitäten eine Militärmacht geworden". Auf die Nuklearwaffen ging er jedoch den Berichten zufolge nicht ein.
Kim Jong Un und sein chinesischer Gast Li Zhanshu - der dritthöchste Beamte der Regierungspartei Chinas - hielten sich an den Händen und winkten lächelnd der Menge zu. Die kommunistische Führung in Pjöngjang hatte sich in den vergangenen Monaten verstärkt um eine Verbesserung der Beziehungen zum einstigen großen Verbündeten China bemüht, um ihre Position zu stärken.
Im Zentrum von Pjöngjang marschierten Tausende Soldaten im Stechschritt an den Gästen vorbei. Panzerkolonnen und Raketenfahrzeuge wurden aufgefahren. In der Mitte des Platzes hielten Zivilisten rot- und pinkfarbene Plastikblumen hoch. Die Parade bestand aus einem militärischen und einem großen zivilen Teil, bei dem die wirtschaftliche Entwicklung des Landes im Vordergrund stand.
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Annäherung an die USA oder bald wieder Langstreckenraketen?

Angesichts mangelnder Fortschritte bei den Atomverhandlungen mit den USA waren Beobachter gespannt, ob Nordkorea diesmal wieder Langstreckenraketen zeigen und damit eine besonders an Washington gerichtete Machtdemonstration in Szene setzen werde. Im April hatte Kim verkündet, die Atomtests und Starts von ICBM würden ausgesetzt. Nordkoreas Machthaber hatte auch mehrfach seine Bereitschaft zur "Denuklearisierung" bekräftigt, unter anderem bei seinem spektakulären Gipfeltreffen mit US-Präsident Donald Trump im Juni in Singapur. Bisher gab es jedoch keine konkreten Zusagen, wie und bis wann abgerüstet werden solle.
Mit seinen Raketen- und Atomtests hatte Nordkorea in den vergangenen Jahren wiederholt gegen UN-Resolutionen verstoßen. Der verarmte, isolierte Staat ist strengen Sanktionen unterworfen. Die USA und ihre Alliierten wollen an den Sanktionen festhalten, bis Nordkorea, das Washington lange Zeit eine feindselige Politik vorwarf, konkrete Schritte für eine Beseitigung seiner Atomwaffen einleitet.

Wiederaufnahme der "Massenspiele" in Nordkorea

Als weiterer Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten stand nach fünfjähriger Unterbrechung auch die Wiederaufnahme von "Massenspielen" im größten Stadion von Pjöngjang auf dem Programm. Bei diesem sorgfältig choreographierten Propaganda- und Unterhaltungsspektakel präsentieren Zehntausende Darsteller ein Programm aus Gesang, Tanz, Akrobatik und rhythmischer Gymnastik. Nach Angaben von Reiseveranstaltern in Peking, die Touren nach Pjöngjang anbieten, sollen die Spiele bis zum Oktober gezeigt werden.
Am 9. September 1948 wurde in Pjöngjang die Demokratische Volksrepublik Korea ausgerufen. Einen Monat zuvor war im Süden die Republik Korea gegründet worden. Die koreanische Halbinsel wurde 1945 in einen kommunistischen Norden und einen westlich orientierten Süden geteilt. Bis heute befindet sich die Halbinsel völkerrechtlich noch im Kriegszustand, da seit dem Ende des Korea-Kriegs (1950-53) noch immer kein formeller Friedensvertrag geschlossen wurde. 

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wlk/DPA