Attacke vor Shisha-Bar

26-jährige Polizistin brutal angegriffen: Woher kommt die mangelnde Achtung?

Symbolbild
Foto: GettyImages
12. September 2018
Als Polizeibeamte am Freitagabend in einer Shisha-Bar in Essen eine Alterskontrolle durchführen, wird eine Polizistin von mehreren jungen Männern attackiert. Der Pressesprecher der Essener Polizei zeigt sich schockiert von der heftigen Eskalation – auch wenn solche Angriffe zunehmen.
Immer wieder kommt es vor, dass Polizei, Sicherheits- und Hilfskräfte Opfer unvermittelter Angriffe werden. Am Wochenende passierte es erneut. Als Beamte Kopstadtplatz in Essen die "Buddy Bar" überprüften. Ein Polizist und eine Polizistin wollten lediglich sehen, ob sich in der Shisha-Bar Minderjährige aufhalten. Sie überprüften Ausweise und wurden dabei heftigst beschimpft und beleidigt. Als ein junger Mann weglief, wollte die Polizistin ihm hinterher. Doch ihr wurden die Beine weggerissen, sie fiel zu Boden, wie ein Handyvideo zeigt. Es folgten Tritte in den Unterleib. Der Pressesprecher der Essener Polizei Ulrich Faßbender schildert die Situation: "Die Kollegin ist dann zu Boden gestürzt und es ist mehrfach mit dem beschuhten Fuß auf sie eingetreten worden. Sie hat Würgemale davon getragen am Hals. Der Kollege selber ist auch massiv angegangen worden. Beide mussten in der Nacht noch in ärztliche Behandlung. Die Kollegin ist bis zum heutigen Tage noch krank geschrieben."
Auch der Kollege, der der 26-Jährigen zur Hilfe eilte, wurde von der Gruppe libanesisch-stämmiger junger Männer geschlagen. Mithilfe von Passanten schafften es die Beamten, einen 17-jährigen Angreifer festzunehmen – der Rest der Gruppe floh. Der Betreiber der Bar hat sich über seinen Anwalt gegenüber stern TV klar von dem Vorfall distanziert. Sein Laden komme zu Unrecht in Verruf, er selbst habe sich an den Attacken nicht beteiligt.
Fakt ist: Die Gewalt gegen Polizeibeamte nimmt zu, die Hemmschwelle sinkt immer weiter, selbst in Verdachtsfällen oder nichtigen Anlässen aggressiv und gewalttätig zu werden. "Das liegt daran, dass Leute aus diesem Milieu den deutschen Staat in seiner Rechtsform nicht anerkennen. Die schaffen sich ihre eigenen Gesetze. Die akzeptieren die Polizei nicht als Träger staatlicher Gewalt", so Ulrich Faßbender. "Aber wir sind in unterschiedlicher Intensität dabei, da Grenzen zu setzen. Das gilt es weiter fortzusetzen und daran werden wir arbeiten." Vor allem in diesem Fall will die Polizei die Missachtung und Gewalt nicht hinnehmen – und sucht nun weitere Augenzeugen, Passanten oder Gäste der "Buddy Bar" in Essen, die Aussagen zu dem Vorfall am Freitagabend machen oder mit Aufnahmen helfen können.
Hinweise per Telefon unter: 0201 / 829-0 

"Wir dulden diese Parallelgesellschaften nicht und gehen konsequent dagegen vor"

Welchen tätlichen Angriffen und Attacken sich die Beamten tagtäglich gegenübersehen, hat Steffen Hallaschka live in der Sendung mit dem Polizeipräsidenten von Essen Frank Richter besprochen. "Polizei ist bei jeglichem Einsatzanlass, selbst bei Kleinigkeiten, das Feindbild", so Richter bei stern TV. Es sei schon zur Regel geworden sei, dass Polizeibeamte bei Routinekontrollen plötzlich von "fünf, sechs aggressiven jungen Männern angegangen werden und es dann nicht bei verbalen Attacken bleibt, sondern sie auch angreifen." Beleidigungen, Anspucken, all das sei an der Tagesordnung. Man gehe davon aus, so Frank Richter, dass die Clans in Essen bis zu 1.200 Mitglieder zählen, die die Polizei als staatliche Gewalt nicht anerkennen – und die über Handykommunikation untereinander auch stets für Verstärkung sorgten. Gegen diese libanesischen Clans und ihre Respektlosigkeit werde in Essen jedoch derzeit mit aller Härte vorgegangen, versicherte Richter: "Wir fahren derzeit in Essen ein sehr konsequentes System, um genau diese Parallelgesellschaften zu bekämpfen."
Im Video: Studiogespräch mit Essener Polizeipräsident Frank Richter
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Studiogespräch vom 12.09.2018

"Wir dulden diese Parallelgesellschaften nicht und gehen konsequent dagegen vor"