15. April 2019 8:24 Uhr
Über die Osterfeiertage soll das Wetter frühlingshaft werden. Also nichts wie raus. Deutschland hat so viele schöne Ecken. Die stern-Redaktion gibt Tipps für Reiseziele in Deutschland, die vor der Haustür liegen.
Dass das Gute so nah liegt, wissen die Deutschen, und sie verhalten sich auch so: Jeder Dritte verbringt seinen Haupturlaub im eigenen Land, Tendenz steigend. "Die Bürger schätzen die Sicherheit, den Service und die Attraktivität der Ziele", sagt Ulrich Reinhardt, Wissenschaftlicher Leiter der Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen, die jedes Jahr die "Tourismusanalyse" veröffentlicht.
Mehr als die Hälfte der Deutschen ziehe es zudem vor, kurze Strecken zurückzulegen, statt weite Reisen zu machen. Vor elf Jahren waren es gerade mal 36 Prozent.
Die gute Nachricht: Man muss nicht weit reisen, um wahre Traumziele zu finden, viele liegen direkt vor unserer Haustür. Deutschland ist die Welt im Kleinen, voller offensichtlicher und versteckter Schönheit, gesegnet mit großer Vielfalt: Meere, Seen und Flüsse, Berge, Wiesen und Wälder, Schlösser und Burgen, Dörfer und Großstädte – das alles kann Deutschland.
Die meisten Urlauber zieht es an die Ost- und Nordsee und in die bayerischen Berge. Doch auch Regionen wie der Harz, die Rhön oder die Eifel verzeichnen Zuwachszahlen, nachdem sie in ihre touristische Infrastruktur investiert haben: in Hotels und Restaurants, Wege und Bäder, Hängebrücken und Baumwipfelpfade.
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Lost Places

Gespenstische und verlassene Orte – so mystisch kann Brandenburg sein

Verlassen, trostlos und zerfallen – so sieht es mancherorts in Brandenburg aus. Fotograf Ralph Gräf fängt diese zum Teil kargen Orte mit seiner Kamera ein. Mit dem stern spricht er über seine Fotoserie "Brandenburg Countryside". Die meisten Bilder, die ich mache, entstehen bei zufälligen Streifzügen mit dem Auto oder mit dem Fahrrad. Ich den größeren Ortschaften gehe ich aus den Zentren raus, weil die Zentren eher so herausgeputzt sind, damit sich der ein oder andere Tourist da wohlfühlt. Und dort findet man dann die spannenderen Motive. Vor zwölf Jahren zieht Fotograf Gräf von Bayern nach Brandenburg. Mich hat zunächst eigentlich die Andersartigkeit von dem fasziniert, was man vom sehr aufgeräumten Bayern kennt. So dieses Gefühl: das ist irgendwie ein bisschen ursprünglicher, das ist weniger rausgeputzt. Es hat eine gewisse herbe Schönheit, eine gewisse Herbheit. Und dann finde ich es eigentlich auch wichtig, gerade für Leute aus meiner Generation, die beide Deutschlands mitbekommen haben und sich sehr gut an die DDR-Zeit erinnern können, die Erinnerung an diese Andersartigkeit wach zu halten. Ohne, dass ich das damit irgendwie bewerten möchte. Ralph Gräf arbeitet über fünf Jahre an der Fotoserie. Ein Zeitraum, den einige seiner Motive nicht überstehen. Bei einigen Orten weiß ich, dass es sie nicht mehr gibt. Zum Beispiel diese Silo-Türme, die man auf den Bildern sieht. Die gibt es nicht mehr. Die sind abgerissen worden. Es verschwindet schon einiges. Doch was ist so faszinierend an verlassenen Orten? Was mich daran fasziniert, ist, dass diese Orte die Vergänglichkeit zeigen. Und gleichzeitig viele Geschichten erzählen. Man fragt sich oft: Was ist hinter den Mauern passiert? Welche Geschichte steckt hinter einem Kiosk? Warum ist dieses Business in die Hose gegangen? Wie bei dem Imbiss, der ganz offensichtlich nicht mehr in Betrieb ist. Ich finde, dass diese Stadtlandschaften und Bilder eine Geschichte erzählen. Es ist mir wichtig, dass es vielleicht in dem Betrachter eine Geschichte auslöst. Auch wenn es nicht die reale Geschichte ist, aber es soll eine Art von Nachdenken, von Kopfkino, in Gang setzen.
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