Interview

Johannes Kahrs

AfD-Eklat im Bundestag: SPD-Politiker beklagt im stern-Interview "Mimimi von Rechtsradikalen"

Johannes Kahrs (SPD) spricht bei der Generaldebatte im Deutschen Bundestag
Foto: Kay Nietfeld / DPA
12. September 2018
Johannes Kahrs hat sich die AfD während der Generaldebatte im Bundestag vorgeknöpft. Später sind die verbalen Attacken des SPD-Politikers für die AfD-Abgeordneten so unerträglich, dass sie geschlossen das Plenum verlassen. Musste das sein? Vier Fragen an Johannes Kahrs.
Johannes Kahrs redet nicht mit der AfD, weil er nicht mit "Rechtsradikalen" redet. Nun will die Partei wohl auch nicht mehr mit ihm reden - oder zumindest zuhören: Während der Generaldebatte im Bundestag wählte der SPD-Abgeordnete harsche Worte für die AfD. "Rechtsradikale in diesem Parlament sind unappetitlich", sagte er an die Adresse der AfD. "Hass macht hässlich - schauen Sie mal in den Spiegel." Daraufhin verließ die gesamte AfD-Fraktion vorübergehend das Plenum.
Der rechtspopulistischen Partei wird ihre scharfe Rhetorik regelmäßig vorgehalten. Der SPD-Politiker hat gewissermaßen den Spieß umgedreht. Muss das sein? Vier Fragen an Johannes Kahrs.

Johannes Kahrs: "Rechts- und Linksextreme braucht in diesem Land mit dieser Geschichte keiner"

Herr Kahrs, die AfD-Fraktion hat während Ihrer Rede den Plenarsaal im Bundestag verlassen. Wie bewerten Sie die Szene? Verbuchen Sie diese als Erfolg?
Wer austeilt, muss auch einstecken können. Das ewige Mimimi von den Rechtsradikalen zeigt nur, dass sie das eben nicht können.
"Hass macht hässlich – schauen Sie mal in den Spiegel", sagten Sie in Richtung der AfD. Eine Zwischenfrage der Fraktion lehnten Sie daraufhin - nicht zum ersten Mal - ab, da Sie keine Zwischenfragen von "Rechtsradikalen" zulassen. Wird man mit dieser Rhetorik und verbalen Schärfe den AfD-Wähler bekehren können?
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Die demokratischen Parteien müssen für mein Empfinden ab und an auch mal klare Kante ziehen. Nach den Reden von Herrn Gauland und Frau Weidel war es wichtig, dass diesen Spaltern und Hetzern eine klare Ansage gemacht wurde. Deswegen habe ich mich auch am Anfang meiner Rede bei Martin Schulz für seine Entgegnung auf Herrn Gaulands Rede bedankt.
AfD-Abgeordnete verlassen den Plenarsaal während der Rede von Johannes Kahrs (SPD) bei der Generaldebatte im Deutschen Bundestag
© Kay Nietfeld / DPA
Sie reden nicht mit der AfD, weil diese Rechtsradikale seien. Gilt das auch für die Wähler der AfD?
Die AfD ist eine rechtsradikale Partei. Wer sie wählt, muss wissen, dass er damit Leute unterstützt, die gemeinsam mit Nazis und Leuten, die den Hitlergruß zeigen, unsere Straßen unsicher machen.
Die Reaktionen im Netz fallen positiv und negativ aus: Sie werden etwa als "Selbstdarsteller" bezeichnet, ihr "pöbelnder Protest" sei "kontraproduktiv im Kampf gegen Nazis". Wie reagieren Sie auf die Kritik?
Ich bin Oberst der Reserve der deutschen Panzergrenadiertruppe und habe mich im politischen Unterricht immer für eine wehrhafte Demokratie eingesetzt. Wenn nötig, tue ich das auch im Deutschen Bundestag. Rechts- und Linksextreme braucht in diesem Land mit dieser Geschichte keiner.
Anmerkung der Redaktion: Johannes Kahrs hat unsere Fragen schriftlich beantwortet.
fs