Wahl in Schweden

Sozialdemokraten verlieren heftig - Rechtspopulisten nicht so stark wie erwartet

Wahlkabinen in Stockholm
Foto: Hanna Franzen/TT News Agency/AP / DPA
9. September 2018
Wie überall in Europa verlieren die Sozialdemokraten den Rückhalt. Selbst in Schweden. Die Rechtspopulisten schneiden bei der Parlamentswahl zwar historisch gut ab, sind aber nicht so erfolgreich wie Umfragen prognostiziert haben.
Für Sozialdemokraten ist es gerade nirgendwo leicht. Auch nicht in ihrem Vorzeigeland Schweden. Bei der Parlamentswahl sind sie einer Katastrophe zwar entgangen, haben aber deutlich an die Rechtspopulisten verloren. Den Prognosen zufolge wurde die Partei von Regierungschef Stefan Löfven erneut stärkste Kraft, das rot-grüne Lager kommt aber nicht auf eine stabile Regierungsmehrheit.

Regierungsbildung dürfte enorm schwierig werden

Die einwanderungskritischen Schwedendemokraten dagegen fuhren demnach das beste Ergebnis ihrer Geschichte ein und wurden zweitstärkste Partei. Allerdings schnitten sie schlechter ab, als es einige Umfragen vor der Wahl nahelegten. Dennoch: Die Regierungsbildung dürfte enorm schwierig werden.
Damit setzt sich auch in dem skandinavischen Land der Rechtsruck fort, der seit der Flüchtlingskrise 2015 fast alle Wahlen in Europa geprägt hat. Erneut wurden vor allem die Sozialdemokraten abgestraft, ähnlich wie vor einem Jahr in Deutschland und wie in Italien und Österreich. In nur noch 6 der 28 EU-Staaten führten zuletzt klassische Mitte-links-Parteien die Regierung: in Rumänien, Portugal, der Slowakei, in Malta, Spanien - und eben in Schweden. Nun muss die Partei, die Westeuropa geprägt hat wie kaum eine andere, auch in ihrem Musterland große Verluste einstecken.

Sozialdemokraten mit Negativrekord

Der Prognose des Fernsehsenders SVT zufolge erreichten die Sozialdemokraten 26,2 Prozent - und fuhren damit das schlechteste Ergebnis in mehr als 100 Jahren ein. Wer Schweden künftig regieren kann, scheint völlig unklar: Der rot-grüne Block aus Sozialdemokraten, Grünen und der sozialistischen Linkspartei kommt auf 39,4 Prozent. Das zweite große Lager, eine liberal-konservative Vier-Parteien-Allianz unter Führung der Moderaten, erreicht 39,6 Prozent.

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Die rechtspopulistischen Schwedendemokraten kommen der Prognose zufolge auf 19,2 Prozent.: Keiner der traditionellen Blöcke will eine Koalition mit der für ihre rechtsextremistischen Wurzeln und strenge Einwanderungspolitik kritisierten Partei eingehen.
Es bliebe eine Minderheitsregierung, die in Schweden zwar normal ist, die bei Abstimmungen im Parlament aber auf die Zustimmung der Rechtspopulisten angewiesen wäre. Das wollen die traditionellen Parteien eigentlich verhindern, denn es würde den Schwedendemokraten, ähnlich wie den dänischen Rechtspopulisten, die Macht geben, als Mehrheitsbeschaffer die eigene Politik mit durchzudrücken.
nik/DPA