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Ada Hegerberg : Die beste Fußballerin der Welt erklärt, warum sie bei der WM nicht mitspielen wird

Lässt sich nicht verbiegen: Weltfußballerin Ada Hegerberg verzichtet auf die Fußball-WM und kommentiert die Spiele der Norwegerinnen als TV-Expertin
Foto: Catherine Ivill / Getty Images
Von: Jan Sägert
Weltfußballerin Ada Hegerberg wird am Samstag nicht für Norwegen auf dem WM-Rasen stehen. Stattdessen kommentiert der Superstar die Spiele der Ex-Kolleginnen von der Tribüne aus. Dabei ist die 23-Jährige topfit.
Stellen Sie sich vor es ist Fußball-WM und der beste Kicker der Welt geht nicht hin. Ein WM-Turnier ohne Messi, Ronaldo oder Modric? Das würde kein Fußball-Fan der Welt verstehen. Am Freitag wird im französischen Reims die achte Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen angepfiffen. Doch statt die Stiefel zu schnüren, sitzt die derzeit beste Spielerin der Welt als TV-Expertin mit Kopfhörern und Mikrofon auf der Pressetribüne des norwegischen Fernsehens.

Hegerberg: "Es war nicht genug und es ist nicht genug"

Die Norwegerin Ada Hegerberg ist sauer. Richtig sauer. Immer noch. Und zwar auf ihren Verband. Bereits 2017 trat die 23-Jährige aus der Nationalmannschaft zurück. Dabei entschied sich Norwegens Fußballverband in einer bisher einmaligen Aktion, das Budget für kommerzielle Werbeauftritte seiner Fußballfrauen an das der Männer anzugleichen. Doch das reichte der Weltfußballerin von 2018 nicht. Ihrer Meinung nach müssten sie und ihre Kolleginnen noch besser an den Prämien beteiligt werden. "Für mein Gefühl war es nicht gut genug - und es ist nicht gut genug" erklärte sie erst im Mai im TV-Sender "CNN". 66 Mal lief Hegerberg im Nationaltrikot der Skandinavierinnen auf und erzielte dabei überragende 38 Tore. Dann legte sich die Stürmerin des französischen Topklubs Olympique Lyon mit den Offiziellen an.

Schlaflose Nächte vor dem Rücktritt

Wenige Tage vor dem Beginn der WM in Frankreich legt Hegerberg nun noch einmal nach. In einem Interview mit dem norwegischen Fußballmagazin "Josimar" erklärt sie, Albträume gehabt zu haben. "Es war ein zutiefst deprimierendes Gefühl, wenn ich bei der Nationalmannschaft war." Dann sei ihr schlagartig der Gedanke gekommen, die Laufbahn im Nationalteam zu beenden, erinnert sich Hegerberg, die diesen Schritt auch zwei Jahre danach nicht bereut. "Es ist hart, allein für etwas einzustehen, an das man glaubt, aber ich bin bereit, das auszuhalten, um für meine Werte und Überzeugungen einzustehen und meinen Weg zu gehen", sagt sie kämpferisch.
Hegerberg ist nicht erst seit dem Gewinn des Ball d'Or im Dezember 2018 eine Nationalheldin und ein Vorbild für junge Fußballerinnen in ihrer Heimat. Dass sie sich ausgerechnet jetzt - wenige Tage vor dem ersten Spiel ihrer früheren Teamkolleginnen (Samstag, 8.6. gegen Nigeria)  - nochmals öffentlich zum Prämienstreit von 2017 äußert, kommt aber nicht bei allen gut an.
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Ødegaard platzt der Kragen: "Es reicht jetzt"

Martin Ødegaard, ein 20-jähriges Fußballjuwel - derzeit bei Real Madrid unter Vertrag - greift Hegerberg via Instagram hart an. "Unbegreiflich" und "furchtbar" nannte der Nationalspieler den Zeitpunkt des aktuellen Interviews. Die Entscheidung, nicht für Norwegen zu spielen sei ihre. "Aber respektiere Norwegen und unser Nationalteam", schreibt Ødegaard an die Adresse der früheren Spielerin von Turbine Potsdam. Und weiter: Das Team habe sich für die Weltmeisterschaft qualifiziert (eine der größten Sachen, die man im Fußball erreichen kann) und bereits genug negative Aufmerksamkeit bekommen. Es verdiene etwas Besseres. Hegerberg werde sich dazu nicht äußern, stellten ihre Berater umgehend klar.
Unwahrscheinlich, dass sie ihre Kritik an mangelnder Chancengleichheit in den nächsten vier Wochen am Mikrofon des norwegischen Fernsehen nicht noch einmal wiederholt. Eine Hilfe für ihre früheren Teamkolleginnen ist das sicher nicht - auf dem Rasen könnte die Mannschaft von Trainer Martin Sjögren Hegerberg nach dem enttäuschenden Vorrundenaus vor vier Jahren zweifelsohne deutlich besser gebrauchen.

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Quelle: "Sport1"